Neue Impulse für Frankfurter Nuklearmedizin

Zum 01. Dezember 2023 hat Prof. Dr. Rudolf Alexander Werner die Leitung des Schwerpunktes Nuklearmedizin am Zentrum der Radiologie des Universitätsklinikum Frankfurt übernommen. Der ausgewiesene Experte möchte den Standort um wichtige Zukunftsthemen in den Bereichen Molekulare Herz- und Tumor Bildgebung, Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz erweitern.  

Prof. Dr. Werner ist unter anderem spezialisiert auf die sogenannte Theranostik. Bei diesem progressiven Behandlungsansatz werden Diagnostik und Therapie miteinander verknüpft. Die zielgenaue Versorgung der einzelnen Patientin und des einzelnen Patienten rückt dabei in den Mittelpunkt. Sie kommt vor allem in Bereichen von bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Lymphomen zum Einsatz, aber auch beim Prostatakarzinom oder neuroendokrinen Tumoren. Hierbei wird mittels eines Hybridverfahrens aus Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie (CT) die Zielstruktur auf der Tumorzellenoberfläche mittels sogenannten „Tracern“, also schwach radioaktiven Substanzen, sichtbar gemacht. Unter Anwendung einer dann folgenden, hochwirksamen Radionuklidtherapie kann eine äußerst präzise Bestrahlung der vorher bestimmten Tumorzelloberfläche vorgenommen werden. Ermöglicht wird damit eine besonders schonende Therapie, da sich dank des zielgerichteten Strahleneinsatzes das Spektrum an Nebenwirkungen erheblich verringern lässt.

Gewinn für Patienten und Forschung

Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Frankfurt, begrüßt die Neuberufung: „Prof. Dr. Werner ist ausgewiesener Experte für das gesamte Spektrum der Radionuklidtherapien, insbesondere für die Behandlung von Tumoren, die ihren Ursprung in hormonbildenden Zellen haben. Mit seinen zukunftsweisenden Forschungsansätzen wirkt er als treibende Kraft für eine patientenzentrierte, maßgeschneiderte Medizin und ist damit ein großer Gewinn für unsere Patientinnen und Patienten. Wir freuen uns deshalb außerordentlich darüber, dass er dem Ruf an die Universitätsmedizin Frankfurt gefolgt ist.” „Prof. Dr. Werner setzt einen besonderen Forschungsakzent im Bereich von Radiopharmaka, darüber hinaus ist sein erklärtes Ziel, das nuklearmedizinische Forschungs- und Lehrspektrum um Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz zu bereichern. Dies sind entscheidende Schritte, die uns in der Wissenschaft voranbringen können”, ergänzt Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Dekan des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität. „Anhand einer Reihe von Preisen und Auszeichnungen – zuletzt wurde Professor Werner in diesem Jahr mit dem Nuklearmedizinpreis der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) geehrt – zeigt sich seine hervorragende wissenschaftliche Expertise auf diesem Gebiet und er bedeutet eine immense Bereicherung für die Universitätsmedizin Frankfurt.“

Translation für eine noch bessere Patientenversorgung

Eine besondere Zielsetzung an seiner neuen Wirkungsstätte am Universitätsklinikum Frankfurt stellt für Prof. Dr. Werner die Translation dar: „Bei der Entwicklung neuer Radiotracer spielt ein translationaler Ansatz – also die präklinische Testung gefolgt von einem zügigen klinischen Einsatz -eine tragende Rolle, weshalb eine enge Kooperation sowohl mit klinischen als auch vorklinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen am Standort angestrebt wird.” Durch den Bezug des Neubaus 2024 wird dem Team um Werner zudem ein hochmoderner, diagnostischer Gerätepark zur Verfügung stehen, der durch die hervorragend ausgestattete Therapiestation zur Durchführung von Radionuklid- und Radiojodtherapien komplettiert wird. Insbesondere wachsen hierbei diagnostische und therapeutische Einheiten der Nuklearmedizin durch kurze Laufwege enger zusammen, wovon klinische Versorgung, Lehre und Forschung nachhaltig profitieren werden.

Zielgenaue Therapie dank bildgebenden Verfahren

Einen weiteren Schwerpunkt setzt Prof. Dr. Werner bei der Molekularen Bildgebung (PET/CT) in der Onkologie und der Kardiovaskulären Medizin. Hier kommt das bereits erwähnte Hybridverfahren aus PET und CT ebenfalls zum Einsatz. Die eingesetzten Tracer können Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar machen und anatomische und molekulare Informationen visualisieren. So kann beispielsweise das Ausmaß einer Entzündung im Herzen oder die Aussaat eines Tumors im gesamten Körper abgebildet werden. Dank dieser exakten Diagnostik kann für die jeweilige Patientin oder den Patienten eine maßgeschneiderte Tumor- bzw. Herz-Kreislauf-Therapie eingeleitet werden. Darüber hinaus lassen sich über ein PET-Ganzkörper-Scan auch systemische Interaktionen zwischen Organen beurteilen, wie zum Beispiel die Immunantwort nach einem Herzinfarkt in gleichfalls betroffenen Organen wie Lymphknoten, Milz und Knochenmark.

Prof. Dr. Werner wechselt nach Frankfurt vom Universitätsklinikum Würzburg, wo er als Leitender Oberarzt und Stellvertretender Direktor der Klinik für Nuklearmedizin tätig war. Am Universitätsklinikum Frankfurt tritt er die Nachfolge von Prof. Dr. Frank Grünwald an, der nach 24-jähriger intensiver und erfolgreicher Tätigkeit am Universitätsklinikum in den Ruhestand verabschiedet worden war.

Ausgewiesene fachliche Expertise

Prof. Dr. Rudolf Alexander Werner studierte Humanmedizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und promovierte dort im Fach Kardiologie. Im Rahmen eines Projekts des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) forschte er für zwei Jahre an der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore (USA). 2020 habilitierte er sich an der Medizinischen Hochschule Hannover in Experimenteller Nuklearmedizin und 2021 folgte die Erweiterung auf das Gesamtfach Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Seine Assistenzzeit verbrachte er in der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Würzburg und an der Medizinischen Hochschule Hannover, wo er 2020 seinen Facharzttitel erwarb.

Am Universitätsklinikum Würzburg war er im Anschluss als Leitender Oberarzt und Stellvertretender Klinikdirektor tätig und wirkte daneben als Teilprojektleiter einer SFB-Studie zur multimodalen Herz-Bildgebung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Dagmar-Eißner-Preis der Mittelrheinischen Gesellschaft für Nuklearmedizin. 

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