Die Ringelblume – eine beliebte Heilpflanze bei Verletzungen. Foto: A. Hardy

Arzneipflanzen standen Anfang Juni im Mittelpunkt der Woche der Botanischen Gärten. Die Tafeln zur Ausstellung „Die Grüne Apotheke – vom Hortus Medicus zur Pharmaforschung“ sind auf dem Campus Riedberg noch bis Oktober zu sehen.

Über den mittelalterlichen Hortus Medicus erfährt man auf den fünf Tafeln, die im Arzneipflanzengarten auf dem Campus Riedberg zwischen den Beeten aufgestellt sind, nicht viel. Wohl aber über den Stellenwert der Phytotherapie in der heutigen Pharmazie.

Gleich am Eingang empfängt den Besucher im Beet mit den Alkaloid haltigen Pflanzen eine Tafel über Schmerzmittel. Sie skizziert die Entwicklung von der Opiumtinktur zu modernen Arzneistoffen. 1804 gelang es dem deutschen Apotheker Friedrich Sertürner, den Hauptwirkstoff des Opiums zu isolieren, das Morphin. Die Leistung gilt als Meilenstein der Pharmaziegeschichte. Bis ins 20. Jahrhundert wurde Opiumtinktur unter dem Namen „Laudanum“ relativ unbekümmert als Universtalmittel eingesetzt – bei Schmerzen, Nervosität oder Schlafstörungen.

Heute ist Morphin immer noch eines der wichtigsten Mittel bei starken Schmerzen. Doch wegen des hohen Suchtpotentials und schwerwiegender Nebenwirkungen wie Atemlähmung versuchen Forscher, den Wirkmechanismus im Körper zu erforschen, um den Wirkstoff so zu verändern, dass sie ihn zielgerichteter und mit weniger Nebenwirkungen einsetzen können. Der Charme der Ausstellung besteht darin, dass man gleich neben der Tafel die Schlafmohn-Pflanze mit ihren reifen Früchten sehen kann.

Die Tafel „Macht die Dosis das Gift? Einsatz von Giftpflanzen in der Heilkunde“ erklärt, was schon Paracelsus wusste, nämlich: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht’s, daß ein Ding kein Gift sei.“ Als Beispiele werden der Fingerhut und die Rizinus-Bohne aufgeführt. Die im Fingerhut enthaltenen Herzglykoside können in richtiger Dosierung die Herzleistung stärken, wirken aber bei Überdosierung giftig. Die Schale der Rizinus-Bohne enthält das Gift Rizin, das bei der Herstellung des Abführmittels durch Erhitzen unschädlich gemacht wird. Hier wird dem Besucher vor Augen geführt, dass Phytotherapie keineswegs harmlos, weil „natürlich“ ist.

Die Wurzel der Angelika stärkt den Verdauungstrakt. Foto: A. Hardy

Die Zubereitung pflanzlicher Arzneimittel ist das Thema der Tafel „Tee, Extrakt oder Tinktur?“ Hier geht es darum, wie man pflanzliche Wirkstoffe am besten extrahiert. So eignet sich der beliebte Kräutertee nur für wasserlösliche Bestandteile, während Öl ein gutes Auszugsmittel für fettliebende Moleküle ist. Alkohol löst auch schwer lösliche Stoffe. Und schließlich kommt es darauf an, auch die wirksame Tagesdosis zu erreichen, weshalb die Tafel auf industriell hergestellte Fertigarzneimittel verweist.

Qualitätssicherung ist das Thema einer weiteren Tafel, die verdeutlicht, warum es sich lohnt, Heilkräuter in Arzneibuchqualität zu kaufen. Das schützt den Liebhaber der Naturmedizin vor Verunreinigungen und Fälschungen und ist oftmals auch nicht viel teurer als Naturtees, die als Lebensmittel in Drogeriemärkten verkauft werden. Oft muss man von Letzteren nämlich viel mehr konsumieren, um die wirksame Tagesdosis zu erreichen.

Nicht immer ist ein direkter Bezug zwischen den Tafeln und den nach Inhaltstoffen gruppierten Pflanzen zu sehen. Aber den Arzneipflanzengarten zu besuchen ist im Sommer auch so eine wahre Freude, denn viele Pflanzen stehen jetzt in Blüte oder haben schon Früchte angesetzt. Eine Augenweide ist auch der benachbarte Teich mit den blühenden Seerosen und die vielen verschiedenen Apfelbäume, die den Garten umgeben.

Öffnungszeiten des Wissenschaftsgartens: Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr, Samstag von 11-17 Uhr

Der Seerosenteich angrenzend zum Arzneipflanzengarten. Foto: A. Hardy