In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek gestern den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Mit dabei Sprecherin Prof. Nicole Deitelhoff (Goethe-Uni), sowie der Geschäftsführende Sprecher Prof. Matthias Middell (Uni Leipzig) und Sprecher Prof. Olaf Groh-Samberg (Uni Bremen).

In einer Pressekonferenz hat Bundesministerin Anja Karliczek gestern den Startschuss für das neue Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) gegeben. Nun kann auch das Frankfurter Teilinstitut seine Arbeit aufnehmen. An der Goethe-Universität ist außerdem die allgemeine Geschäftsstelle des Forschungsinstituts angesiedelt.

83 Forschungsprojekte an elf Teilinstituten in zehn Bundesländern: Nach einer eineinhalbjährigen Vorbereitungsphase startet am 1. Juni das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). 40 Millionen Euro Fördermittel stehen für die vierjährige Hauptphase zur Verfügung. Das FGZ soll unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und wissenschaftliche Expertise bündeln. Die Themen reichen von neuen sozialen Konflikten über das Auseinanderdriften von Stadt und Land bis hin zu Populismus und zunehmendem Antisemitismus. „Um zu verstehen, was uns als Gesellschaft zusammenhält, brauchen wir noch tiefere Erkenntnisse“, sagte Bundesministerin Karliczek während der Konferenz. „Und wir brauchen konkrete Lösungsvorschläge, wie wir diesen Zusammenhalt stärken können.“

Der Begriff des „gesellschaftlichen Zusammenhalts“ sei eine Einladung, grundsätzliche Fragen gesellschaftlicher Entwicklung zu untersuchen und dabei die Instrumente aller Geistes- und Sozialwissenschaften einzusetzen, sagte Matthias Middell, Professor für Kulturgeschichte in Leipzig und Geschäftsführender Sprecher des FGZ. Neben der Universität Leipzig fungieren auch die Uni Bremen und die Goethe-Universität als koordinierende Standorte. Olaf Groh-Samberg, Professor für Soziologie an der Universität Bremen und ebenfalls FGZ-Sprecher, wies in der Pressekonferenz darauf hin, dass derzeit mithilfe des BMBF ein zusätzliches Forschungsprojekt zur Untersuchung der nachhaltigen Auswirkungen der Corona-Krise auf globale, internationale und nationale Vernetzung sowie auf Vorstellungen von gesellschaftlichen Zusammenhalt entwickelt werde. 

Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität Frankfurt und ebenfalls FGZ-Sprecherin: „Die öffentliche Auseinandersetzung, eine lebhafte Debatten- und Streitkultur sind zentrale Elemente gesellschaftlichen Zusammenhalts, die gerade in Krisenzeiten wie der jetzigen Corona-Pandemie gefährdet sind. Wenn wir gegenwärtig über wachsende Polarisierung und um sich greifende Verschwörungstheorien sprechen, dann sind das auch Reaktionen auf tief empfundene Ungewissheiten und Unsicherheit. Welche Gruppen besonders zu Verunsicherung neigen bzw. besondere Schwierigkeiten haben, damit umzugehen, wie Verschwörungstheorien öffentliche Debatten zersetzen und welche Bewältigungsstrategien es dafür gibt, gehört zu den Forschungs- und Transferaufgaben des FGZ.“ 

Deitelhoff betonte auch die Bedeutung des am Standort Frankfurt koordinierten Wissenstransfers für das FGZ. Das FGZ biete die Chance, in vielfältigen Formaten gemeinsame Erkenntnisse und Orientierungswissen durch den Austausch mit Praxispartnern zu entwickeln. Dies hob auch Bundesministerin Karliczek unter Verweis auf das Transferprojekt „Frankfurt streitet“ des Frankfurter FGZ-Teilinstituts hervor.

Das interdisziplinär besetzte Frankfurter FGZ-Team, das im Forschungsverbund Normative Ordnungen der Goethe-Universität angesiedelt ist, geht unter der Leitung von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Stellvertretung: Prof. Dr. Daniela Grunow und Prof. Dr. Rainer Forst) der Frage nach, wie die Pluralisierung moderner Gesellschaften auf Fragen des Zusammenhalts einwirkt und wie Konflikte so gestaltet werden können, dass sie demokratischen Zusammenhalt stabilisieren, nicht schwächen. 

„Ich freue mich sehr, dass das neue Forschungsinstitut nicht nur mit einem Teilinstitut, sondern auch mit einer Sprecherin und der allgemeinen Geschäftsführung an der Goethe-Universität angesiedelt ist“, kommentierte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff den Start des FGZ. Viele dringende gesellschaftliche Fragen knüpften an die bereits elfjährige Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und dem Frankfurter Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an. „Aus dieser Zusammenarbeit ist viel Forschungsexpertise vorhanden, hier wurde schon immer Disziplinen übergreifend gearbeitet. Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat viele fachliche Bezüge; er zwingt dazu, kulturelle, soziale, politische, ökonomische und rechtliche Fragen zusammenzudenken. Ich wünsche allen beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern viel Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit“, so Wolff weiter.

Auch die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn beglückwünscht alle Beteiligten am koordinierenden Standort des FGZ in Frankfurt: „Ich freue mich sehr darüber, dass die Goethe-Universität so maßgeblich an dem neuen Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt beteiligt ist und dass Hessen damit einer der Hauptstandorte ist. Es ist wichtig, dieses Thema intensiv zu erforschen, gerade Zeiten, in denen Spalter und Hetzer viel Gehör finden. Wir erhoffen uns wesentliche Impulse dafür, wie wir als Gesellschaft auch künftig in Frieden und Wohlstand miteinander leben können. Deshalb unterstützen wir auch gern die Geschäftsstelle des Instituts an der Goethe-Universität in Frankfurt aus Landesmitteln.“