Für eine durch Diabetes verursachte Netzhauterkrankung haben Frankfurter Wissenschaftler in einer Studie neben einer zentralen Ursache auch einen möglichen Therapieansatz gefunden. Die Ergebnisse werden am 14. Dezember 2017 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Diabetes ist weltweit die Ursache Nummer eins für Blindheit bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter. Der Grund ist eine degenerative Erkrankung der Netzhaut – die sogenannte diabetische Retinopathie. In Folge der Diabetes nehmen die Blutgefäße in der Netzhaut, die für den Austausch von Nährstoffen und Sauerstoff verantwortlich sind, massiven Schaden, die Gefäße verlieren ihre natürliche Barrierefunktion.

Als Konsequenzen ergeben sich zum einen eine Unterversorgung des Netzhautgewebes und zum anderen eine Einwanderung von Immunzellen, die wiederum entzündliche Prozesse forcieren. Im Verlauf der Erkrankung entstehen zwar neue, aber vor allem ungeordnete Blutgefäße, die oftmals instabil sind. Die dadurch vorkommenden Einblutungen in den Glaskörper des Auges der betroffenen Patienten können häufig zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens führen, im schlimmsten Fall allerdings kann dieser Prozess gar in einer Ablösung der Netzhaut und einer möglichen Erblindung resultieren.

Frankfurter Forscher haben in einer Studie gemeinsam mit weiteren Partnern von anderen Universitäten sowohl einen zellulären als auch einen molekularen Mechanismus identifiziert, der für diese fortschreitenden entzündliche Erkrankung der Netzhaut verantwortlich ist. Experimentell konnten sie sogar mittels eines synthetischen Stoffes den Verlauf dieser Erkrankung überraschend positiv beeinflussen und damit die mögliche Basis für eine wirksame Therapie gegen die diabetische Retinopathie legen. Das Magazin Nature veröffentlicht die Studie in seiner nächsten Ausgabe am 14. Dezember. Im Internet wurde am 6. Dezember eine Vorabversion publiziert.

Das Fortschreiten dieser schleichenden Erkrankung könnte aufgehalten werden

Im Rahmen des federführenden Engagements der Frankfurter Wissenschaftler wurde ein Enzym identifiziert, das während der auftretenden entzündlichen Prozesse in den Blutgefäßen der Netzhaut ein entscheidender mitverantwortlicher Faktor ist, nämlich die lösliche Epoxid Hydrolase, welche eine bestimmte Form einer ungesättigten Omega-3 Fettsäure produziert: die sogenannte 19,20-Dihydroxydocosapentaensäure, auch einfach abgekürzt 19,20-DHDP genannt. Die Konzentration von 19,20-DHDP ist interessanterweise bei Diabetespatienten deutlich erhöht und bedingt eine Destabilisierung der Netzhautblutgefäße. Sie werden darüber hinaus undicht und ebenso nimmt ihre Anzahl ab.

In Modellversuchen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass 19,20-DHDP direkt von der Aktivität von der löslichen Epoxid Hydrolase abhängt, welche tatsächlich vermehrt während der Erkrankung der diabetischen Retinopathie gebildet wird. Der gezielte Einsatz eines synthetischen Hemmstoffs, eines sogenannten Inhibitors, gegen die lösliche Epoxid Hydrolase, führte zu einer Verminderung der Produktion, von der in diesem Zusammenhang als schädlich anzusehenden 19,20-DHDP und konnte wiederum mit einem verminderten Fortschreiten der diabetischen Retinopathie in Verbindung gebracht werden. „Es handelt sich um einen sehr vielversprechenden Therapieansatz“, erläutert Prof. Ingrid Fleming, Direktorin des Institute for Vascular Signalling am Fachbereich Medizin der Goethe-Universität.

Publikation: Inhibition of soluble epoxide hydrolase prevents diabetic retinopathy, Nature, DOI: 10.1038/nature25013

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums vom 6. Dezember 2017