Wie lassen sich gute Rahmenbedingungen für die Karriereentwicklung von Early Career Researchers (ECRs) gestalten? Mit dieser Frage hat sich eine bundesweite Projektgruppe befasst. Die Goethe-Universität war dabei gleich zweifach aktiv eingebunden: aufgrund der bundesweiten Beachtung ihres Konzepts Karrierewege@Goethe wurde sie für ein Interview angefragt, gleichzeitig war sie im Rahmen des Tenure Track-Netzwerks an der Erstellung und Herausgabe des Berichts beteiligt. Die Ergebnisse des Projekts wurden jetzt in einer Open Access-Publikation vorgestellt.
Grundlage des Werkstattberichts sind leitfadengestützte Interviews, in denen Hochschulleitungen sowie weitere Akteur*innen aus acht deutschen Universitäten Einblicke in förderliche Bedingungen, Herausforderungen und institutionelle Entwicklungsprozesse gegeben haben. Diese Gespräche fanden zwischen Mai und Dezember 2024 an der Humboldt- und der Technischen Universität Berlin, an den Universitäten in Bremen, Freiburg, Hamburg, Konstanz und Potsdam sowie eben bei uns in Frankfurt statt. An der Goethe-Universität wurde das Interview mit Dr. Nicole Thaller und Katharina Welling, beide im Research Support zuständig für übergreifende Forschungsthemen und wissenschaftliche Karriereentwicklung, geführt.
Worum ging es in der Werkstatt?
Im Mittelpunkt des Projekts stand, wie Dr. Nicole Thaller als Mitglied der Werkstattgruppe ausführt, das Voneinander-Lernen: Welche Impulse haben Universitäten dazu gebracht, Karrierewegekonzepte zu entwickeln? Wie wurden diese Prozesse innerhalb der Organisation getragen? Wo gab es Hürden – und was hat sich als besonders hilfreich herausgestellt?
„Die Zusammenarbeit in der Werkstattgruppe war unglaublich bereichernd. Zu sehen, wie andere Universitäten ähnliche Herausforderungen angehen und Lösungen entwickeln, hat unseren Blick noch einmal erweitert“, berichtet Thaller. „Dieses Voneinander-Lernen ist eine große Stärke des Projekts. Besonders wichtig war dabei die Offenheit, mit der die Hochschulleitungen und die Verantwortlichen für die Entwicklung von Karrierewegekonzepten in den Interviews über ihre Erfahrungen berichtet haben.“
Der nun erschienene Werkstattbericht bündelt diese Einsichten und zeigt Kriterien und Muster auf, die sich über mehrere Universitäten hinweg finden lassen. In einem zweiten Teil der Publikation finden sich die vollständigen Interviews.
Beitrag der Goethe-Universität
Die Goethe-Universität nimmt beim Thema Karriereentwicklung für ECRs seit Jahren eine Vorreiterrolle ein. „Unser Konzept Karrierewege@Goethe zeigt verschiedene nachhaltige Karriereperspektiven neben der Professur an der Universität auf und verknüpft sie mit entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Katharina Welling, die das Konzept ebenfalls mitentwickelt hat und seine Weiterentwicklung mit begleitet. Nicole Thaller ergänzt: „Damit diese Ideen von der gesamten Universität mitgetragen werden, war uns bereits bei der Entwicklung eine breite Einbindung und Kommunikation innerhalb der Goethe-Uni wichtig.“
Zentrale Beobachtungen aus der Werkstattarbeit
Der Bericht fasst verschiedene Themenbereiche zusammen, die sich aus den Interviews mit Präsidiumsmitgliedern und weiteren Beteiligten ergeben haben. Universitätsübergreifend sind dies insbesondere:
- Begrifflichkeiten und Zielsetzungen: Die Zielsetzungen von Dauerstellen- und Karrierewegekonzepten unterscheiden sich zwischen den Universitäten. Eine klare Klärung von Begriffen und Definitionen erleichtert Verständlichkeit und Abstimmung.
- Breite Einbindung der Organisation: Akzeptanz entsteht, wenn Fakultäten, Verwaltung und insbesondere Wissenschaftler*innen frühzeitig beteiligt werden. Gleichzeitig ist es hilfreich, mit engagierten Gruppen zu starten, um Dynamik zu erzeugen.
- Berücksichtigung rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen: Sie gelten als größte Hürden und sollten von Beginn an mitgedacht werden, um langfristige Umsetzbarkeit sicherzustellen.
- Ein verbindliches Grundgerüst: Einheitliche Regeln kombiniert mit fachkultureller Flexibilität erleichtern die Einführung nachhaltiger Karrierewege.
Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff, dem die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Karrierewege ein persönliches Anliegen ist, betont die Bedeutung des Projekts: „Die Förderung von Early Career Researchers ist für die Zukunftsfähigkeit unserer Universität und des gesamten Wissenschaftssystems zentral. Dass wir zu den Universitäten gehören, die den Werkstattbericht aktiv mitgestaltet haben, macht uns stolz und bestätigt unsere bisherigen Anstrengungen. Mein Dank gilt den Kolleg*innen, die hier die Goethe-Universität repräsentiert haben, und der Projektgruppe im Tenure-Track-Netzwerk, dass sie dieses für uns alle wichtige Thema umfassend unter die Lupe genommen hat.“
Unter dem Titel „Die Weiterentwicklung akademischer Karrierewege an Universitäten in Deutschland − Ein interviewbasierter Werkstattbericht“ ist der Werkstattbericht jetzt als Open Access-Publikation veröffentlicht worden und unter anderem auf der Website des Tenure-Track-Netzwerks zu finden | DOI: http://dx.doi.org/10.25673/121546











