Dr. Sybille Küster (l.) und Anja Schenk mit der Studie der Forschungsstelle Science Connect der European Science Foundation (ESF).

In Deutschland schließen so viele Absolventen eine Promotion ab wie in keinem anderen europäischen Land. In jüngster Zeit mehren sich die Stimmen, die meinen, Deutschland „produziere“ zu viele Promovierte. Ob unsere Wirtschaft und Gesellschaft diese Hochqualifizierten überhaupt braucht und aufnehmen kann? Welche Vorteile bietet eine Promotion eigentlich für einen erfolgreichen Einstieg in den Job?

Unter anderem dieser Frage widmet sich eine aktuelle Studie der Forschungsstelle Science Connect der European Science Foundation (ESF). Sie zeigt, dass eine Promotion an der Goethe-Universität – durch GRADE begleitet – optimal auf den Berufseinstieg vorbereitet und die Chancen für einen erfolgreichen Start im Job erhöht.

Die ESF hat, gemeinsam mit einer Reihe anderer europäischer Forschungseinrichtungen, darunter die TU München, die Goethe-Universität und die Maastricht University, rund 2000 Absolventen, die ihre Promotion zwischen 2010 und 2016 abgeschlossen haben, befragt: In welchem Bereich arbeiten Sie seit Abschluss Ihrer Promotion? Wie hilfreich war die Promotion für einen reibungslosen Einstieg in den Job?

GRADE-Alumni sind sich einig: Wir würden wieder promovieren

Fast 95 Prozent der befragten GRADE-Absolventen geben an, dass die Promotion entscheidenden Einfluss auf ihren Karriereweg hat, und über 85 Prozent würden sich wieder für eine Promotion entscheiden, wenn sie die Wahl hätten. So hat der erlangte Doktortitel bei mehr als Dreiviertel der Promovierten den Einstieg in den Job grundlegend erleichtert und nach einem Jahr hatten 99 Prozent der Befragten in der Arbeitswelt Fuß gefasst. Hierbei war es unerheblich, ob es sich um eine Tätigkeit im Forschungsumfeld oder einen Beruf ohne Forschungstätigkeit handelt.

Blick auf Berufsperspektiven schon während der Promotion schärfen

Während der Orientierungsphase nach Abschluss der Promotion findet sich die Mehrheit der Befragten (56 Prozent aller Teilnehmenden, unter den GRADE-Absolventen sogar 70 Prozent) zunächst im beruflichen Umfeld der Universitäten wieder. Dieses Bild ändert sich jedoch innerhalb weniger Jahre nach der Promotion, wenn die Mehrheit der Promovierten das universitäre Forschungsumfeld verlässt.

Besonders unzufrieden zeigen sich die Befragten mit dem eher niedrigen Gehaltsniveau und dem Mangel an unbefristeten Stellen und damit verbundener Zukunftssicherheit, auch wenn ansonsten das wissenschaftliche Arbeitsumfeld als sehr attraktiv bewertet wird. Die Chance, eine Professur oder eine andere Dauerstelle zu erlangen, ist gering und langfristig verbleiben lediglich 4 Prozent der derzeit Promovierenden fest angestellt in der Forschung.

Hier zeigt sich, dass schon während der Promotionsphase realistische Berufsvorstellungen und mögliche alternative Karrierewege aufgezeigt werden müssen. Dieser Punkt hat im Qualifizierungs- und Vernetzungsangebot von GRADE einen hohen Stellenwert.

Kompetenzen versus Anforderungen

Die Studie belegt klar, dass die befragten GRADE-Alumni den Anforderungen des Arbeitsmarktes mit den während der Promotion erworbenen Kompetenzen standhalten. So wurde deutlich, dass zu Jobbeginn unter anderem in den Bereichen Problemlösungsfähigkeit, Teamarbeit, Flexibilität, kritisch-analytisches Denken, Methodik sowie bei den Sprachkenntnissen die erworbenen Kompetenzen mit den durch die Arbeitgeber gestellten Anforderungen nahezu deckungsgleich sind.

Defizite konstatieren die Befragten bei sich selbst, wenn es um ihre im neuen Arbeitsumfeld geforderten Fähigkeiten im Projektmanagement, in der effektiven Kommunikation und im Bereich des Netzwerkens geht. Hier wird GRADE sein Angebot der Professional Skills noch weiter den Anforderungen anpassen und entsprechend ausbauen.

Mit GRADE-Qualifizierungsprogramm effizient im Job

Den Nutzen der GRADE-Services für die eigene Karriere beurteilen die befragten GRADE-Alumni positiv. Besonders herauszustellen sind hier sowohl die angebotenen Workshops als auch die GRADE-Initiativen (selbstorganisierte DoktorandInnen und PostdoktorandInnen- Arbeitsgruppen) und das Individuelle Coaching.

Hier waren fast alle Befragten der Meinung, dass diese Services sie äußerst gut auf ihren Berufseinstieg vorbereitet haben. Die Ergebnisse der Studie sollen jetzt als Grundlage dienen, das Qualifizierungsangebot für Promovierende und Postdocs innerhalb von GRADE weiter auszubauen und noch mehr an die Bedürfnisse der Teilnehmenden anzupassen.

So will GRADE u. a. intensiver die Karrieremöglichkeiten, insbesondere auch außerhalb der Wissenschaft, aufzeigen, um die rund ein Drittel der Absolventen zu sensibilisieren, die zu Beginn ihrer Promotionsphase unklare Vorstellungen von Berufsfeldern und Karrierechancen haben. In diesem Prozess ist auch zu berücksichtigen, dass die Befragten weder die Universität noch das CareerCenter oder ihren direkten Supervisor als vorrangige Anlaufstelle für den Prozess der Berufsorientierung sehen.

Insgesamt konnten sich die befragten Promovierten mit Unterstützung der GRADE-Services gut im Arbeitsmarkt platzieren und geben an, eine hohe Zufriedenheit durch eine ausgeglichene Work-Life-Balance erreicht zu haben – in Berufen mit und ohne Forschungstätigkeit.

[Autorin: Constanze Merle]

Die vollständige Studie finden Sie auf der Webseite von ESF-Science Connect als
PDF zum Download
Homepage: www.grade.uni-frankfurt.de

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1.18 (PDF-Download) des UniReport erschienen.