Das Start-up »STIL BRUCH« bietet Freunden der hochwertigen Bohne spezielle Geschmacksrichtungen, die nachhaltig produziert werden.

Eigentlich der Traum eines jeden Kaffeeliebhabers: eine Mischung, die genau den geschmacklichen Präferenzen folgt; ein individueller Blend, zudem noch nachhaltig produziert. Ein Frankfurter Start-up macht nun diesen Traum wahr. Und das Erstaunliche: Es ist das erste auf dem seit Jahren bereits wachsenden Markt der Speciality Coffees, das spezielle Kundenwünsche berücksichtigen kann.

„Wir sind riesige Kaffeefans“, betonen Florian Gloger und Clemens Schumm, zwei Studenten der Goethe-Universität und Mitglieder des siebenköpfigen Gründerteams von „STIL BRUCH“. Ein Start-up zu dem immer beliebteren Wachmacher war daher für die beiden ein Herzenswunsch. Doch am Anfang stand die Frage, wie man mit einem nachhaltigen Produkt, das sozial und ökologisch verträglich hergestellt und vertrieben wird, neue Kunden gewinnen kann? „Wirft man einfach nur den nächsten Fair-Trade-Kaffee auf den Markt, verdrängt man damit nur andere Anbieter und erhöht damit keineswegs die Gesamtmenge verkaufter nachhaltiger Produkte“, erklärt Florian Gloger, Student der Wirtschaftswissenschaften. Die Idee reifte für ein ganz neues Produkt: Wie wäre es mit einer Kaffeemischung, die sich der Kunde selber zusammenstellen kann? Da die möglichen Kombinationen von Geschmackseigenschaften zu komplex sind, um daraus mit analogen Mitteln eine Formel zu entwickeln, bedurfte es einer Software, die aus bis zu 30 Millionen potenziellen Mischungen eine konfiguriert, die auch dem Kunden zusagt. „In unserem Team haben wir Informatiker, Ökonomen, Psychologen und Biowissenschaftler – diese Interdisziplinarität ist ein großer Vorteil, um anspruchsvolle Lösungen zu entwickeln“, betont Gloger. Denn die Expertise ist auch in anderen Bereichen gefragt. Wie agieren beispielsweise Röstereien auf dem Markt, mit welchen kann man zusammenarbeiten? Wie schafft man es, gegen das Image, Blends seien nur „Resteprodukte“, erfolgreich anzukämpfen? STIL BRUCH kooperiert heute mit lokalen Röstereien; die unter anderem auf dem Campus Westend ansässige Kaffeerösterei Hoppenworth & Ploch stand dem Start-up dabei mit Rat und Tat zur Seite.

Clemens (l.) und Florian beim Kaffeetest. (Foto: STIL BRUCH)

Gloger und Schumm sind bereits erfahrene Existenzgründer: Mit „Green Grubs“, einem Projekt zur Herstellung von proteinreichem Tierfutter, haben sie bewiesen, wie man Ökologie und Ökonomie auf kreative Weise verbinden kann. Was nicht bedeutet, dass die ersten Schritte mit STIL BRUCH komplett ohne „Ruckeln“ vonstattengegangen wären. Eine GbR zu gründen, sei manchmal schon ein wahrer Spießrutenlauf von Amt zu Amt.

„Aber so ist das immer mit neuen Ideen und ihrer Umsetzung“, lacht Florian Gloger. Die Erfahrungen mit Green Grubs waren bei der Konzeption des neuen Start-ups sehr wertvoll, berichtet er; bevor man mit STIL BRUCH an die Öffentlichkeit gehen wollte, überzeugte man sich davon, ob die Prozesse auch funktionieren. „Die Kommunikation mit der Werkstatt, die Abwicklung des Einkaufs – dies alles musste erst geprüft werden. Und seit zwei Wochen kann man ganz offiziell über unsere Website Kaffee einkaufen“, sagt stolz Clemens Schumm, der Biowissenschaften studiert. Die Corona-Krise habe dem Projekt kaum geschadet, Teambesprechungen werden virtuell abgehalten. Die Nachfrage nach hochwertigem Kaffee wird zunehmen, davon sind die Gründer überzeugt. Den erfolgreichen Abschluss ihres Studiums behalten aber beide im Blick. Und hoffen gleichzeitig darauf, dass sich mit STIL BRUCH irgendwann auch mal berufliche Perspektiven ergeben.

Website von STIL BRUCH: https://stilbruch.coffee
Mehr zum Projekt »Green Grubs« im UniReport: http://tinygu.de/dtq9

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 5.20 des UniReport erschienen.