Die Lektorin Marlene Hastenplug hat gemeinsam mit Studierenden ihres Übersetzungsseminars einen Band mit Erzählungen aus Dänemark herausgebracht.

Der Arbeitstitel des Bandes lautete zuerst „Grenzen überschreiten“, orientiert an dem 100-jährigen Jubiläum der deutsch-dänischen Grenze im Jahre 2020. Doch kurz nach der ersten Zusammenkunft des Seminars kam der Lockdown, somit waren Präsenztreffen nicht mehr möglich. „Das war natürlich angesichts des Titels schon etwas ironisch, aber wir haben das Seminar auch im virtuellen Modus sehr gut gestalten können“, erzählt Marlene Hastenplug, die im Institut der Skandinavistik als Lektorin für Dänisch arbeitet. Die Dänin bietet regelmäßig für die Studierenden des Fachs Übersetzungsseminare an, bei denen ab und zu auch professionelle Übersetzer mit eingebunden werden. So auch dieses Mal: Der Frankfurter Ulrich Sonnenberg und die Goethe-Universität-Alumna Ursel Allenschein übersetzen aus skandinavischen Sprachen und widmen sich schon länger der Nachwuchsförderung. Ihre Expertise kam dem Entstehen des kleinen Prosabandes „Schön habt ihrs hier“ offensichtlich zugute. Hastenplug freut sich, dass ein kleiner Studiengang wie die Skandinavistik praxisorientierte Seminare anbietet, an deren Ende ein Produkt steht. „Unsere Studierenden sind sehr motiviert; sie haben fast alle, ohne dass sie Credit Points benötigt hätten, aus intrinsischer Motivation an dem Seminar teilgenommen.“ Obwohl einige von ihnen eher das Norwegische oder Schwedische als Hauptsprache in den Fokus ihres Skandinavistik-Studiums gestellt haben, konnten sie sich gut das Dänische erschließen. „Die drei Sprachen gehen auf eine gemeinsame Sprache zurück, daher ist das gut möglich. Gleichwohl ist dieses Interesse an unseren Sprachen keine Selbstverständlichkeit, denn das Englische besitzt als Lingua Franca leider in Skandinavien eine gewisse Dominanz, die dem Austausch zwischen Norwegisch, Schwedisch und Dänisch eher schadet.“

Ungesagtes, Rätselhaftes und Offenes

Übersetzer*innen sind Brückenbauer zwischen Ländern und Kulturen, ermöglichen Einblicke in andere Mentalitäten und Denkweisen und tragen damit auch zur Verständigung bei. Krimis aus Skandinavien sind in Deutschland sehr erfolgreich – warum also Erzählungen? „Erzählungen sind zum einen eine dankbare Textsorte für (solche) Seminare/ Übersetzungsseminare: So kann jede/r Studierende/ r sich eine Erzählung vornehmen, so war es auch in unserem Seminar/Fall: zehn Erzählungen für zehn Studis, das passte ganz wunderbar.“ Darüber hinaus betont Hastenplug aber auch die Besonderheit der dänischen Literatur: Erzählungen spielen dort – man denke an Johannes V. Jensen oder Tania Blixen – eine große Rolle und bestechen durch eine hohe literarische Qualität. Viele Autor*innen kehren immer wieder gerne auch nach Romanprojekten zu dieser „kleinen“ Form zurück. „Natürlich sind die meisten Erzählungen an einem literarischen Realismus orientiert, die kurze Form mag experimentelleren Erzählformen auf dem ersten Blick weniger Spielräume bieten. Aber gleichzeitig werden die literarischen Bilder mit weniger Strichen gezeichnet – nach der Lektüre haben die Leser*innen häufig das Gefühl, die Geschichten wären noch nicht beendet“, erklärt Hastenplug. Das Ungesagte, Rätselhafte und Offene zeichnet ihrer Meinung nach auch die von Studierenden und Dozierenden gemeinsam ausgewählten Texte aus, die zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurden.

Der Titel „Schön habt ihrs hier“ ist der kurzen Erzählung von Thomas Korsgaard entnommen, in der mit knappen, doch eindringlichen Dialogen ein Junge porträtiert wird, der die Verwahrlosung seines Zuhauses vor einem Mitschüler zu verbergen versucht. Der Band mit „neuer Prosa aus Dänemark“ ist im vergangenen Dezember im kleinen Kölner Verlag parasitenpresse erschienen. Präsentiert werden konnte es bereits an der Uni Freiburg und auf dem Frankfurter Bookfest im Kultkiosk Yok Yok, weitere Termine sind bereits auf der nächsten lit.COLOGNE geplant. „Auch die Vermittlung von Literatur ist etwas, was unsere Studierenden lernen; das ist gerade im Hinblick auf spätere Jobperspektiven sehr wichtig.“

Das Buch wurde ermöglicht durch Mittel des Förderfonds Lehre und des Instituts für Skandinavistik der Goethe-Universität sowie des Deutsch-Dänischen Kulturellen Freundschaftsjahres 2020.

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 2/2021 (PDF) des UniReport erschienen.