Prof. Johannes Eble bei seiner Vorlesung; Foto: Uwe Dettmar

Prof. Johannes Eble bei seiner Vorlesung; Foto: Uwe Dettmar

Die Frankfurter Kinder-Uni geht nun bereits in ihr 13. Jahr. Jedes Jahr besuchen etwa 13.000 Schüler die Vorlesungen, die von der Abteilung Marketing und Kommunikation gemeinsam mit den Wissenschaftlern der Uni auf die Beine gestellt werden. Acht- bis Zwölfjährigen aller Schulformen und damit aller Bildungsschichten nicht nur aus der Main-Metropole, sondern aus ganz Südhessen bietet die Kinder- Uni einen ersten Kontakt mit der Universität.

Neben dem Erlebnis, mit mehr als 1000 Kindern im Audimax an einer interaktiven Vorlesung teilzunehmen, sollen die Schüler auch Uni-Atmosphäre schnuppern, den Campus Westend erkunden und in der Mensa essen können. Zu mittlerweile 60 Themen haben die Wissenschaftler der Goethe-Universität inzwischen Vorlesungen gehalten – angereichert mit Experimenten, multimedialen Präsentationen, Sketchen und vielem mehr.

Dass diese Vorträge Lehrkräften (und natürlich auch allen sonst Interessierten) nun auch online zur Verfügung stehen, hat studiumdigitale möglich gemacht. Die zentrale eLearning-Einrichtung der Goethe-Universität hat gemeinsam mit dem Hochschulrechenzentrum die vergangenen Vorlesungen auf einer Website dokumentiert. So kann man sich bequem durch die Vorlesungen klicken und die imposante Bandbreite an Themen und Darstellungsformen genießen.

Von Atomen und Pusteblumen …

Experimente sind ein wichtiger Bestandteil der naturwissenschaftlichen Vorlesungen. So ließ der Physiker Roger Erb einen Regenbogen im Hörsaal erscheinen, und das Team des Teilchenphysikers Henner Büsching demonstrierte mit einer überdimensionalen Kugelrollbahn, wie Streu-Experimente funktionieren und was sie uns über das Innere der Atome verraten.

Der Biologe Martin Plath erklärte, warum der Höhlenfisch keine Augen mehr braucht, und ließ zum Beweis ein lebendiges Exemplar durch ein Labyrinth schwimmen. Sein Kollege Oliver Tackenberg zeigte, wie Pflanzen reisen, indem er Pusteblumen und andere Pflanzensamen mit einer riesigen Windmaschine in alle Himmelsrichtungen verteilte.

Auch die kleinsten Lebewesen wurden nicht ausgespart: Biologe Helge Bode führte an Bakterienkulturen vor, wie wichtig es ist, sich die Hände zu waschen. Und der Biologe Sven Klimpel erklärte, wie man sich vor Parasiten von Haus- und Wildtieren schützen kann – vom Gebrauch der Zeckenzange bis zum Schutzanzug, der in Laboren mit hoher Sicherheitsstufe getragen wird.

Bisweilen wurde die Kamera auch als Zeugin eingesetzt: So in der Vorlesung des Hirnforschers Christian Kell, der einen Diebstahl während eines Ballspiels inszenierte. Keiner hatte etwas bemerkt, weil die Aufgabe lautete, die Ballwechsel zu zählen. Erst das Abspulen der Video-Aufzeichnung entlarvte die Diebin.

… bis hin zu Krediten und Flüchtlingsschicksalen

Das Experiment mit dem schwarzen Gorilla, der plötzlich auftaucht und den keiner sieht, weil sich jeder auf den Ball konzentriert, scheint vielseitig einsetzbar. Auch der Wirtschaftswissenschaftler Andreas Hackethal nutzte es, um klarzumachen, wie schnell Menschen im Eifer des Gefechts Entscheidendes übersehen – so geschehen auch in der Finanzkrise 2008.

Doch mit seiner Story der wunderbar verpackten faulen Kredite, die von Hand und zu Hand gehen und von deren schöner Verpackung sich alle blenden lassen, klärten er und sein Team die Zuhörer nachvollziehbar auf, was in der Finanzkrise passierte und wo das Geld der Welt bleibt.

Wenn es um das Aufdecken eines Tathergangs geht, ist auch das Video von der Vorlesung „Was passiert mit Gaunern und Ganoven“ äußerst aufschlussreich. Denn dort wird den beiden Juristen Milan Kuhli und Martin Asholt plötzlich ein Rucksack gestohlen und der Täter verschwindet zunächst unerkannt, muss sich dann aber doch der Strafjustiz stellen.

Es sind auch die leisen eindringlichen Geschichten, illustriert nur mit einigen eindrucksvollen Zeichnungen von Tobias Borries, über die Kinder diskutieren wollen und weiter nachdenken – so die Vorlesung des Rechtswissenschaftlers Felix Hanschmann, der den afrikanischen Jungen Modibo auf seiner Flucht von Mali nach Frankfurt begleitete, oder des Soziologen Ferdinand Sutterlüty, der zeigte, welche Folgen Gewalt in der Familie haben kann.

13. Frankfurter Kinder-Uni:
28. September bis 2. Oktober 2015

Montag, 28. September
Was sind Antibiotika und wie wirken sie? Wirksame Waffen gegen gefährliche Erreger
Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeut

Dienstag, 29. September
Ich bin tolerant – und Du? Von den Schwierigkeiten eines respektvollen Miteinanders
Prof. Dr. Rainer Forst, Philosoph

Mittwoch, 30. September
Wie aus kleinen Leuten große Leute werden Über gesunde und kranke Knochen
Dr. Anna-Katharina Doepfer, Orthopädin

Donnerstag, 1. Oktober
Das Rätsel des Lichts Physikexperimente beleuchten Alltägliches neu
Prof. Dr. Roger Erb, Physiker

Freitag, 2. Oktober
Iiiiih, wie eklig! Ekel Warum wir uns ekeln und wozu das gut ist
Prof. Dr. Sonja Rohrmann, Psychologin

Die Vorlesungen um 9.30 und 11.30 Uhr sind jeweils nur für Schulklassen (online-Anmeldung ist bis 16. September, 13 Uhr, möglich); die dritte Vorlesung des Tages um 16.00 Uhr ist für alle Interessierten offen. Campus Westend, Hörsaalzentrum, Audimax. Die Vormittagsvorlesungen werden live gestreamt. 
www.kinderuni.uni-frankfurt.de

Website der digitalen Kinder-Uni:
http://electure.studiumdigitale. uni-frankfurt.de/index.php?cat=3&videolist= 270