Die deutsche Delegation nach der offiziellen Eröffnungsfeier; Foto: privat

Mira Gunkel, Studentin der Erziehungs- und Sportwissenschaften an der Goethe-Uni, über ihre Teilnahme an der „Session for Young Participants“ der internationalen Olympischen Akademie (IOA) in Olympia, Griechenland. An dem zweiwöchigen Seminar-, Kultur- und Sportprogramm nahmen insgesamt rund 200 junge Erwachsene aus aller Welt teil und tauschten sich zu aktuellen Themen der Olympischen Bewegung aus. 

Die Deutsch-Olympische Akademie kenne ich seit Juni 2017, als ich in der Funktion des Volunteer den „Olympic-Day“ mitgestalten durfte. Bereits kurze Zeit später bekam ich die Chance, mit einer Gruppe von Frankfurter Sportstudenten am „Sportwissenschaftlichen Olympiaseminar“ an der Internationalen Olympischen Akademie in Olympia, Griechenland, teilzunehmen. Ich verbrachte dort eine großartige Zeit und kann rückblickend festhalten, dass ich mich spätestens zu diesem Zeitpunkt der Olympischen Bewegung zugehörig fühlte.

Aufgrund dessen stand für mich fest, erneut an die IOA zurückkehren zu wollen und ich bin sehr dankbar, dass ich als Repräsentantin und Teil der deutschen Delegation bei der „Session for Young Participants“ diese Chance schon sehr bald ergreifen konnte. Die „Session for Young Participants“ ist eine zweiwöchige Veranstaltung, zu deren Zweck sich 200 Repräsentantinnen und Repräsentanten aus aller Welt zusammenfinden, um sich „aktuellen Tendenzen und zentralen Fragen der Olympischen Bewegung“ zu widmen.

Ich hatte die Session bereits in den Jahren zuvor verfolgt, weshalb für mich schon früh feststand, mich in diesem Jahr ebenfalls dafür zu bewerben. Umso mehr freute es mich natürlich, als ich dann die Einladung zum Auswahltag in den Räumen der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) in meinem E-Mail Postfach entdeckte. Darin bekam jeder ein Thema für eine Präsentation zugeteilt.

Beim Auswahltag selbst konnte ich dann die anderen möglichen Mitreisenden kennen lernen und einen Tag später erreichte uns schon die Nachricht über den positiven Bescheid, was die Vorfreude von nun an kontinuierlich steigen ließ. Ein paar Wochen später trafen wir samt Gepäck in den Räumen der DOA ein, um die letzten hilfreichen Informationen zu erhalten. Traditionell reisen die Teilnehmer der deutschen Delegation schon einen Tag vorher an, um in Ruhe in Athen anzukommen und die Athener Plaka zu entdecken.

Am folgenden Tag brachen wir nach dem Frühstück auf, um zu den anderen Teilnehmern der Session zu stoßen. Durch länderspezifische Kleidung und Ausrüstung konnte man die meisten Teilnehmer sofort ihren Ländern zuordnen und die ersten Kontakte knüpfen. Nach einer weiteren Stadterkundung in Begleitung neuer Bekanntschaften wurde der Tag ruhig mit einem Abendessen im Hotel beendet. Am nächsten Tag brachen wir früh zu einer Stadttour auf, um die Akropolis, das Akropolis-Museum und das Panathinaiko-Stadion besichtigen. Da es im Lauf des Tages leider immer wieder zu starken Regengüssen kam, musste die offizielle Eröffnungsfeier vom Hügel des Pnyx in die Megaron Athens Concert Hall verlegt werden.

Die deutschen Teilnehmer beim Olympic Day Run in Olympia; Foto: privat

Wirklich beeindruckt waren wir dann alle, als der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos der Zeremonie beiwohnte. Nach einem Gala-Dinner und anschließender Party inklusiver vieler internationaler Tänze brachen wir am folgenden Tag früh auf, um nach einem Stop an dem berühmten Orakel von Delphi, die Internationale Olympische Akademie anzusteuern. Meine Zimmerpartnerin war für die folgende Zeit Maria aus Singapur, die als eine der ältesten Teilnehmerin, in ihrer Heimat als Sportlehrerin arbeitet. Ich habe sie durchweg als sehr angenehme und motivierte Person erlebt, die mich das ein oder andere Mal auch zum Frühsport animierte, den ich ansonsten wohl verschlafen hätte.

Am Tag nach unserer Ankunft fand die offizielle Eröffnungsfeier im Vorlesungsaal statt und jeder Teilnehmer und jeder Koordinator wurde persönlich willkommen geheißen. Danach wurde die Zeremonie an die Säule Pierre Coubertains verlegt und ihm zu Ehren ein Kranz niederzulegen und einige Worte zu sprechen. Direkt im Anschluss folgte die erste von insgesamt 11 Vorlesungen, zum Thema der diesjährigen Session. Der Titel „The Athlete as a Role Model“ wurde in den folgenden Vorlesungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und hinterfragt.

Hier machte es für mich einen bedeutenden Unterschied, ob die Vorlesung vom zuvor ausgeteilten Skript gelesen oder tatsächlich vorgetragen wurde. Von besonderem Interesse, war für mich vorallem der Vortrag von Mr. Dr. Ian Brittain (GBR) der die Vorbildfunktion von paralympischen Athleten beleuchtete. Mit dieser Thematik hatte ich mich bereits eingehend in meiner Bachelorarbeit zum Thema „Wie muss Sport beschaffen sein, um einen Beitrag zur Inklusion leisten zu können“ und während der Vorbreitung auf meinen Vortrag „Sind die paralympischen Spiele, die ‚besseren‘ Spiele“ beschäftigt.

Aber auch die Vorlesung von Mr. Kipchoge Keino (KEN), der uns von seiner Stiftung berichtete – ein Bereich, an der „Schnittstelle“ zwischen Sport und Erziehung, den ich sehr gut auf meine bisherige theoretischen und praktischen Erfahrungen beziehen konnte – hatte für mich entsprechenden Mehrwert. Nach einer Diskussion im großen Rahmen, kamen wir im Anschluss meist in Kleingruppen zusammen, um uns zum Thema der diesjährigen Session weiterführende Fragestellungen zu überlegen und diese in einer Ausarbeitung zu verschriftlichen. Ich habe die Zeit mit meiner Gruppe inklusive der Koordinatoren sehr genossen, da wir uns von Anfang an gut verstanden haben und sich die Arbeit durchweg nicht wie solche anfühlte.

Neben den bereits angesprochenen Vorträgen haben einige Teilnehmer der Session, über ihren Weg als Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Spielen berichtet. Es war äußerst beeindruckend so direkt zu erfahren, was Sport an sich, sowie in allen angrenzenden gesellschaftlichen Bereichen leisten kann.

Koordinatoren aus Mexiko, Griechenland, Frankreich und Mira Gunkel beim abendlichen Fußballspiel; Foto: privat

Nach viel inhaltlichem Input stand am Abend meistens eine Sporteinheit in einer zuvor gewählten Individual-oder Teamsportart an. Die Teams wurden nach zuvor angegeben Fähigkeiten eingeteilt und traten im K.o.-Verfahren gegeneinander an.

Ich habe mich für Fußball entschieden und empfand die abendlichen Matches als einen wichtigen und spaßigen Ausgleich zu dem inhaltlichen Programm, auf den ich beinahe den ganzen Tag hin fieberte. Leider fielen die mehrfach angepriesenen „Finals“ aufgrund des anhaltenden Dauerregens buchstäblich ins Wasser und auch ein geplantes „Track and Field“-Event konnte nicht stattfinden.

Ein kleiner Trost war dabei der „Olympic Day“- Run den wir zu Ehren des „Olympic Day“ mit einigen Bewohnern von Olympia bestritten. Der Rest feuerte tatkräftig an und der Bürgermeister teilte uns daraufhin sogar Urkunden aus. An drei Abenden wurden sogenannte „Social Evenings“ veranstaltet. Dafür sollte jedes Land einen „länderspezifischen“ Beitrag vorbereiten und den anderen vorstellen. Dabei wurde deutlich, dass sich die meisten Länder schon lange im Vorfeld Gedanken gemacht und dementsprechend auch viele nationale Köstlichkeiten, Souvenirs und Dekorationen mit im Gepäck hatten.

Nach der Halbzeit der Session stand ein Strandtag an, den ich persönlich unglaublich genossen habe. Es machte sich bemerkbar, dass das Meer und die gesamte Atmosphäre allen gut tat. Nach Rückkehr wurde dieser Tag wie so viele bei „Zorbas“ in Olympia beendet. Entgegen unseren Wünschen, fanden die zwei Wochen dann auch schon ihr Ende und im Rahmen einer traditionellen Abschlussfeier wurde jedem Teilnehmer das Zertifikat überreicht und verschiedene Abschlussreden gehalten.

Am nächsten Tag brachen wir nach Athen auf, um dort einen letzten Tag zu verbringen. Ich durfte diesen mit neu gewonnen Freunden auf einer Rooftop Bar verbringen, um die „Session“ gebührend abzuschließen. Inzwischen bin ich seit ein paar Wochen zurück und habe das Gefühl noch immer nicht richtig zurückgekommen zu sein. Ich habe eine unglaubliche Zeit verbracht und kann nun wahrhaftig sagen, mich als Teil der Olympischen Familie zu fühlen.

Was bleibt noch zu erwähnen? Ich bin nun Mitglied der International Olympic Academy Participants Association (IOAPA) und möchte mehr und mehr in die olympische Bewegung integriert werden. Die nächsten Reisen mit und zu Teilnehmern der „Session“ sind bereits geplant.

[Autorin: Mira Gunkel]