Achte Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare

Innerhalb weniger Jahre ist die Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare zu einer der führenden Pharmakonferenzen Deutschlands aufgestiegen. „Als wir 2012 zum ersten Mal zu unserer Jahrestagung einluden, ahnten wir nicht, wie rasch und nachhaltig sie an Attraktivität und Ausstrahlung gewinnen würde“, sagt Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität und Präsident des House of Pharma & Healthcare. Zur achten Auflage der Veranstaltung im Casino auf dem Campus Westend werden am 2. und 3. September 500 Experten und Entscheider aus allen Bereichen der Gesundheits- und Pharmabranche erwartet.

Berechtigte Zweifel am deutschen Gesundheitssystem?

„Haben wir noch das beste Gesundheitssystem der Welt?“ ist eines der beiden zentralen Themen der Jahrestagung. Diese Frage ist keinesfalls rhetorisch gemeint, bezieht sie sich doch ausdrücklich auf besonders markante Schlagzeilen des vergangenen Jahres, die an der Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland zweifeln ließen: Krankenhäuser müssen die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes mithilfe von Opt-out-Regelungen umgehen, damit sie in Zeiten zunehmenden Ärztemangels ihren Betrieb aufrechterhalten können.

Blutdrucksenkende Arzneimittel mit dem Wirkstoff Valsartan, der in China produziert wird, sind mit einer vermutlich krebserregenden Substanz verunreinigt; ein Arzneimittelimporteur vertreibt in Deutschland jahrelang unbemerkt teure Krebsmedikamente, die in Griechenland gestohlen worden sind; Medizinprodukte wie zum Beispiel Implantate oder Prothesen gefährden Patienten, weil sie oft leichtfertig und ohne ausreichende Kontrollen zugelassen werden.

Über Auswege aus diesen Engpässen beziehungsweise Konsequenzen aus diesen Affären diskutieren der Präsident des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte und der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages mit einer Patientensprecherin, einer Krankenkassengeschäftsführerin und einem Unternehmensvertreter.

Wo bleiben Arzneimittelinnovationen made in Germany?

Kritisch für den Gesundheitsstandort Deutschland ist auch die Innovationskraft seiner forschenden Arzneimittelindustrie. Einst als Apotheke der Welt weithin bewundert, ist Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten diesbezüglich deutlich in die Defensive geraten. Arzneimittelinnovationen made in Germany sind Mangelware geworden.

Oder doch nicht? Die deutsche Biotech-Industrie ist quicklebendig, wie beispielhaft der Erfolg von Evotec zeigt, dessen Vorstandsvorsitzender ebenso zur Jahrestagung kommen wird wie der Forschungschef von AbbVie Deutschland, in der einst der Pharmabereich der BASF aufgegangen ist, sowie Prof. Helga Rübsamen-Schaeff, die Gründerin von AiCuris, des Antiinfektiva-Spin- offs von Bayer, der der Bundespräsident 2018 den Deutschen Zukunftspreis verliehen hat.

Gemeinsam werden sie im Gespräch mit Repräsentanten von Politik und Kostenträgern das innovative Potenzial der Pharmaforschung in Deutschland in den Blick nehmen. Zudem wird Thomas Müller, Leiter der Abteilung „Arzneimittel, Medizinprodukte, Biotechnologie“ im Bundesgesundheitsministerium in einer Keynote über die aktuellen und kommenden Gesetzgebungsverfahren und Initiativen seines Hauses berichten.

Patientenpreis für bessere Gesundheitskompetenz

Neben diesen Schwerpunktthemen bietet die Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare wieder zwei Sessions mit je vier parallelen Workshops zu Themen von speziellem Interesse. Eröffnet wird die Tagung von Prof. Kristina Sinemus, der Hessischen Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, und von Prof. Helge Braun, dem Chef des Bundeskanzleramtes, der von Berlin aus zugeschaltet sein wird. Beim Vorabendempfang auf Einladung der Hessischen Landesregierung wird Anne Janz, Staatssekretärin für Soziales und Integration, die Teilnehmer der Tagung begrüßen.

Anschließend wird zum zweiten Mal der gemeinsam von ZEIT Doctor und dem House of Pharma & Healthcare ausgelobte Deutsche Patientenpreis verliehen. Er zeichnet in diesem Jahr die beste Innovation zur Förderung der Gesundheitskompetenz aus. Obwohl nämlich das medizinische Wissen rasant zunimmt und Gesundheitsinformationen immer leichter zugänglich werden, hat laut einer aktuellen Studie mehr als die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands erhebliche Schwierigkeiten, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und zu nutzen. Hier gilt es dringend, Abhilfe zu schaffen.

Joachim Pietzsch

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4.19 des UniReport erschienen.