Das erste Bild des Schwarzen Lochs in der benachbarten Galaxie M87, aufgenommen vom Event Horizon Telescope-Projekt. Bildrechte: EHT. Mehr Informationen:

Vorgestern wurde bekannt gegeben, dass Forschenden des Event-Horizon-Teleskop-Projekts (EHT-Projekts), dem auch Prof. Luciano Rezzolla, Theoretischer Astrophysiker an der Goethe-Universität, angehört, erstmals der direkte sichtbare Nachweis eines Schwarzen Lochs gelungen ist. Wir haben einmal in unserer Wissenschaftsredaktion nachgefragt, was das Bahnbrechende an dieser Erkenntnis ist.

1. Für Wissenschaftler waren Schwarze Löcher bisher eine einzige Provokation, weil man niemals erfahren wird, was sich hinter dem Ereignishorizont befindet. Aber das Bild bringt uns dieser verbotenen Zone einen großen Schritt näher.

2. Wie Luciano Rezzolla auf der PK in Brüssel betonte, ist die Möglichkeit, eine Theorie durch eine Messung zu überprüfen, der Schritt, der sie zu einer physikalischen Realität werden lässt. Erst durch Messen, Beobachten und Testen wird wissenschaftlicher Fortschritt möglich. In diesem Fall ist die Messung ein Bild, zusammengesetzt aus den Aufnahmen von acht Radioteleskopen auf vier Kontinenten.

3. Mit dem Bild kann man erstmals die Größe des Schwarzen Lochs messen und daraus die Masse berechnen. Zu der Masse von M87* gab es bisher zwei unterschiedliche Schätzungen. Jetzt weiß man, welche richtig war und kann aufgrund dieser Erkenntnisse auch die Größe und Masse anderer Schwarze Löcher exakter ermitteln.

4. Das Bild bestätigt in einem für die Wissenschaftler verblüffenden Maß die Erwartung der Theorie, wie sie in den Simulationen des Teams von Luciano Rezzolla sichtbar werden.

5. Schwarze Löcher sind für die Kosmologie wegen ihrer ungeheuren Gravitationskraft so etwas wie „Motoren“. Sie bestimmen die Dynamik aller Vorgänge in Galaxien. Zum Beispiel können sie durch die heißen Gase, die sie in Form riesiger Jets aussenden, die Entstehung von Sternen verhindern und damit die Form ganzer Galaxien beeinflussen.  M87* sendet unter dem ungeheuren Druck seiner riesigen Masse einen Jet über eine Entfernung von 5.000 Lichtjahren ins All. Die Energie, die auf diese Weise durch die Galaxie transportiert wird, entspricht derjenigen von mehreren Milliarden Supernovae.

6. Schwarze Löcher unterscheiden sich nicht nur in der Größe, sondern sie rotieren auch in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Das hat einen großen Einfluss auf die Genauigkeit des Bildes, das man von ihnen aufnehmen kann. Saggitarius A* im Mittelpunkt unserer Galaxie ist zwar näher, aber vergleichsweise klein und zappelig wie ein Kleinkind, während M87* wie ein großer Bär im Winterschlaf stillhält. Das wussten die Wissenschaftler vorher nicht. Aber man muss auch Glück haben!