Zentrum für Hochschulsport: Klassisches Ballett mit tänzerischen Elementen; Foto: Rolf Oeser

Zentrum für Hochschulsport: Klassisches Ballett mit tänzerischen Elementen; Foto: Rolf Oeser

Die Ballettstunde für Fortgeschrittene hat gerade begonnen. „Tendu vor, seit und rück, plié“, wiederholt Dr. Malda Denana (38) die Elemente, die ihre Schüler relativ synchron im Rhythmus zur Musik einüben. Sie alle haben sich an insgesamt vier Ballettstangen mit Blick zum Spiegel positioniert. Eine Hand hält die Stange fest, um das Gleichgewicht besser halten zu können. „Rippen bleiben geschlossen, und das Brustbein bleibt weich“, korrigiert Denana. Nach jeder Übung werden die Seiten an der Stange gewechselt. Knapp 19 Tänzerinnen und ein Tänzer sind heute zum Training gekommen.

Denana tanzt, seit sie drei Jahre alt ist, mit großer Leidenschaft Ballett. „Es ist wie eine eigene Welt, in die ich gerne eintauche“, beschreibt die Tanzlehrerin ihre Leidenschaft. Sie hat die Gruppenleitung für Ballett und Modern Dance am Zentrum für Hochschulsport vor 15 Jahren übernommen, nachdem sie dort selbst zwei Jahre aktiv getanzt hat. „Damals, als ich anfing, gab es nur ein oder zwei Klassen. Ich habe dann viele zusätzliche Klassen aufgebaut, die auch unterschiedliche Niveaus haben“, sagt die promovierte Philosophin, Tanzwissenschaftlerin und -pädagogin.

„Ich dachte mir, entweder ich fange jetzt damit an oder es wird nie was.“, Christian Griesbeck (48)

Im Anfängerkurs werden die Grundlagen des klassischen Balletts erarbeitet. An der Stange und in der Mitte werden Positionen und Bewegungsabläufe vermittelt und so die Körperspannung und -beherrschung geschult. Beim Mittelstufenkurs liegt der Schwerpunkt auf Schritt- und Sprungkombinationen, in denen die Teilnehmer ihre Kraft, Beweglichkeit und künstlerische Ausdruckskraft üben können. Der Fortgeschrittenenkurs richtet sich an Teilnehmer mit mehrjähriger Erfahrung im klassischen Ballett.

Ein Mix aus russischer, englischer und französischer Schule

Das Ballett entstand zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert aus Stücken, die an italienischen und französischen Fürstenhöfen aufgeführt wurden. Zunächst durften nur Männer auf der Bühne Ballett tanzen. Ab 1681 war es auch Frauen erstmals offiziell erlaubt. Während früher die Frauen in der Minderheit waren, sind es heute die Männer. Als einziger an diesem Trainingstag hat sich Christian Griesbeck (48) unter die vielen Tänzerinnen gemischt. Der Promotionsstudent im Fach Philosophie ist im Alter von 25 Jahren zum Ballett gekommen: „Ich dachte mir, entweder ich fange jetzt damit an oder es wird nie was.“ Es sei eine der körperlich anspruchsvollsten Tätigkeiten, die man machen kann und sei gut für die Haltung. „Ich bin drei Zentimeter gewachsen, seitdem ich mit Ballett angefangen habe“, freut sich Griesbeck. Seit zehn Jahren ist der begeisterte Tänzer nun bereits beim Hochschulsport aktiv. Vorurteile, weil er als Mann Ballett tanzt, sind ihm nie begegnet.

Denana unterrichtet hauptsächlich das klassisch russische Ballett. Wobei sie auch teilweise Elemente der französischen und englischen Schule mit einfügt. „Viele Techniken aus anderen Schulen, die ich sinnvoll finde, wie beispielsweise schöne lange Arme, übernehme ich einfach. Insgesamt gestalte ich die Übungen sehr tänzerisch“, sagt Denana. Dem Ballettcodex gemäß wird immer eine Reihenfolge von Bewegungselementen wie Pilé, Tendu, Rond de Jambe geübt, die, je fortgeschrittener die Klasse ist, zu immer komplexeren Kombinationen zusammengefügt werden.

Gwendolyn Zeuner (20) gefällt der Ballettunterricht am Zentrum für Hochschulsport (ZfH): „Meine alte Ballettlehrerin war sehr streng. Malda ist unglaublich nett und es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man was falsch macht. Das finde ich sehr angenehm.“ Seit Beginn ihres Jurastudiums vor zwei Semestern ist sie mit dabei. Mit Ballett hat Zeuner angefangen, als sie sieben Jahre alt war. Zeuners damalige Grundschullehrerin war der Meinung, sie sei zu unsportlich. Daraufhin hat ihre Mutter sie in der Ballettschule angemeldet. „Mir gefällt mittlerweile sehr gut dabei, dass man sich sehr konzentrieren muss. Es hat viel mit Spannung und Kontrolle zu tun. Man weiß, wie es perfekt ist und danach kann man streben“, sagt Zeuner.

Nach ein paar Übungen steht den Ballettschülern der Schweiß auf der Stirn. Sie sind konzentriert bei der Sache und versuchen, die einzelnen Übungselemente zu präzisieren. Denana gibt weitere Anweisungen: „Nicht auf die Füße gucken und immer die Zehen in der Länge halten.“ Nach 45 Minuten wird sich gedehnt. Dabei kann die Gruppe etwas entspannen.

Infos zu den Übungszeiten unter: www.zfh-db.sport.uni-frankfurt.de

Dieser Artikel ist in der Ausgabe (2-15) des UniReport erschienen: [PDF-Download]