Der Weg zur Traumfabrik / Drei Alumni der Goethe-Universität haben eine eigene Firma gegründet

Andrea Simml, Jakob Zapf und Tonio Kellner bei der Frankfurter Premiere von „Eine Handvoll Wasser“. Foto: Ralf Werner, Openeyeffm

Jakob Zapf und Tonio Kellner sind Gründer von Neopol Film, Andrea Simml ist später als kaufmännische Geschäftsführung dazugestoßen. Alle drei haben an der Goethe-Universität studiert: Zapf und Kellner sind Absolventen des Studiengangs Theater-, Film- und Medienwissenschaften (TFM), Simml hat Soziale Arbeit und Kunstgeschichte studiert.

Drehbuch schreiben, Regie führen, Filme produzieren: Drei Alumni der Goethe-Universität haben eine eigene Firma gegründet. Im UniReport sprechen die drei Gründer darüber.

UniReport: Herr Zapf, Herr Kellner, Frau Simml: Sie führen gemeinsam die Neopol Film. Ihr neuester Film „Eine Handvoll Wasser“ ist im November in die Kinos gekommen. Wie war die Zusammenarbeit mit dem Weltstar Jürgen Prochnow?

Jakob Zapf: Jürgen Prochnow ist einer der Besten seines Faches und es war natürlich eine große Ehre, mit ihm zu arbeiten. Gleichzeitig war dadurch besonders viel Druck im Kessel, denn uns war wichtig, dass alles gut läuft und er auch gerne mit uns arbeitet. Für mich als Regisseur hieß das: Immer gut vorbereitet sein, damit dramaturgische Fragen schnell beantwortet werden können, und gemeinsam mit Milena Pribak, der zehnjährigen Co-Hauptdarstellerin, das Beste rauszuholen. Glücklicherweise ist sie wirklich ein Naturtalent.

Tonio Kellner: Auch hinter der Kamera muss für so eine Produktion natürlich viel gemacht werden, damit alles professionell abläuft. Aber ich denke, wir haben das gut gelöst, mit viel Unterstützung, und Jürgen Prochnow war sehr zufrieden.

Andrea Simml: Der Film gefällt ihm jedenfalls super – und den Zuschauern auch.

Herr Zapf, Sie sind der Regisseur des Films. Was waren Ihre ersten Schritte in die Filmbranche, was war die „Initialzündung“?

Jakob Zapf: Ich habe mir im Zivildienst die erste Kamera gekauft. Das war meine Initialzündung, dass ich Regisseur werden wollte. Heute bin ich in vielen Rollen an meinem ersten Film beteiligt. Aber Film ist Teamarbeit und vom Autorenteam bis zur Arbeit in der gemeinsamen Produktionsfirma konnte ich mich auf alle zu 100 Prozent verlassen. Mein Partner in Crime war dabei Tonio – wir haben ja die Neopol Film auch als Gründung im Prinzip direkt nach der Goethe-Uni gestartet, haben beide TFM studiert. Dann kam Andrea dazu, die hat auch an der Goethe-Uni studiert: Soziale Arbeit und Kunstgeschichte.

Können Sie die erste Phase der Firma beschreiben?

Tonio Kellner: In TFM gab es ein großartiges Seminar zur Theorie und Praxis der Drehbuchentwicklung von Dr. Felix Lenz. Das war für uns, die wir zu der Zeit ganz ohne Filmhochschul- Background neben dem Studium bereits Kurzfilme machten, ein super praktischer Input. Danach haben wir Berufserfahrungen gesammelt und dabei auch Andrea kennengelernt.

Andrea Simml: Jakob arbeitete als Regisseur und Cutter in der Werbung, Tonio als Producer in Werbung und Film, ich selbst war bereits Unternehmerin. Tonio machte dann noch ein Aufbaustudium zu europäischen Koproduktionen an der Filmakademie Baden- Württemberg. Bald hatten wir genug Projekte und eine gute Ausgangslage für die Gründung von Neopol Film.

Was würden Sie einem/einer jungen Filmemacher/ in empfehlen, worauf kommt es im Filmgeschäft heute besonders an?

Tonio Kellner: Der Markt ist sicherlich sehr kompetitiv, aber es gibt mit dem gestiegenen Bedarf an medialen Inhalten auch tolle Einund Aufstiegschancen, wenn man beharrlich dranbleibt. Da ist der Aufbau eines guten Netzwerks sicherlich empfehlenswert, angefangen bei Praktika und dem Sammeln von Berufserfahrung schon während des Studiums.

Jakob Zapf: Absolut. Und Geduld.

Wenn Sie an Ihre Studienzeit an der Goethe-Universität denken: Was haben Sie aus dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften mitgenommen, was waren vielleicht die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen?

Jakob Zapf: Das Wichtigste ist wahrscheinlich das selbstständige Arbeiten. Ob man da nun Texte und Zusammenhänge recherchiert oder Personen, am Ende zählt das Dranbleiben. Und ich glaube, was uns auch verbindet in der Firma, ist der Bezug zu Inhalten. Wir wollen mit unseren Filmen etwas aussagen und glauben auch, das unterscheidet uns von anderen.

Andrea Simml: Das Instrumentarium aus dem Studium – Position zu beziehen, Zusammenhänge zu verstehen und darzustellen – hilft uns heute für die Profilierung des Unternehmens.

Die Corona-Pandemie hat der Kinolandschaft sicherlich großen Schaden zugefügt. Denken Sie, dass die Besucherzahlen wieder auf das alte Niveau klettern werden? Muss man als junger Regisseur immer auch mitbedenken, dass man auch und vielleicht zunehmend für Streamingdienste produzieren muss?

Jakob Zapf: Wir werden sehen, wie die Kino- Besucherzahlen sich entwickeln. Aber wir leben tatsächlich in einer Zeitenwende. Ob es die viel diskutierte Musealisierung der Kinos wird, kann ich nicht sagen, glaube aber, dass das für viele ein mögliches Modell ist. Dann muss allerdings auch der restliche Filmbetrieb stärker gefördert werden, also Verleih und Produktion.

Tonio Kellner: Die großen besucherstarken Titel des aktuellen Herbsts haben für mich schon gezeigt, dass die Pandemie dem Kino insgesamt bisher wenig anhaben konnte, aber den vielen kleinen und gering budgetierten Kinofilmen leider schon. Neue Abspielorte werden immer wichtiger.

Was sind Ihre nächsten Pläne, gibt es schon weitere Filmprojekte?

Andrea Simml: Wir haben verschiedenste Projekte in der Pipeline, darunter ein großer Kinderfilm und ein historischer Thriller zwischen Franco-Spanien und DDR …

Tonio Kellner: … und diverse weitere Projekte in verschiedenen Entwicklungsstadien: eine düstere Krimi-Reihe und eine große deutsch-französische Thriller-Serie. Und Jakob arbeitet an einer Idee für seinen zweiten Film. Jakob Zapf: Das ist aber noch so früh, dass ich nicht viel dazu sagen kann. Es wird um Männlichkeit gehen. Und um eine unwahrscheinliche Freundschaft – irgendwie wohl mein Thema.

Die Fragen stellte Dirk Frank

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 6/2021 (PDF) des UniReport erschienen.

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