Prof. Werner Mäntele hat ein Gerät zur Online-Messung der Blutgerinnung entwickelt, das kürzlich in einem Kriminalfall die entscheidenden Beweise lieferte.

Prof. Werner Mäntele hat ein Gerät zur Online-Messung der Blutgerinnung entwickelt, das kürzlich in einem Kriminalfall die entscheidenden Beweise lieferte.

Das Landgericht München hat die 35 Jahre alte Hebamme Regina K. wegen versuchter Morde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Den Beweis lieferte das am Institut für Biophysik der Goethe-Universität entwickelte Heparin-Analyseverfahren LiSA-H.

Die Hebamme Regina K. hatte erst in Bad Soden im Taunus und später am Klinikum Großhadern in München Frauen kurz vor dem Kaiserschnitt das Mittel Heparin heimlich in eine Infusionslösung gemischt. Das Mittel hemmt die Blutgerinnung und führte bei allen Frauen zu starken Blutungen. Glücklicherweise überlebten sie durch große Mengen an Blutkonserven; einer Patientin musste in einer Notoperation die Gebärmutter entfernt werden.

Die Hebamme stand bereits längere Zeit unter Verdacht und durfte nach drei Zwischenfällen im Klinikum Großhadern nicht mehr unbeobachtet arbeiten. Dennoch gelang es ihr ein weiteres Mal, Heparin in den Infusionsbeutel zu mischen. Daraufhin ließ ein Arzt die Infusionsbeutel sicherstellen. Das klinikeigene Labor konnte jedoch keinen Heparinnachweis in der restlichen Flüssigkeitsmenge durchführen, ebenso wenig externe Labordienstleister.

„Wir wurden dann vom Direktor der Frauenklinik Großhadern um Amtshilfe gebeten und konnten in allen Infusionsbeuteln signifikante Mengen an Heparin nachweisen. In einigen Fällen gelang es uns sogar, die Konzentration präzise zu bestimmen. Zusammen mit den Dienstplänen der Hebamme Regina K. und den Aussagen ihrer Kolleginnen und Kollegen ist der Indizienprozess gelungen“, erklärt Prof. Werner Mäntele an dessen Institut für Biophysik das Heparin-Analyseverfahren LiSA-H entwickelt wurde.

Mänteles Mitarbeiter Dr. Jürgen Maurer hat die Proben aus München mit großem Engagement untersucht und dem Gericht die Beweise geliefert. Maurer arbeitet seit Mai 2016 bei dem Industriepartner Dr. F. Köhler Chemie in Bensheim und ist dort für die Markteinführung und Weiterentwicklung des Heparin-Messgeräts zuständig. LiSA-H soll künftig bei chirurgischen Eingriffen benutzt werden, um die Blutgerinnung besser zu kontrollieren und unnötige Blutungen zu meiden. „Hoffentlich bleiben Einsätze zum Nachweis von Mordversuchen die Ausnahme“, sagt Mäntele.

Mehr zu den Hintergründen dieses Themas auf faz.net.