Wozu Populismus führen kann: Am 6. Januar 2021 hatte Donald Trump seine Anhänger zum Protest gegen den Amtsantritt des neuen Präsidenten aufgefordert. Daraufhin stürmte der Mob das Kapitol in Washington.

Es gibt ihn von rechts, es gibt ihn von links, aber gibt es ihn auch aus der Mitte der demokratischen Gesellschaft? Vom „Populismus“ ist in diesen Tagen häufig die Rede, aber was genau sich dahinter verbirgt und welche Ausprägungen es gibt, dem wollten Studierende der Goethe-Universität auf den Grund gehen. Die Ergebnisse haben sie in einem sechsteiligen Podcast veröffentlicht.

Wer den Klimawandel leugnet, Migranten die Schuld an Arbeitslosigkeit zuschiebt oder gar an der Grenze auf Frauen und Kinder schießen lassen will, ist nach Meinung vieler Menschen ein Populist. Es gibt populistische Parteien, Bewegungen und Aktionen in den sozialen Netzwerken. Doch was genau macht Populismus aus? Wie wirkt er? Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive ist das alles andere als klar. Im Seminar „Populismus als soziales Phänomen – aktuelle Diskussionen über einen strittigen Gegenstand” haben sich Studierende zusammen mit dem Seminarleiter Dr. Frieder Vogelmann dem Begriff angenähert und dazu einen Podcast produziert.

In sechs Folgen haben sie das Thema aufgefächert und die Teilaspekte in Kleingruppen bearbeitet. Sie haben sich mit Literatur beschäftigt und Interviews mit einschlägig Forschenden geführt. Das Ergebnis ist nachzuhören unter https://anchor.fm/podcasting-populism, wöchentlich wird eine Folge hochgeladen.

Ist der Populismus Sargnagel des demokratischen Zusammenlebens oder ein Korrektiv für in die Jahre gekommene Demokratien? Diese sehr grundsätzliche Frage schwebt über den sechs Beiträgen, in denen es zum Beispiel um das Verhältnis von Populismus und Demokratie, um Populismus auf Social Media, um Abstiegsängste, „Querdenken“ geht. Gesprächspartner in der ersten Folge ist unter anderem Prof. Dr. Dirk Jörke vom Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt. Die Soziologin und Politikwissenschaftlerin Verena Stern beantwortet in der zweiten Folge Fragen zum Spannungsfeld der Corona-Demos („Zwischen Existenzängsten, Freiheitsideologien und Verschwörungsmythen“) und spricht über ideologische Allianzen und die Handlungsoptionen der Politik. 

In der dritten Folge des Podcasts werden Paradoxien des Populismus diskutiert und die Frage erörtert, ob es sich um Tatsachen oder Mythen handelt. Die vierte Folge ist der sozialräumlichen Perspektive gewidmet: Gibt es „Geographien des (Rechts-)Populismus? Folge Nummer fünf beleuchtet das Phänomen, dass die etablierten Parteien während der Corona-Krise an Zustimmung gewonnen haben. Bedeutet das zugleich einen Rückzug des Populismus? Und wie wäre das zu erklären? Populismus ist gewiss kein neues Phänomen, aber wie sieht die moderne Erscheinungsform in Zeiten der Digitalisierung aus? Darum geht es in der sechsten und letzten Folge von Podcasting Populism: Wie agieren Populistinnen und Populisten in sozialen Medien? Welche Strategien verwenden sie, um ihre Standpunkte unter die Menschen zu bringen?

80 Studentinnen und Studenten haben am Seminar teilgenommen, es gab verschiedene Möglichkeiten des Leistungsnachweises. Unter den 20 Studierenden, die sich dafür entschieden haben, zusätzlich zur Seminararbeit eine Podcastfolge zu produzieren, war auch Edith Schönig, die den Masterstudiengang internationale Beziehungen absolviert. „Die Inhalte in einem Podcast zu erarbeiten, das war sehr kreativ und hat viel Spaß gemacht“, sagt die 24-Jährige. Natürlich habe sie viel über Populismus gelernt – zum Beispiel, dass er nicht zwangsläufig undemokratisch sei –, aber dazu auch noch Gesprächsführung und Schnitttechnik.

Link zum Podcast: https://anchor.fm/podcasting-populism