Erziehungswissenschaftlerin Prof. Tanja Betz und ihr Team luden ihre „Forschungspartner“ einer 3. Grundschulklasse auf den Campus Westend ein.

„Die Studierenden werden auch immer jünger!“ So kommentierte ein Mitarbeiter den Anblick einer Gruppe von 21 Schülerinnen und Schülern, die am 21. März den Campus Westend stürmten.

„Was ist eigentlich eine Universität?“ und „Wer hat die Mensa abgebrannt?“ wollen währenddessen die vorbeilaufenden Kinder wissen. Die Schüler einer 3. Grundschulklasse aus dem Frankfurter Osten waren einen Vormittag zu Gast auf dem Campus Westend. Für sie hatten Prof. Tanja Betz vom Fachbereich Erziehungswissenschaften und ihr Team eine Rallye organisiert – als Dankeschön für die Teilnahme der Mädchen und Jungen am Projekt „Kinder zwischen Chancen und Barrieren. Wie Eltern, Kinder, Kita & Schule interagieren“.

Die Sicht der Kinder ist gefragt

Pädagogik-Professorin Betz und ihre Mitarbeiterinnen Naoual Azalaf, Nicoletta Eunicke, Laura B. Kayser und Beatrice Perera setzen mit dem Kooperationsprojekt zwischen der Bertelsmann Stiftung und der Goethe-Universität, bei der politischen und fachlichen Debatte um Bildungs- und Erziehungspartnerschaften an. Bei diesen Partnerschaften geht es darum, dass Eltern, Lehr- und Fachkräfte in Schulen und Kindertageseinrichtungen auf Augenhöhe zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen – zum Wohl des Kindes und für die Förderung von gleichen Bildungschancen, so das Ziel. Bislang ist jedoch nur wenig über die Besonderheiten und Auswirkungen einer solchen Zusammenarbeit bekannt. Eine Perspektive fehlt in der öffentlichen und fachlichen Diskussion sogar vollständig: die Sicht der Kinder. An dieser Stelle setzt die Studie an: Welche Erfahrungen machen Kinder mit der Zusammenarbeit zwischen ihren Eltern und Lehrkräften? Wie erleben sie den Kontakt von Elternhaus und Grundschule? Welche Positionen nehmen sie innerhalb der Zusammenarbeit ein? Die Sicht der Schülerinnen und Schülern auf die Kontakte zwischen Eltern und Grundschule wird und wurde in Gruppengesprächen und Einzelinterviews in den teilnehmenden Grundschulen erfasst.

Uni – was ist das?

Ihre Teilnahme an der wissenschaftlichen Studie machte die Kinder nun neugierig auf den Uni-Betrieb, und so wurde zum Gegenbesuch auf den Campus Westend eingeladen. „Für die Kinder war das wirklich ein aufregenden Vormittag“, erzählen Beatrice Perera und Noual Azalaf. „Wir hatten eine Rallye organisiert, bei der die Schülerinnen und Schüler auch auf unerwartete Orte wie den Eiskeller im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften stießen oder sich auf die Suche nach dem ältesten Boot Afrikas begeben konnten.“ (Letzteres ist übrigens im 6. Stock im I.G.-Farben-Haus zu finden.) Am Ziel der Rallye angekommen, erwartete die Grundschüler eine interaktive Vorlesung – kindgerecht, versteht sich. In dieser erhielten sie Einblicke in Seminare der Erziehungswissenschaften und die ersten Ergebnisse der Studie. Nach einer lebhaften Diskussion über die Ergebnisse aus Gruppengesprächen aus anderen Grundschulen zum Thema Bildungs- und Erziehungspartnerschaft und zu Seminaren aus den Erziehungswissenschaften – etwa zu Bildungsungleichheiten – ging es abschließend zum Mittagessen in die Mensa im Casino-Anbau. Die Frage, wer denn nun die Mensa im historischen Casino „abgebrannt“ hat, wurde aber bis zum Schluss nicht gelöst.

Text: Naoual Azalaf und Beatrice Perera