Blick vom Campus Westend aufs Bankenviertel - eins der großen Forschungsfelder der Wirtschaftswissenschaftler. Foto: Uwe Dettmar

Blick vom Campus Westend aufs Bankenviertel – ein großes Forschungsfeld der Wirtschaftswissenschaftler. Foto: Uwe Dettmar

Die Banken und die Wirtschaftswissenschaften – das gehört in Frankfurt einfach zusammen. Wir stellen den Fachbereich 02 mit einem Kurzporträt vor.

Die unmittelbare Nachbarschaft von Campus Westend und Banktürmen – auch zu zwei Zentralbanken mit großen Forschungsabteilungen – ermöglicht viele Forschungskooperationen und Einsatzmöglichkeiten für Studierende und Absolventen. Gleichzeitig ist die Expertise der Frankfurter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefragt, wenn es darum geht, aus der Finanzkrise zu lernen und Politiker entsprechend zu beraten.

Dies geschieht vor allem im Rahmen des LOEWE-Forschungszentrums SAFE, in dem Wirtschaftswissenschaftler und Rechtswissenschaftler gemeinsam mit Soziologen, Informatikern und Mathematikern erforschen, wie die Anforderungen an einen optimalen Ordnungsrahmen für die europäischen Finanzmärkte aussehen müssten. Seit dem Start von SAFE im Januar 2013 konnten fünf neue Professoren und fünf Juniorprofessoren für den Fachbereich gewonnen werden, die seitdem nicht nur das Forschungsprofil, sondern auch das Lehrangebaut substanziell erweitert haben. Dass Forschung und Lehre nicht für den Elfenbeinturm, sondern für die Praxis gedacht ist, liegt auf der Hand. Bei SAFE ist der Kontakt zur Politik über das „Policy Center“ organisiert. Aber auch sonst ist Politikberatung dem Fachbereich ein wichtiges Anliegen: Etliche Forschern beraten Ministerien und Regulierungsbehörden auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene. Mit Volker Wieland gehört ein Professor des Fachbereichs sogar zu den „fünf Wirtschaftsweisen“, dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem die Bundesregierung ihr Ohr schenkt.

Jung und international

Beim Gang durch die Gebäude hört und sieht man: Hier forschen, lernen und lehren Menschen aus vielen Nationen. Immer mehr Professoren aus dem Ausland bereichern den Fachbereich mit wertvollen Forschungs- und Lehrerfahrungen aus internationalen Universitäten. Die erfolgreiche Akkreditierung des Fachbereichs bei der Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) hat als Türöffner für internationale Kooperationen große Bedeutung: Sie gilt als Gütesiegel für einen permanenten Evaluierungs- und Qualitätssicherungsprozess nach internationalen Standards.

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften ist nicht nur sehr international aufgestellt, sondern auch recht jung; der Großteil der Professoren ist zwischen 30 und 50 Jahre alt. Viele – gerade auch jüngere – internationale Wissenschaftler konnten für Frankfurt gewonnen werden, gezielt rekrutiert auf dem internationalen wirtschaftswissenschaftlichen „Job Markt“. „Wirtschaftswissenschaften sind eine internationale Disziplin“, sagt Dekan Prof. Andreas Hackethal, „und wir gehen gezielt auf die Suche nach Talenten, die schon früh demonstriert haben, dass sie spannende Fragestellungen auf methodisch höchstem Niveau angehen und diese auch in die Wissenschaftsgemeinschaft hinaustragen können.“ Und die jungen Wissenschaftler kommen gerne und bewusst an den Fachbereich“, sagt Dr. Antje Judt, die Geschäftsführerin des Dekanats: „Einer der Gründe, der die Goethe-Universität für Wirtschaftswissenschaftler attraktiv macht, ist, dass unser Fachbereich, wie in den USA üblich, in Abteilungen – Departments – organisiert ist, in denen die Forscher nicht für sich allein, sondern gemeinsam mit ihren Kollegen an spannenden Fragestellungen arbeiten.“

Am Fachbereich forschen und lehren derzeit mehr als 60 Professoren, Juniorprofessoren und Seniorprofessoren. Die enge Verbindung zwischen betriebswirtschaftlichem und volkswirtschaftlichem Denken, die besondere Pflege theoretischer Analyse und empirischer Forschung sowie die Offenheit für ein breites Spektrum praktisch und gesellschaftspolitisch relevanter Fragestellungen sind dabei Grundmerkmale, die die wirtschaftswissenschaftliche Forschung an der Goethe-Universität ausmachen.

„Wir leisten auch viel Aufbauarbeit, sei es durch Doktorandenprogramme, sei es durch gezielte Besetzungen und Förderungen von W1-Professoren. Dass unsere Aufbauarbeit erfolgreich ist, sehen wir auch daran, dass diese Wissenschaftler später oft Top-Rufe anderer Universitäten bekommen“, erzählt Prof. Michael Kosfeld, der Dekansbeauftragte für Forschung im aktuellen Dekaneteam.

Großer Fachbereich mit Wohlfühlfaktor

Studierende im Gespräch mit Studieninteressierten beim GoWiWi-Infotag. Foto: Uwe Dettmar

Studierende im Gespräch mit Studieninteressierten beim GoWiWi-Infotag. Foto: Uwe Dettmar

Der Fachbereich gehört heute zu den größten in Deutschland – mit hohem Wohlfühlfaktor. Das zeigen die regelmäßig erhobenen Umfragen zur Zufriedenheit der Studierenden mit ihrem „Wiwi-Studium“. Und er ist ein Magnet für Studierende: Im Sommersemester 2015 studieren 5000 junge Frauen und Männer Wirtschaft an der Goethe-Universität. Auf der Basis eines breiten und tiefen Methodenwissens bietet der Fachbereich in sechs Master-Studiengängen Vertiefungen zum Bachelor an. Im Fokus aller Studiengänge steht die Vermittlung moderner quantitativer Methoden für Theorie und Empirie. Das Besondere daran ist der hohe Anwendungswert für Karrieren in der Privatwirtschaft, in öffentlichen Institutionen und in der Wissenschaft.

Das Bachelorstudium ist in erster Linie von Vorlesungen, Übungen und Tutorien geprägt. Masterstudierende profitieren von kleineren Gruppen und mehr Forschungsnähe. „Aber auch für die Bachelorprogramme gilt, dass unsere Forschungsergebnisse unmittelbar in die Lehre einfließen, dass wir gerade in der zweiten Studienhälfte kleinere Gruppengrößen erreichen und über viele clevere Services eine erfolgreiche Lernreise für die Studierenden gewährleisten“, betont Dekan Hackethal.

Die Größe des Fachbereichs erfordert eine professionelle und gut strukturierte Selbstverwaltung. Auf Abteilungsebene wählen die Wissenschaftler turnusmäßig einen Sprecher aus ihrem Kreis. Die Sprecher wiederum bilden das Strategiekomitee, das den Dekan berät und bei wichtigen Fragen vorab ein Stimmungsbild aus dem Fachbereich einholen kann, bevor der Fachbereichsrat einen endgültigen Beschluss trifft. Das eigentliche Dekaneteam setzt sich neben dem Dekan aus dem Studiendekan, dem Prodekan für Internationale Angelegenheiten sowie den Dekansbeauftragten für Forschung, für Finanzen und für Studienfragen zusammen.

Um die Organisation des Fachbereichs kümmert sich das in elf Geschäftsbereiche unterteilte Dekanatsteam unter der Leitung von Antje Judt. „Im täglichen Miteinander wird unsere starke Internationalisierung dabei manchmal durchaus zur Herausforderung“, weiß Judt zu berichten. „Wenn Wissenschaftler aus dem Ausland auf deutsche Verwaltungsprozesse treffen, ist das nicht immer einfach. Viel wird dadurch abgefangen, dass sich die Mitarbeiter an den Professuren und im Dekanat vernetzen und gegenseitig unterstützen – diese Hilfsbereitschaft zieht sich durch den ganzen Fachbereich.“

Gefeiert wird natürlich auch: Seit 2012 lädt der Fachbereich traditionell im November zum Dies Academicus ein, um ausgezeichnete Forscher und die besten Lehrenden zu ehren, verdiente Kollegen zu verabschieden, neue zu begrüßen und den 13 studentischen Initiativen und deren Engagement eine feierliche Plattform zu bieten. „Im Jubiläumsjahr der Goethe-Universität 2014 haben wir das erstmals mit einer für alle Mitglieder des Fachbereichs offenen Alumniparty unter dem Motto ‚Reconnect – coming home‘ verbunden“, erzählt Hackethal. „Das war ein so großer Erfolg, dass wir für dieses Jahr eine Wiederauflage planen.“

Fachbereich 02 auf einen Blick

  • 65 Professuren, davon 13 Juniorprofessuren, 4 Seniorprofessuren
  • Zirka 5.000 Studierende, davon etwa 1.000 Ausländer
  • Leibniz-Preisträger: Prof. Roman Inderst (2010)
  • Nobel-Preisträger: Prof. Reinhard Selten (1994)

Das House of Finance bündelt mehrere interdisziplinäre Forschungs- und Weiterbildungsaktivitäten im Bereich der Finanzwirtschaft und des Finanzrechts an der Goethe-Universität. Aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften befinden sich im House of Finance die Abteilungen Finanzen und Geld und Währung. Darüber hinaus beherbergt das House of Finance die folgenden Institutionen, die entweder Einrichtungen der Goethe-Universität sind oder sogenannte An-Institute:

Forschung

  • LOEWE-Zentrum SAFE („Sustainable Architecture for Finance in Europe“)
  • Center for Financial Studies
  • E-Finance Lab
  • Institute for Monetary and Financial Stability
  • International Center for Insurance Regulation

Studium

  • 2 Bachelor-, 6 Masterstudiengänge, 1 Part-Time-Master in Finance (Goethe Business School)
  • Enge Kooperationen mit fast 100 Universitäten weltweit

Graduiertenprogramme

  • Graduate School of Economics, Finance, and Management
  • Ph.D/Doctorate Program Law and Economics of Money and Finance

Weiterbildung

  • Goethe Business School
  • Institute for Law and Finance