Tarek Al-Wazir, stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister; Foto: HMWEVL

Tarek Al-Wazir, stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister; Foto: HMWEVL

Schon als Student war Tarek Al-Wazir politisch engagiert, die Tätigkeit als Landtagsabgeordneter ließ ihm kaum Zeit fürs Studium. Heute ist Al-Wazir Wirtschaftsminister des Landes Hessen – und Mitglied im Alumni-Rat der Goethe-Universität.

Zu gern hätte er selbst den Knopf gedrückt, um den AfE-Turm zu sprengen. Doch Tarek Al-Wazir, Grünenpolitiker, Wirtschaftsminister des Landes Hessen und Alumni-Rat der Goethe-Universität, musste sich damit begnügen, den Fall des Turms aus der Ferne zu verfolgen. Umso lieber kommt er auf den neuen Campus Westend. »Wenn ich mir diese Pracht betrachte und an diesen verratzten Turm aus meiner Studienzeit zurückdenke, meine ich: Die heutigen Studierenden wissen gar nicht, was für eine Entwicklung die Goethe-Uni in den vergangenen Jahren erlebt hat.« Auch wenn er selbst Alumnus der Goethe-Universität ist, findet er, dass nun die anderen hessischen Hochschulen bei der staatlichen Förderung zu Recht darauf hinweisen, dass sie auch Nachholbedarf haben.

Auch Professoren kamen

Er selbst war eher ein Teilzeit-Student. Denn seine politische Karriere begann früh und ließ ihn kein normales Studentenleben führen – »leider«. Seit 1992 war er Vorsitzender der Grünen Jugend in Hessen, im zweiten Semester saß er im Offenbacher Stadtparlament, im fünften im Landtag. Da blieb nicht viel Zeit fürs Studium, und entsprechend langwierig war es. »Ich musste mir im Landtag oft anhören, wann ich endlich meinen Abschluss mache«, erzählt er. Da habe er sich selbst ein Ultimatum gesetzt: Wenn er das Examen nach seiner zweiten Legislaturperiode noch nicht in der Tasche hätte, würde er die Politik aufgeben.

Es habe ihn viel Schweiß und Sonntagsarbeit gekostet, seine Diplomarbeit fertig zu machen. »Der aufhaltsame Weg zum Einwanderungsland« lautete der Titel. Heute aktueller denn je. Relevanz – das ist für Tarek Al-Wazir ein wichtiges Stichwort in Zusammenhang mit der Uni. Nicht im Sinne wissenschaftlicher Veröffentlichungen, sondern im Sinn gesellschaftlicher Relevanz: »Die Wissenschaft sollte sich ihrer Verantwortung stellen und sich einbringen«, findet er. Er habe sich sehr gefreut, als mit dem Exzellenzcluster »Normative Ordnungen« ein gesellschaftswissenschaftlicher Bereich den Zuschlag erhielt. »Sicher ist nicht jeder Wissenschaftler ein Adorno, aber Frankfurt lebt davon, dass man sich hier nicht nur Gedanken um die Wirtschaft macht«, so der Wirtschaftsminister.

Tarek Al-Wazir, Sohn einer deutschen Lehrerin und eines jemenitischen Diplomaten, ist gebürtiger Offenbacher – und ein überzeugter dazu. Schulen in Offenbach und Frankfurt, Studium der Politologie an der Goethe-Universität: Al-Wazir ist fest im Rhein-Main-Gebiet verwurzelt, daran ändern auch die zwei Jahre nichts, die er in Sana’a, der jemenitischen Heimat des Vaters, verbracht hat. Dem Vorbild der Eltern folgend, war Tarek Al-Wazir schon als Gymnasiast politisch aktiv. Im Konvent der Uni jedoch hat er – anders als im Internet zu lesen – nicht mitgemischt.

Der Alumni-Rat

Der Alumni-Rat wurde im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Zwölf namhafte Persönlichkeiten, die alle an der Goethe- Uni studiert haben, sind Mitglied im Alumni-Rat. Vorsitzender des Gremiums ist seit 2008 Prof. Dr. Heinz Hänel, Absolvent des Fachbereichs Biowissenschaften. Durch ihr Beispiel sollen die Ratsmitglieder andere Ehemalige dazu motivieren, den Kontakt zu ihrer Alma Mater aufleben zu lassen. In den kommenden Ausgaben porträtieren wir die aktuellen Mitglieder des Alumni-Rates.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 33 des Alumni-Magazins Einblick erschienen.