Der plötzliche Herztod – nicht nur im Sport eine Gefahr

Über Twitter hat Fußballnationalspieler Thomas Müller auf die Gefahren des plötzlichen Herztods und speziell auf das „Register für Todesfälle im Sport“ hingewiesen. Je jünger die betroffenen Personen sind, desto häufiger sind Erkrankungen mit einer genetischen Komponente die Ursache. Das auf diese Erkrankungen spezialisierte Zentrum am Universitätsklinikum Frankfurt bietet betroffenen Familien eine Untersuchung an, die klären kann, ob weitere Angehörige eine genetische Veranlagung haben und entsprechend vorbeugen sollten.

In Deutschland sterben circa 65.000 Menschen jährlich am sogenannten plötzlichen Herztod, rund 40 Prozent davon bereits im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Der Fall kann auch beim Sport eintreten, und einzelne prominente Beispiele haben die Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt. Deshalb hat heute auch Fußballnationalspieler Thomas Müller auf seinem Twitter-Kanal für dieses Thema sensibilisiert. „Die erhöhte Aufmerksamkeit ist gut, denn bisher wird der plötzliche Herztod in jungen Jahren in Deutschland nur sporadisch aufgeklärt“, erläutert Prof. Silke Kauferstein, Leiterin des Zentrums für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am Universitätsklinikum Frankfurt. „Etwa bei der Hälfte der Todesfälle liegen genetisch bedingte Erkrankungen zu Grunde. In diesen Fällen kann Vorbeugung in den betroffenen Familien sehr wichtig sein.“

Genetische Diagnostik rettet Leben von Familienangehörigen

Die Ursachen sind nicht selten angeboren, also in unserem Erbgut bereits angelegt. Oftmals handelt es sich um Gendefekte in Proteinen des Herzens, die Herzrhythmusstörungen und den plötzlichen Herztod verursachen können. Tritt ein solcher Fall auf, gibt es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass weitere Angehörige ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod haben. Am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikum Frankfurt besteht ein einzigartiges Zentrum für dieses Thema. Hier findet eine strukturierte Aufklärung der Todesfälle in Verbindung mit einer genetischen Untersuchung statt. „Dazu gehört eine Beratung und Betreuung der Angehörigen durch Expertinnen und Experten unseres Zentrums. Damit können wir Träger eines Gendefekts in den betroffenen Familien in einem sehr frühen Stadium der Krankheit erkennen und individuelle Präventions- und Behandlungsstrategien entwickeln“, so Prof. Kauferstein.

Strukturelle Erforschung des plötzlichen Herztods

Durch die strukturierte Erfassung dieser Fälle wird auch die Erforschung der zugrunde liegenden seltenen genetischen Erkrankungen vorangetrieben, so dass ein besseres Verständnis der Erkrankung und des damit verbunden Risikos geschaffen wird. Diese Ergebnisse sollen künftig auch in einem Register für plötzliche Herztodesfälle in jungen Jahren erfasst werden. Im Hinblick auf plötzliche Herztodesfälle im Sport ist das Frankfurter Zentrum im vergangenen Jahr eine Kooperation mit dem Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes eingegangen, das von Prof. Dr. Tim Meyer, Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, geleitet wird. Prof. Kauferstein erläutert: „Gemeinsam wollen wir mehr Bewusstsein für den plötzlichen Herztod im Sport, aber auch in anderen Bereichen der Gesellschaft schaffen und die Versorgung sowie Prävention innerhalb der Familien weiter verbessern.“

Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Silke Kauferstein
Institut für Rechtsmedizin
Leitung Forensische Molekularpathologie/Zentrum für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome
Universitätsklinikum Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 86 34 5
E-Mail: kauferstein@em.uni-frankfurt.de

Quelle: Pressemitteilung vom 31. Januar 2022, Universitätsklinikum Frankfurt

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