Die Schweizer Literaturwissenschaftlerin Manuela Kalbermatten arbeitet seit April am Institut für Jugendbuchforschung

Ihr Dienstantritt kollidierte ungünstig mit dem Corona-Lockdown: Anfang April wollte Manuela Kalbermatten eigentlich ihre Stelle am Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität antreten, aber an eine Präsenz vor Ort war vorerst nicht zu denken. Zweieinhalb Monate lang konnte sie nur von ihrem Schweizer Homeoffice aus mit den Frankfurter Kolleg*innen und Studierenden kommunizieren.

„Eine merkwürdige Zeit, aber auch mit vielen interessanten Erfahrungen“, bilanziert die Literaturwissenschaftlerin, die an der Universität Zürich zunächst Germanistik studiert und dann am Institut für Sozialanthropologie und empirische Kulturwissenschaft promoviert hat. In ihrer Forschung spielen aktuelle gesellschaftliche Umbrüche und Krisen als Kontexte und Themen von Jugendliteratur ohnehin eine große Rolle. Ihre Interessen liegen unter anderem auch im Bereich der Genderforschung: Sie befragt jugendliterarische Texte danach, welche Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit inszeniert und wie aktuelle Geschlechterdiskurse verhandelt werden. Nebenbei arbeitet Kalbermatten auch als Literaturkritikerin und rezensiert Neuerscheinungen von „Kinder- und Jugendmedien“.

Sie bevorzugt mittlerweile den Begriff „Medien“, denn junge Leserinnen und Leser wachsen heute mit ganz unterschiedlichen Genres und Erzählformen auf. Serialität und Transmedialität heißen die Fachbegriffe für diese zunehmende Entgrenzung der Medienlandschaft. „In Frankfurt hat man schon früh, gerade mit der Beschäftigung mit Comics, aber auch mit Bilderbüchern und Medienverbünden, diese Vielfalt von Text- und Bildmedien berücksichtigt“, erläutert Kalbermatten. Sie freut sich, auf ihrer Postdoc-Stelle nun in einem Institut arbeiten zu können, dass sich ganz auf die Kinder- und Jugendmedien fokussiert. „Am Institut in Zürich bildet der Bereich Kinder- und Jugendmedien einen von mehreren Schwerpunkten der Populärkulturforschung.

Diese enge Verbindung von Populärkultur und Kinder- und Jugendmedien möchte ich auch in meiner weiteren Forschung zentral gewichten.“ Auch wenn die Entfernung Zürich – Frankfurt im internationalen Maßstab vergleichsweise gering ist, war Kalbermatten froh, dass sie bei der Organisation ihres Umzuges vom Team des Goethe Welcome Centre gut unterstützt wurde. So ergab es sich, dass sie eine Wohnung im Gästehaus der Universität beziehen konnte. „Die Stadt gefällt mir sehr gut, vor allem das kulturelle Angebote und die vielen Grünzonen“, sagt Kalbermatten. Allerdings vermisst sie ein lebendiges Campusleben, wie man es aus der „Vor-Corona-Zeit“ kennt – und die Diskussionskultur der Präsenzlehre. An den zwei Veranstaltungen, die sie im vergangenen Sommersemester durchgeführt hat, nahmen jeweils rund 40 Studierende teil. „Spontane Diskussionen sind bei dieser Seminargröße auf Zoom schwierig, deshalb habe ich überwiegend auf asynchrone Lehre gesetzt.“

Allerdings hat Kalbermatten auch interessante Beobachtungen machen können: „Für manche Studierende, die in einer Präsenzveranstaltung eher zurückhaltend sind, stellen das Online-Format und gerade auch Möglichkeiten der schriftlichen Diskussion auch eine Chance dar, sich stärker einzubringen.“ Für ihre Veranstaltungen im Wintersemester hat sie sich vorgenommen, den Studierenden noch mehr Austauschmöglichkeiten untereinander zu bieten.

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 5.20 des UniReport erschienen.