Die Larven des Alpenbocks (Rosalia alpina) ernähren sich von abgestorbenem Holz. Foto: Ralph Martin / fotografie_martin@gmx.de

Wie schnell totes Holz im Wald abgebaut wird, hängt vom Klima sowie von Pilzen und Insekten ab. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung von Prof. Claus Bässler Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität Frankfurt hat nun den jährlichen Beitrag von Totholz zum globalen Kohlenstoffkreislauf ermittelt und erstmals die Bedeutung von Insekten beim Holzabbau quantifiziert.

Lebende Bäume nehmen viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und sind damit wichtige Klimaschützer. Über die Rolle von toten Bäumen im globalen Kohlenstoffkreislauf ist aber wenig bekannt. Dabei gehören die Zersetzung von Holz und die Rückführung der darin gespeicherten Nährstoffe zu den wichtigsten Prozessen in Wäldern.

Wie viel Kohlenstoff wird weltweit aus verrottendem Holz freigesetzt? Welche Rolle spielen dabei Insekten? Das wurde nun erstmals in einem globalen Forschungsprojekt erforscht, das vom Nationalpark Bayerischer Wald etabliert und von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und der Technischen Universität München (TUM) koordiniert wurde. 

Totholz setze jährlich 10,9 Gigatonnen Kostenstoff weltweit aus Totholz frei, so die Wissenschaftler. Ein Teil des Kohlenstoffs gehe dabei in den Boden, während ein anderer Teil in die Atmosphäre freigesetzt wird. Die aus Totholz freigesetzte Menge entspräche rund 115 Prozent der Emissionen aus fossilen Brennstoffen.

„Mit 93 Prozent tragen die Tropenwälder auf Grund ihrer hohen Holzmasse in Kombination mit schnellen Abbauprozessen überproportional zu diesem Ergebnis bei. Langsamer Abbau in Wäldern der nördlichen und gemäßigten Breiten führt dazu, dass hier Kohlenstoff über lange Zeiträume in Totholz gespeichert wird. Insekten haben am Holzabbau einen Anteil von fast einem Drittel, der sich überwiegend auf die Tropen beschränkt. In Wäldern der nördlichen und gemäßigten Breiten sind die Beiträge der Insekten jedoch gering“, erklärt PD Dr. Sebastian Seibold von der TUM, Erstautor der Studie.

„Im globalen Wandel beobachten wir zum Teil drastische Rückgänge der Artenvielfalt und Änderungen des Klimas. Die aktuelle Studie zeigt, dass sowohl Klimaveränderungen als auch der Verlust von Insekten das Potenzial haben, den Holzabbau und damit die Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe weltweit zu verändern“, erklärt PD Dr. Seibold.

Weitere Informationen: www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/36876

Publikation: Nature, DOI: 10.1038/s41586-021-03740-8