Von der Schwanheimer Düne bis zum Hogwarts-Express. Das Schreibzentrum der Goethe-Uni veranstaltete unter dem Stichwort #schreiborte erstmalig einen Fotowettbewerb, bei dem nicht nur studentische Schreibräume sichtbar wurden.

Vor dem Schreiber liegen Bücher, Papier und Stift auf einem Holzsteg, der das ockerfarbene Gras durchschneidet wie eine Brücke das Meer. Mit einem stimmungsvollen Bild aus dem Frankfurter Naturschutzgebiet „Schwanheimer Düne“ konnte Nico Linde die meisten Stimmen aus dem Team des Schreibzentrums für sich gewinnen. Er ist damit einer von gleich drei Gewinnern des ersten Fotowettbewerbs des Schreibzentrums.

© Nico Linde

#schreiborte / Das Gewinnerbild kam von © Nico Linde

Worüber man schreibt, hängt vom Einzelnen und der jeweiligen Schreibaufgabe ab. Die fertigen Texte verraten in der Regel jedoch nichts über die Orte, an denen sie entstanden sind, oder über die konkreten Bedingungen beim Schreiben. Genau diese wollte das Schreibzentrum jedoch durch einen Fotowettbewerb zum Thema Schreiborte sichtbar machen.

An alltäglichen Orten wie dem heimischen Schreibtisch, Wohnzimmer oder Bett, über Bibliotheken bis hin zu Bars, britischen Pubs und Hängematten im Wald – überall wird geschrieben. Und obwohl zur Teilnahme am Wettbewerb lediglich die Einsendung von Bildern nötig war, nutzten einige Teilnehmerinnen den Aufruf als Schreibimpuls und fügten ihren Bildern Kurzgeschichten bei, die zeigen, wie eng die eigenen Schreiborte mit den Autor*innen verknüpft sein können.

So wie im Beispiel einer Teilnehmerin, die in Hanoi einen „Hogwarts-Express“ bestieg und sich von ihm durch Südostasien tragen ließ. „Alles ist ein wenig in die Jahre gekommen, dunkles schäbiges Holz, braune Blümchengardinen aus den Siebzigern und an der Wand krabbelt hin und wieder eine Kakerlake entlang. Dazu ruckelt es wie verrückt, aber ich möchte trotzdem schreiben, denn ich war wahrscheinlich selten so glücklich wie in diesem Moment.“

Die zweite Siegerin zeigte uns die George Tavern in London als ihren Lieblingsschreibort, wo rustikales Interieur und gelegentliche Livemusik sie zum Schreiben inspirieren. Wer das einmal selbst erleben möchte, sollte sich beeilen: Die George Tavern läuft Gefahr, dem „Immobilienwahnsinn“ der britischen Hauptstadt zum Opfer zu fallen, wie die Teilnehmerin mitteilt.

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#schreiborte / George Tavern in London

Wem London zu weit weg ist, setzt in Sachen Schreibumgebung häufig auf den heimischen Garten oder Balkon. So wie die Urheberin des dritten Siegerfotos, die – ganz klassisch – den heimischen Schreibtisch bevorzugt.
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#schreiborte / heimischer Schreibtisch mit Peperonipflänzchen

Eine Teilnehmerin beschreibt die Attraktion ihres Arbeits- und Schreibplatzes folgendermaßen:

„Mein Lieblingsschreibort ist, das mag seltsam klingen, mein Büroschreibtisch. Ich arbeite in einem Großraumbüro zusammen mit kleinsten und kleineren Unternehmen, die sich eine Fabriketage teilen. Die Atmosphäre ist für mich anregend, weil ich hier Gewohntes mit einer Prise Anonymität finde. Denn oft sind Praktikant*innen, Volontär*innen oder freie Mitarbeiter*innen da, die zu viel Heimeligkeit pulverisieren. Bibliotheken mag ich aus diesem Grund auch gerne, aber im eigenen Büro kann ich telefonieren, wenn es nötig ist, oder mir den dritten, vierten oder fünften Kaffee auf den Tisch stellen. Ach so, ich arbeite als Texterin, Autorin, Lektorin. Das Foto habe ich absichtlich überbelichtet, denn die Büroluft scheint mir luzid und klar und ein guter Stimulus für meine Gedanken. Dass ab und zu ungefragt Gäste vorbeischauen, stört mich übrigens nicht im Geringsten…“

Für das Schreibzentrum der Goethe-Universität hat sich der Fotowettbewerb als effektive Möglichkeit erwiesen, die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit zu erhöhen: „Die Idee des Fotowettbewerbs hat vielen Teilnehmenden gefallen. Wir waren von der Anzahl der Einsendungen über Frankfurt und Deutschland hinaus positiv überrascht“, resümiert Dr. Florian Durst, einer der Organisatoren des Wettbewerbs. Er ist sich sicher: „Das wird nicht der letzte Fotowettbewerb des Schreibzentrums gewesen sein.“

Weitere Einsendungen:

© Daniela Müller

© Daniela Müller

© Isabelle Polanco-Bertram

© Isabelle Polanco-Bertram

© Stephanie Jäckel

© Stephanie Jäckel

© Fritz Iversen

© Fritz Iversen

© Stefanie Pohle

© Stefanie Pohle

© Stefanie Pohle

© Stefanie Pohle

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4-2016 des UniReport erschienen [PDF].