Dr. Richard Kuba bringt die Felsbildsammlung mit Ausstellungen ans Licht der Öffentlichkeit; Foto: Gärtner

Dr. Richard Kuba verwaltet die Felsbildsammlung des Frobenius-Instituts und bringt die Bilder mit Ausstellungen ans Licht der Öffentlichkeit. Die prähistorische Kunst hatte auch großen Einfluss auf die Maler der Moderne.

Die Aufregung der Ausstellungseröffnung in Dakar steckt Dr. Richard Kuba noch in den Knochen. Verspätete Ankunft der Luftfracht in der Mittagszeit, Eröffnung der Ausstellung am selben Abend, das alles unter der segnenden Sonne des Senegals. »Das war was«, lacht der Ethnologe und fährt sich durch die Haare. Dr. Richard Kuba kommt viel herum.

Nicht nur als Forscher in Afrika, sondern auch als hauptverantwortlicher Ansprechpartner der Felsbildsammlung des Frobenius-Instituts. Als er 2006 im Zuge der Digitalisierung des umfangreichen Bildarchivs den alten Bestand durchsuchte, stieß er dort auf einen lange vergessenen Schatz.

»Ich habe den Job damals gemacht, weil ich Geld brauchte – ein Archiv zu digitalisieren ist für einen feldforschungserprobten Wissenschaftler auf den ersten Blick ja keine allzu aufregende Aufgabe«, lacht er. Doch als er im Keller des ehemaligen Institutsgebäudes in der Liebigstraße auf die staubigen Papierplanen stieß, sie neugierig ausrollte und sein Blick auf die Bilder fiel, war es um ihn geschehen.

5.000 Bilder auf teils riesigen Planen

Die Bilder zeigen Szenen aus prähistorischer Zeit, Abbildungen von Höhlenmalereien, die der Frankfurter Forschungsreisende Leo Frobenius in Afrika, Asien und Australien anfertigen ließ. Dem Forscher war daran gelegen, entgegen des damals gängigen Bildes der unzivilisierten Wilden, den Wert indigener Kulturen, allen voran der afrikanischen Kulturen, zu dokumentieren.

Mit einem Stab von Mitarbeitern und Künstlern reiste er auf insgesamt zwölf Expeditionen durch Afrika, aber auch Indien, Neuguinea und Australien, und ließ dort zahlreiche Fotografien und Zeichnungen des Alltagslebens sowie gemalte Kopien prähistorischer Höhlenmalereien anfertigen.

Rund 5.000 dieser Felsbilder sind auf diesen Reisen entstanden – und allesamt gerieten nach dem Tode Frobenius’ in den Kellern des Instituts, in Kisten und Kästen und als Papierrollen gelagert, über die Jahre in Vergessenheit. Nach Kubas spektakulärem Fund wurden die Werke restauriert und fachmännisch in Planschränken und staubdichten Kisten untergebracht – keine leichte Aufgabe, denn viele der Werke sind auf riesigen Planen von bis zu 11 auf 2,5 Metern gemalt.

»Wir haben rund 120.000 Euro für die Restaurierung der Bilder eingeworben«, sagt Dr. Richard Kuba, der sich seinem Fund mit Hingabe annahm und sich im Zuge seiner neuen Aufgabe viele neue Fähigkeiten aneignen musste. Wie geht man mit den Exponaten um, wie werden sie fachmännisch gelagert, welche Anforderungen hat Papier, welche Textilien? »Hinzu kam die Frage, wie die Werke versichert werden oder wie man sie zu Ausstellungen transportiert «, sagt er. »Ich war so fasziniert von den Bildern, dass ich all das gerne gelernt habe.«

Großer Einfluss auf die Maler der Moderne

Der gesamte Bestand des Instituts wurde digitalisiert, katalogisiert und als Online-Archiv ins Netz gestellt. »Seitdem geschehen die verrücktesten Dinge«, sagt Kuba. Bei den Medien kommen die Bilder gut an. Durch das mediale Interesse wurden Nachfahren ehemaliger Expeditionsmitarbeiter auf die Sammlung aufmerksam und wollen dem Institut den Nachlass von Erinnerungsstücken ihrer forschenden Verwandten vermachen.

Vor allem bei Kunsthistorikern stößt die Sammlung auf reges Interesse. 1937, zu Lebzeiten von Leo Frobenius, waren die Bilder neben Künstlern wie Miró, Klee und Arp bereits im New Yorker Museum Of Modern Art ausgestellt. »Die prähistorische Kunst hatte damals einen großes Einfluss auf die Maler der Moderne«, sagt Dr. Richard Kuba.

»Dies spürt man heute noch: die Formen, die Farben, die Dynamik der Höhlenmalereien scheinen auch die Betrachter von heute sehr anzusprechen.« Der große Erfolg der Ausstellung der Felsbilder bestätigt dies: Von Januar bis Mai letzten Jahres waren die Exponate im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Die Ausstellung verzeichnete rund 40.000 Besucher. In diesem Jahr sind einige Bilder in Dakar zu sehen, von Juli bis Oktober wandert die Ausstellung an das Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko City.

»Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Bilder an die Öffentlichkeit kommen und gesehen werden«, sagt Dr. Richard Kuba. »Im Keller lagen sie lange genug, da nutzen sie niemandem. Wir möchten die Bilder aus dem Archiv in die Welt tragen und dafür sorgen, dass sie wie früher als Kunstwerke wahrgenommen werden.«

Zusammen mit Partnern in den Entstehungsländern der Bilder, wie Burkina Faso, Nigeria, Äthiopien oder dem Senegal, wurden bereits Ausstellungen mit Frobenius‘ historischen Fotografien und Zeichnungen organisiert, um die Exponate als ein gemeinsames deutsch-afrikanisches Kulturerbe zugänglich zu machen. Die nächsten Ausstellungen der Felsbildkopien in Europa sind für 2019 im Pariser Centre Pompidou sowie im Museum Giersch der Goethe-Universität in Frankfurt angedacht.

[Autorin: Melanie Gärtner]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.17 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.