Goethe fragt, unsere Wissenschaftler*innen antworten: der Amerikanist Johannes Völz

Goethe fragt, unsere Wissenschaftler*innen antworten. Zum Beispiel, warum sie Wissenschaftlerin bzw. Wissenschaftler geworden sind. Und was sie unbedingt noch herausfinden wollen. In der Reihe „Goethe fragt“ stellen wir fortlaufend kluge Köpfe der Goethe-Universität vor. Uns interessiert, woran sie forschen – und wer die Menschen hinter der Forschung sind.

Name: Johannes Völz
Profession: Amerikanist (Literatur- und Kulturwissenschaftler)
Arbeitsplatz: Institut für Anglistik und Amerikanistik, Abteilung für Amerikanistik

Warum sind Sie Wissenschaftler geworden?

Ich wollte eigentlich Journalist werden. Die Zeitungsredaktionen, für die ich schrieb, hielten mich aber für einen Wissenschaftler. Als ich dann eine Doktorandenstelle angeboten bekam, fügte ich mich in mein Schicksal.

Woran arbeiten Sie gerade?
Momentan arbeite ich an zwei Büchern zum Populismus, genauer zur Ästhetik des Populismus. Das eine beschäftigt sich mit den USA, das andere geht vergleichend vor.

Was wollen Sie unbedingt noch herausfinden?
Ich bin fasziniert vom Schillern der demokratischen Kultur. Wie Demokratien – oftmals aus einem Impuls der Demokratisierung heraus – ins Autoritäre kippen können, ist faszinierend und natürlich auch verstörend. Wie sich die Bewegung umgekehrt, also vom Autoritären zurück zum Demokratischen, in Gang setzen lässt, ob das überhaupt steuerbar ist: das wäre wirklich wissenswert. Das sind die Fragen, die mich auch bei ConTrust umtreiben. Denn sehr viel davon hat mit der Dynamik von Vertrauen und Misstrauen zu tun.

Wie sieht Ihr idealer Arbeitstag aus?
Wissenschaft ist im besten Falle ein kreativer Beruf. Für mich als Geisteswissenschaftler heißt das: An einem idealen Tag fasse ich einen neuen Gedanken; oder ich beginne die Vorahnung eines Gedankens besser zu verstehen. Meist passiert das beim Schreiben, an glücklichen Tagen auch im Gespräch mit Studierenden und Kollegen.

Worauf könnten Sie im Arbeitsalltag gut verzichten?
Verwaltungskram. Leider macht der gefühlte 75 Prozent des Jobs aus.

An meinem Job mag ich…
…dass es erstaunlich oft ideale Arbeitstage gibt.

Die Goethe Uni ist für mich….
…ein Ort, an dem man Dinge in Gang bringen kann.

Was sollte die Gesellschaft über Ihre Forschung wissen? Was ist ein häufiges Missverständnis?
Viele Menschen glauben, die Literatur- und Kulturwissenschaften seien weltfremd oder befassten sich lediglich mit den Verzierungen der harten Realität – weil das Wissen, das sie produzieren, nicht unmittelbar produktivitätssteigernd oder problemlösend angewandt werden kann. Dabei ist es doch eigentlich ziemlich offensichtlich, dass wir in einer Gesellschaft leben, die nonstop mit sich und über sich kommuniziert. Und zwar nicht nur, um Informationen auszutauschen, sondern um sich permanent selbst zu entwerfen. Um zu begreifen, wie das vonstattengeht – wie die Dinge sagbar und vorstellbar werden, aber auch, wie sie aus dem Kreis des Sagbaren und Vorstellbaren verbannt werden – braucht man dringend die Geisteswissenschaften.

Mit welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie gerne mal einen Tag tauschen?
Tauschen möchte ich mit niemanden. Aber ich würde mich mit der einen oder anderen Person gern austauschen. Zum Beispiel mit Stevie Wonder, Wayne Shorter und Hannah Arendt.

Wie bekommen Sie den Kopf von der Forschung frei?
Mit Rennradfahren. Wegen einer Augenkrankheit mittlerweile bevorzugt auf dem Renntandem. An die Autofahrer: bitte Abstand halten! Und uns bergab vorlassen! Sorry.

Prof. Dr. Johannes Völz gehört dem Clusterprojekt ConTrust an. Das Clusterprojekt erforscht das Wechselspiel von Vertrauen und Misstrauen in Krisen- und Konfliktsituationen.

Mehr Infos
zu Prof. Völz’ Forschungsthemen finden Sie hier.

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