Im Rahmen einer Feierstunde wurde heute auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität der „Frankfurter Preis für Umwelt und Nachhaltigkeit“ verliehen. Ausgezeichnet wurden fünf Jungwissenschaftler*innen für ihre Qualifikationsarbeiten im Feld der Umwelt- und sozial-ökologischen Nachhaltigkeitsforschung. Ausgewählt wurden die Preisträger*innen vom Kuratorium Frankfurter Preis für Umwelt und Nachhaltigkeit unter Vorsitz von Professorin Birgit Blättel-Mink. Die Preisverleihung fand statt im Anschluss an die Antrittsvorlesung von Professorin Flurina Schneider, die seit Frühjahr 2021 eine Professur für Soziale Ökologie am Fachbereich Biowissenschaften bekleidet und in ihrem Vortrag über „Forschung für nachhaltige Entwicklung – von Wissensprozessen und Gestaltungsoptionen“ sprach.  

Die Hauptpreise des „Frankfurter Preises für Umwelt und Nachhaltigkeit 2021“ gingen an die Kulturanthropologin Kathrin Eitel und den Biologen Christian Scherer. Kathrin Eitel zeige in ihrer Dissertation zum Thema „Recycling Infrastructure. Practices of Waste Handling in Phnom Penh“ in eindringlicher Weise, so die Gutachter*innen, wie Müll sich in seinen verschiedenen Aggregatzuständen in die Natur einer Stadtlandschaft eintrage; Kathrin Eitel plädiere vor dem Hintergrund sozialökologischer Systembegriffe für eine Kreislaufwirtschaft, die den Metropolen des Globalen Südens eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen soll.

Christian Scherer hat sich in seiner Dissertation mit dem Thema „Mikroplastik in Binnengewässern – Herkunft, Verbleib und Wirkung“ beschäftigt. Die Belastung vor allem der Weltmeere mit Mikroplastik wird seit einigen Jahren als zunehmend auch gesellschaftlich wahrgenommenes Umweltproblem intensiv erforscht. In der Gesamtschau liefere Scherer eine äußert umfangreiche Dissertation ab, die das Phänomen Mikroplastik von den Quellen bis zu den Effekten umfassend bearbeite, befanden die Gutachter*innen.

Die drei Förderpreise gingen an die Soziologin Anita Kalustian (vormals Schenker), die Biowissenschaftlerin Jasmin Thal sowie an den Umweltwissenschaftler Jonas Wallraff für ihre Abschlussarbeiten. Anita Kalustian hat sich in ihrer Masterarbeit mit der Frage „Was passiert, wenn Gesellschaft Natur konstruiert?“ beschäftigt.  Um ein symmetrisch(er)es Verhältnis von Natur und Kultur und damit einen „Weg“ zum Umgang mit der Krise zu erreichen, sei es ihr zufolge notwendig, auch in der Wissenschaft eine Perspektive einzunehmen, die deutlich kritischer mit den (Re)Produktionsmechanismen kapitalistischer Strukturen und Institutionen umgehe, meinte die Jury.

Das Thema von Jasmin Thals Bachelorarbeit lautet „Untersuchung zur aquatischen Ökologie im Hafenbecken von Bad Karlshafen und Vorschläge zur Verbesserung der Gewässerqualität“. Die Kandidatin konnte die Ursache der Eutrophierung identifizieren und in Kooperation mit den städtischen Akteuren Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität herauszuarbeiten. Dazu gehöre eine geregelte Wasserzufuhr in Abhängigkeit der Wasserqualität des Zuflusses, das Absammeln von Algenwatten (Biomasseentfernung) und das Setzen von Wasserpflanzen im Zulaufbereich, befanden die beiden Gutachter*innen.

„Chemical composition and in vitro toxicity of PM2.5 near Frankfurt International Airport“, lautet der Titel seiner Masterarbeit: Jonas Wallraff hat sich mit der wichtigen Frage beschäftigt, inwiefern die chemische Zusammensetzung von Feinstaub einen Effekt auf unsere Gesundheit hat. Er konnte zeigen, so die Gutachter*innen, dass sich die chemische Zusammensetzung der Proben je nach Windrichtung deutlich voneinander unterscheide. Passend dazu zeigten beide in vitro Toxizitätstests eine höhere Toxizität der Proben aus Windrichtung Stadt. Wallraff identifizierte einige Verdächtige Chemikalien wie Organophosphate und Octylphenol-Derivate, welche mit der beobachteten Wirkung in Verbindung gebracht werden können.