Blumenzwiebeln, Samentütchen oder ‚fertig‘ mit Blüte – in Gärtnerei, Bau- und Supermarkt ist das Blumenangebot für Balkon und Garten derzeit immens. Höchste Zeit also, die Blumenkästen frühlingsfein zu machen. Aber wie war das noch mal mit dem Düngen? Wie viel Platz muss ich zwischen den Pflänzchen lassen? Und ab wann darf die neue Tomatenpflanze eigentlich draußen übernachten? Robert Anton, Technischer Leiter des Wissenschaftsgartens der Goethe-Universität, und Wolfgang Girnus von der Abteilung Freilandanzucht geben Tipps. 

Ab nach draußen – oder doch lieber nicht?

Wolfgang Girnus arbeitet in der Abteilung Freilandanzucht des Wissenschaftsgartens. (Foto: Folkerts)

Jetzt im April ist Hochsaison für die Gärtner der Goethe-Uni. Seit Ende Februar wird ausgesät, und langsam wird es eng. Einige Pflanzen sind darum jetzt schon aus dem Gewächshaus nach draußen umgezogen. Eigentlich aber gilt: Die Eisheiligen sollten weiterhin nicht außer Acht gelassen und die Pflanzen möglichst erst ab Mitte Mai nach draußen gestellt werden. Wenn jetzt Salat, Tomaten usw. draußen gepflanzt werden, brauchen diese noch Schutz, sie sollten z.B. durch ein Vlies oder einen Eimer nachts abgedeckt werden. Auch im Wissenschaftsgarten sind die Pflanzen nicht immer vom Wechsel nach draußen spontan begeistert. „Wenn wir die Pflanzen hier im Gewächshaus unter optimalen Bedingungen züchten und auf einmal kommen sie nach draußen in den Lehmboden, können sie schon mal ‚Wachstumsdepressionen‘ bekommen“, lacht Girnus. Die meisten Stauden hingegen sind winterfest. Rosen können jetzt – sofern kein Frost mehr herrscht – gepflanzt werden.

 Nicht zu tief einpflanzen 

Ein typischer Anfängerfehler ist, dass zu tief eingepflanzt wird. „Nur das Gewebe der Wurzel gehört in die Erde“, stellt Robert Anton klar. Keine Regel ohne Ausnahmen: Tomaten zum Beispiel dürfen etwas tiefer in die Erde, da sie am Stängel noch so genannten Adventivwurzeln bilden können. Ansonsten gilt, dass lieber etwas höher als zu tief eingepflanzt werden sollte.

Raum zur Entfaltung lassen

Ausgesät werden sollte so, dass die Pflanzen genug Platz zum Wachsen haben, ohne sich in die Quere zu kommen. Wer aussät, sollte genug Platz lassen, damit die Pflanzen mit genug Raum wachsen können. „Oft wird zu dicht gesät“, weiß Robert Anton. Wenn dann z.B. Karotten, Radieschen oder Petersilie Platznot bekommen, muss pikiert werden. Das bedeutet, dass die Pflänzchen vereinzelt und auf mehrere Blumentöpfe verteilt werden.

Düngen – gewusst wie

Jennifer Christoph, Auszubildende im Wissenschaftsgarten, beim Pikieren der Pflanzen (Foto: Folkerts)

Das Düngen ist wichtig, vor allem während der Wachstumsphase im Frühjahr, wenn die Pflanze Nährstoffe (Stickstoff) braucht. „Am besten ist es, vorab eine Bodenprobe analysieren zu lassen, um den Nährstoffgehalt im Boden zu bestimmen und dann zielgenau zu düngen“, so Robert Anton – die Analyse bieten zum Beispiel die Beratungsstellen des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen in Wetzlar oder Dr. Hug Geoconsult in Oberursel an. Am besten wird so gedüngt, dass dem Gießwasser die entsprechende Menge Flüssigdünger beigemengt wird. Viel hilft viel? Nein: „Überdüngen ist meistens schlecht – das ist dann wie überfressen!“, stellt Girnus klar.

Zum Herbst hin sollte dann weniger Stickstoff gegeben werden. Stattdessen wird Kali wichtiger, das die Widerstandsfähigkeit der Pflanze stärkt. Ein typischer Fehler beim Düngen ist übrigens, dass zu dicht am Stamm der Pflanze gedüngt wird. Richtig: mit etwas Abstand um den Stamm herum düngen, denn hier sin die so genannten Haarwurzeln, die zur Aufnahme von Wasser und Nährstoffen dienen.

Termine

Alle Gartenfreunde sollten sich zwei Termine vormerken:

6. Mai, 9 – 15 Uhr: Gärtnerbörse im Botanischen Garten in Kooperation mit dem Wissenschaftsgarten. Gegen eine Spende können die Besucher überschüssige Ware aus dem Wissenschaftsgarten erhalten: keine hochgezüchteten Standardsorten, sondern robuste, gute Pflanzen.

14. Mai, 11 – 17 Uhr: Frühlingsfest im Wissenschaftsgarten auf dem Campus Riedberg: Ein vielfältiges Programm für die ganze Familie erwartete die Besucher (mehr Infos). Auch beim Frühlingsfest können wieder Pflanzen gegen eine Spende erworben werden. Außerdem gibt es einen Infostand, bei dem die Crème de la Crème der Uni-Gärtner mit dem Schwerpunkt „vegetative Vermehrung“ berät.

Gute Blumenerde macht den Unterschied

„Das Substrat ist das Maß aller Dinge beim Pflanzen“, sagt Robert Anton. Im Zweifelsfall ist es immer eine gute Lösung, neue Blumenerde beim Einpflanzen zu verwenden. „Wenn ich alte Balkonpflanzen mit dem Ballen herausnehme, kann ich die alte Erde aber ruhig noch einmal benutzen, mit neuer Erde auffüllen und mit Depotdünger, der über drei bis vier Monate Nährstoffe abgibt“, sagt Wolfgang Girnus. Im Wissenschaftsgarten wird die Blumenerde übrigens von den Gärtnern noch perfektioniert durch die die Vermengung mit anderen Stoffen wie Lava, Sand, Kompost und in geringen Mengen auch Torf.

Wie viel Wasser darf’s denn sein?

Beim Gießen ist der Bedarf der Pflanzen individuell verschieden, abhängig davon, ob die Pflanzen (eigentlich) in einem trockenem oder einem feuchten Gebiet wachsen. Im Zweifel lieber weniger gießen als zu viel. Das gilt übrigens auch, wenn eine Pflanze nicht blühen will: Wird ihr Stress durch Trockenheit verursacht, wird die Pflanzen versuchen Blüten zu bilden, um sich zu vermehren.

Frischer Schnitt oder naturbelassen?

Robert Anton erstellt als Technischer Leiter des Wissenschaftsgartens zahlreiche Pflanzpläne für die Goethe-Universität. (Foto: Folkerts)

Bei einigen Pflanzen stellt sich dann noch die Frage nach einem regelmäßigen Schnitt. „Normalerweise sollten die Pflanzen mit so viel Platz gesetzt werden, dass sie wachsen können, ohne andere Pflanzen zu verdrängen“, erklärt Robert Anton. Müsse viel geschnitten werden, sei das im Allgemeinen ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimme (Ausnahme: Hecken).

Wenn geschnitten wird, muss darauf geachtet werden, wann das geschieht: Hortensien beispielsweise, die erst im Sommer blühen, dürfen jetzt beschnitten werden; bei den Forsythien hingegen jetzt die Blüten mit abgeschnitten werden, da diese sich schon im Herbst ansetzen. Eigentlich logisch: „Alles, was früh blüht, darf erst nach der Blüte beschnitten werden und umgekehrt“, so Robert Anton. Und wer Obstbäume beschneidet, sollte ein Auge darauf haben, dass der natürliche Habitus erhalten bleibt.

Ein Garten für die Wissenschaft

Blick auf das Gewächshaus des Wissenschaftsgartens (Foto: Folkerts)

Der Wissenschaftsgarten auf dem Campus Riedberg dient der naturwissenschaftlichen Lehre und Forschung und umfasst ein großes Gewächshaus aus drei Halbtonnen, ein 300m² großes Versuchsgewächshaus sowie 8 Klimakammern (im Bau) und den zurzeit rund 3 Hektar großen Freilandbereich. Der Bestand an Pflanzen wird aus reinen Arten aufgebaut; ihre Herkunft wird in einer Datenbank dokumentiert.

Das Team besteht aus zehn Gärtnern, davon zwei Azubis. Sie sind nicht nur im Wissenschaftsgarten tätig, sondern auch auf den Grünflächen aller Campi. „Das ist schon eine Leistung, was wir hier mit relativ wenig Leuten schaffen“, sagt Robert Anton, der technische Leiter des Wissenschaftsgartens, „Zumal der Garten weiter wächst!“ Anton, studierter Garten- und Landschaftsarchitekt, ist vor viereinhalb Jahren an die Goethe-Uni gekommen. In seinem Verantwortungsbereich fallen auch die entfernteren Grünflächen, zum Beispiel beim Feldberg-Observatorium oder dem Haus Bergkranz. Dass Robert Anton bei seinem früheren Arbeitgeber, einem renommierten Garten- und Landschaftsarchitekturbüro, zahlreiche Pflanzpläne erstellte, ist für seine jetzige Aufgabe extrem hilfreich.

Im Gewächshaus des Wissenschaftsgartens wachsen 2.500 verschiedene Pflanzen. In kleinem Maßstab bildet sich die Vegetation auf der Erde mit ihren verschiedenen Klimazonen ab. „Das hier ist ein El Dorado für alle, die Ziergärtner werden wollen – eine solche Vielfalt gibt es im Rhein-Main-Gebiet sonst nur im Palmengarten“, sagt Wolfang Girnus von der Abteilung Freilandzucht: „Als Gärtner kann man sich im Wissenschaftsgarten ‚austoben‘, während es in einer kommerziellen Gärtnerei eher in Richtung Monokultur geht.“ Die Unterstützung von Forschung und Lehre macht dabei mindestens 80 Prozent im Wissenschaftsgarten aus. Der Rest – die Zierpflanzen – darf einfach nur schön aussehen und ist auch als Anlaufpunkt für die Frankfurter Bürger gedacht. Die Besucher begeistern sich zum Beispiel für die alten, in Vergessenheit geratenen Gemüsesorten, die im Wissenschaftsgarten angepflanzt werden. Das freut die Gärtner. Anerkennung für ihre Arbeit bekommen sie aber auch von anderer Seite, jeden Tag: von ihren Pflanzen, die ihnen für die gute Pflege danken. „Darum sind wir Gärtner so glücklich!“, lacht Girnus.

www.uni-frankfurt.de/wissenschaftsgarten