Der Chor wächst immer mehr zusammen: Annette Frier und die Teilnehmer des Projekts „Unvergesslich – Unser Chor für Menschen für Demenz“ bei einer Probe. (Foto: ZDF/Jan Rothstein)

Dass gemeinsames Singen und Musizieren Spaß macht, wird kaum jemand bestreiten. Auch für die therapeutische Wirkung von Musik auf demenzerkrankte Menschen gibt es immer mehr empirische Hinweise. Dennoch ist noch wenig erforscht, welche Effekte musiktherapeutische Interventionen bei Demenzerkrankungen im Einzelnen auslösen – wie etwa regelmäßiges Singen von demenzerkrankten Menschen in einem Chor.

Die kürzlich abgeschlossene Studie des Arbeitsbereichs Altersmedizin (Leitung: Prof. Dr. Johannes Pantel) am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt füllt hier eine Lücke. Die Studie war eingebettet in die vierteilige ZDF-Produktion „Unvergesslich: Unser Chor für Menschen mit Demenz“. Prominente Gastgeberin des Chors und Moderatorin der Sendung ist die bekannte Schauspielerin Annette Frier. Über einen Zeitraum von zwei Monaten trafen sich in Köln Teilnehmer unter professioneller Leitung zu wöchentlichen Chorproben. Ziel der Begleitstudie, die im Frühjahr 2020 endete, war die wissenschaftliche Untersuchung von physiologischen und psychosozialen Auswirkungen des regelmäßigen Chorsingens auf die Erkrankten und ihre begleitenden Angehörigen. Dabei wurde untersucht, welche Wirkung die Chorproben im Einzelnen und das Gesamtprojekt auf die demenzerkrankten Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ihre Angehörigen haben.

Die Ergebnisse weisen eine deutliche Steigerung des emotionalen Wohlbefindens der Teilnehmer nach den Chorproben auf sowie eine Minderung ihres Stresslevels, das über den Cortisolspiegel im Speichel der Teilnehmer gemessen wurde. Die Ergebnisse werden durch Beobachtungsbögen gestützt, die von den Angehörigen vor und nach den Chorproben ausgefüllt wurden. In weiteren Erhebungen zeigt sich neben einer Stabilisierung der subjektiv eingeschätzten Lebensqualität der Menschen mit Demenz auch eine signifikante Abnahme depressiver Symptome bei den begleitenden Angehörigen.

Neben wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn bietet das Chorprojekt des ZDF die Gelegenheit, eine breitere Öffentlichkeit über Demenz und positive Effekte des Musizierens zu informieren und das Thema der kulturellen Teilhabe von Menschen mit Demenz weiter in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken.

Die vierteilige Reihe wird ab Dienstag, den 21.07.2020, wöchentlich im ZDF ausgestrahlt. Hier finden Sie weitere Informationen, Zitate der Beteiligten sowie alle Sendetermine.

Alle Folgen können außerdem in der ZDF-Mediathek angesehen werden.

Kontakt:
Dipl.-Psych., M.A. Arthur Schall
Mail: schall@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
Arbeitsbereich Altersmedizin (Leitung: Prof. Dr. Johannes Pantel)
Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt