Stefan Nitzsche bei der Dienstplanbesprechung mit Schichtleiter Carsten Guhlke. Die Hauptpforte auf dem Campus Riedberg ist Tag und Nacht besetzt; Foto: Gärtner

Stefan Nitzsche bei der Dienstplanbesprechung mit Schichtleiter Carsten Guhlke. Die Hauptpforte auf dem Campus Riedberg ist Tag und Nacht besetzt; Foto: Gärtner

Wenn es technische Störungen auf dem Campus gibt, ist die Leitwarte gefragt. Wir zeigen, was bei einer Nachtschicht auf dem Riedberg los ist.

Wenn sich abends die Hörsäle leeren und in den Büros die Lichter ausgehen, wird es ruhig auf dem Campus Riedberg. Doch die Stille trügt: Für einige Menschen beginnt der Arbeitstag erst jetzt. Denn auch in der Nacht können die Gebäude mit den aufwendigen Versuchsanlagen in den Laboren nicht sich selbst überlassen werden. Wenn Forscher und Studierende ruhen, wachen die Mitarbeiter in der Leitstelle GLT darüber, dass alle Anlagen laufen.

Stefan Nitzsche, Teamleiter Bau und Gebäudedienste, weiß, was den Kollegen die Nacht zum Tage machen kann. »Wir haben hier schon vieles erlebt«, sagt er. »Von überfluteten Gängen bis hin zum großen Feuerwehreinsatz. Bisher ist es immer glimpflich ausgegangen. « Neben der technischen Überwachung durch die Leitstelle halten die Streifengänger des Sicherheitsdienstleisters Augen und Ohren offen.

Wenn der reguläre Dienst an den Pforten vorüber ist, beginnt die Nachtschicht. Die Hauptpforte im Biozentrum ist rund um die Uhr besetzt und dient damit auch für jene als Ansprechpartner, die zu später Stunde ihren Weg nach Hause noch nicht gefunden haben. Die ganze Nacht hindurch sind zwei, bald sogar drei Mitarbeiter in Streifgängen auf dem Gelände unterwegs.

»Sie sind meist diejenigen, die Vorkommnisse auf dem Campus zuerst entdecken«, sagt Stefan Nitzsche. Wasserschäden gehören zu den am häufigsten auftretenden Zwischenfällen. In den Gebäuden auf dem Campus Riedberg verlaufen unzählige Wasserleitungen für verschiedene Einsatzzwecke: Trinkwasser, Laborwasser in verschiedenen Reinheitsstufen oder Kühlwasser.

»Ursache für einen Wasserschaden sind oft die Kühlwassersysteme in den Laboren«, erklärt Nitzsche. »Wenn hier ein Zulauf- oder Rücklaufschlauch nicht richtig angebracht ist und sich löst, fließt das Wasser in den Raum, durch das Stockwerk, bis in die Versorgungsschächte.« Während solche Störungen von der Streife bemerkt werden, gehen Ausfälle in den Systemen direkt als Fehlermeldungen in der Leitstelle GLT ein.

Der mit Monitoren bestückte Raum ist ebenfalls rund um die Uhr besetzt. Taucht die Fehlermeldung auf den Monitoren auf, versucht der diensthabende Mitarbeiter den Fehler zunächst selbst zu beheben. Ist dies nicht möglich, informiert er die Rufbereitschaft. Jeweils ein Mitarbeiter der Bereiche Heizung, Klima, Lüftung oder Elektrotechnik hält sich nachts für Notfälle bereit und kommt auf den Campus, wenn ein Schaden auftritt.

Der Dienst in der Leitstelle ist jedoch weit mehr, als das Aufnehmen und Weitergeben von Störmeldungen. Die Kollegen absolvieren eigene Prüfrundgänge in den Technikzentralen und führen kleine Instandsetzungsarbeiten sofort an Ort und Stelle aus. Störungen können an allen technischen Systemen auftreten. »Größere Havarien sind selten«, sagt Stefan Nitzsche.

»Dafür sorgen wir alle mit unserer Arbeit. Handwerker, Objektbetreuer, Techniker und Fachingenieure arbeiten Hand in Hand bei der Wartung und Instandhaltung der komplexen technischen Anlagen.« Das Schlimmste, was in den letzten Jahren passiert ist, war ein Laborbrand. Als Ursache konnte ein gebrochener Regalboden in einem Sicherheitsschrank festgestellt werden.

Die Leitwarte hat alles im Blick

 

Die Flaschen mit Chemikalien, die darauf standen, waren herunter gefallen und zerbrochen. Die dadurch entstandene Mischung entzündete sich, und die Flammen zerstörten das ganze Labor. »Glücklicherweise kam dabei kein Mensch zu Schaden«, blickt Nitzsche zurück. Damit dies auch so bleibt, werden die Rauchmelder in den Gebäuden streng gewartet. Bricht in den Räumen Feuer aus, geht der Alarm über die Brandmeldezentrale direkt zur Feuerwehr.

So ist Hilfe schnell zur Stelle. Die meisten Brandalarme sind jedoch nicht technischem, sondern menschlichem Versagen geschuldet. »Der Klassiker unter den Ursachen für Brandalarme ist die vergessene Pizza in der Mikrowelle«, erzählt Nitzsche. »Weil Mensch und Technik aber zuverlässig Wache halten, haben solche kleinen Nachlässigkeiten bisher noch keine schwerwiegenden Folgen gehabt.«

Dämmert gegen sechs Uhr der Morgen, ist auch die Nachtschicht vorbei. Der Campus füllt sich allmählich wieder mit Leben. Während in den Laboren wieder experimentiert und in den Hörsälen doziert wird, gönnen sich die Mitarbeiter und Wächter der Nacht ein wenig Ruhe. Denn die nächste Nachtschicht kommt bestimmt. [Autorin: Melanie Gärtner]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.16 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.