Prof. Dr. Petra Döll, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften

Für ihre herausragende Forschung zu Vorkommen und Management der weltweiten Wasserressourcen erhält die Hydrologin Prof. Petra Döll vom Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität die Henry Darcy-Medaille der European Geosciences Union (EGU). Die Medaille wird im April 2019 auf der EGU-Jahrestagung in Wien feierlich übergeben.

Die Vereinigung der europäischen Geowissenschaftler würdigt Petra Döll als eine Pionierin bei der Modellierung der globalen Wasserressourcen. Bereits 1996 begann sie mit der Entwicklung des globalen hydrologischen Modells WaterGAP, ein Simulationsprogramm, mit dem die weltweiten Süßwasservorkommen und deren Nutzung abgeschätzt und vorhergesagt werden können. WaterGAP wird seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und ist in zahlreichen Studien eingesetzt worden, u.a. den Berichten der Vereinten Nationen zur Entwicklung der weltweiten Wasserressourcen sowie des Weltklimarats IPCC. Als Mitglied des IPCC untersucht Petra Döll seit 2001, welchen Einfluss der Klimawandel auf die weltweiten Wasserressourcen hat. Die in WaterGAP verwendeten Ansätze und Daten haben inzwischen Eingang in viele andere Modelle gefunden.

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Petra Döll ist die quantitative Bewertung der weltweiten Süßwasservorräte, wobei sie deren Verfügbarkeit ins Verhältnis zum Verbrauch setzt. Von besonderer Bedeutung ist, wie sich dieses Verhältnis zukünftig angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels entwickeln wird. Um dies zu veranschaulichen, nutzt Döll eine neue Art von Karten, bei denen die Flächen in Bezug auf die gezeigte Größe verzerrt sind. Auf solchen „amorphen Karten“ wirken beispielsweise wasserreiche Länder wie Brasilien aufgequollen. Dennoch kann dort Wasserknappheit herrschen, wenn die Bevölkerungsdichte und/oder der Wasserverbrauch entsprechend hoch sind.

Die Frankfurter Professorin hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder für den weiblichen Nachwuchs in den Geowissenschaften eingesetzt. Bei ihren Doktorandinnen und Doktoranden wird sie als inspirierendes Vorbild geschätzt. Für eine verständliche öffentliche Darstellung ihrer Forschung setzt sich die Wissenschaftlerin in Vorträgen und Vorlesungen ein. Bei der Frankfurter Kinder-Uni erklärte sie 2010 in ihrem Vortrag „Genug Wasser für alle – wie schaffen wir das?“ mehr als 2000 Kindern eindrücklich, warum man zur Herstellung von Brot viel weniger Wasser braucht, als für die gleiche Menge Fleisch.

Die Darcy-Medaille ist nach dem französischen Ingenieur Henry Darcy (1803-1858) benannt. Als Verantwortlicher für die Wasserversorgung von Dijon untersuchte er unter anderem, wie die Grundwasservorräte durch Regenwasser aufgefüllt werden.

Quelle: Pressemitteilung vom 31. Oktober 2018