Juschka Dirr, Pfarrer Joachim Braun, Julia Horn und Christian Böing (v. l.). Foto: Gärtner

In den Glaubenskursen der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) auf dem Campus Westend bereiten sich junge Erwachsene auf ihre Firmung vor.

Für Juschka Dirr (26) ist es immer noch ein seltsames Gefühl. Seit ein paar Wochen erst gehört sie dazu. Sie ist nun Teil der katholischen Kirche und damit ganz offiziell bekennende Christin. „Es ist merkwürdig, denn früher hatte ich nie das Gefühl, dass das zu mir passen könnte“, lacht sie.

Doch früher waren da die Eltern, die sie nicht haben taufen lassen, um ihr die Wahl der Religion freizustellen. Früher war da auch die Oma, die das nicht gerne sah und Druck machte. Nun ist da ein fest im Glauben verankerter Partner, dem es egal ist, ob Juschka getauft ist oder nicht.

Und nun ist da auch sie selbst, die immer neugieriger darauf wurde, was das ist, das mit dem Glauben. Dass sie sich dazu entschloss, sich taufen und firmen zu lassen und sich am Glaubenskurs an der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) anmeldete, verriet sich ihrer Familie zunächst nicht.

„Ich wollte diese Entscheidung für mich alleine treffen und meinen eigenen Weg gehen“, sagt sie. „Hier im Kurs habe ich ganz neue Perspektiven auf den katholischen Glauben kennengelernt – nicht wie bei meiner Oma, wo alles mit Druck und Zwang zu tun hatte.“ Julia Horn (22) ist zwar getauft, hatte sich aber lange nicht mit ihrer Religion beschäftigt.

Während eines Auslandssemesters an einem anglikanischen Internat in England, wo die Religion fest in den Alltag integriert ist, fand Julia wieder die Inspiration, sich mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Sie entschied sich, Theologie zu studieren. Am Institut erfuhr sie von den Glaubenskursen an der KHG, bei denen sie mit Menschen mit ähnlichem Alter und Interessen zusammenkommen konnte – und entschloss kurzerhand, sich firmen zu lassen.

Bewusstes Ja zur Kirche

Juschka und Julia sind zwei von sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die im vergangenen Wintersemester den Glaubenskurs der KHG absolviert haben und im Februar gefirmt wurden. Zur feierlichen Zeremonie beim Hochschulgottesdienst in der Kirche Sankt Ignatius kam sogar Bischof Georg Bätzing des Bistums Limburg.

„Im Akt der Firmung wird die Entscheidung eines Menschen besiegelt, der sich aus eigenen Stücken dazu entschlossen hat, der katholischen Kirche anzugehören“, sagt der Hochschulpfarrer Joachim Braun, der den Glaubenskurs an der KHG leitet.

Während viele Menschen Taufe und Kommunion noch im Kindsalter erhalten und damit noch nicht selbst entscheidungsfähig sind, begeht man die Firmung üblicherweise als Heranwachsender oder Erwachsener und bestätigt mit diesem bewussten Ja zur katholischen Kirche die Sakramente der Taufe und der Kommunion.

Der Glaubenskurs an der KHG ist eines der Angebote in Frankfurt, in denen sich Erwachsene auf ihre Firmung vorbereiten können. So stieß auch Christian Böing (32) zu der Truppe. Der gelernte Gärtner ist Novize im Kapuzinerkloster Liebfrauen. „Ich bin mit Tischgebet und Sonntagsgottesdienst zwar mit der Religion aufgewachsen, war als Jugendlicher der Kirche gegenüber aber so kritisch eingestellt, so dass ich mich nicht habe firmen lassen“, sagt er.

Den Weg zum gelebten Glauben fand er trotzdem und entschied sich sogar dazu, in einer Ordensgemeinschaft ein Leben in Besitzlosigkeit zu führen. „Für mich war der Schritt gar nicht so groß, da ich bereits zuvor als Gärtner in der Biolandwirtschaft oft nur für Kost und Logis gearbeitet habe“, sagt Christian.

Dass Papst Franziskus mit seiner Laudato si’ zum Erhalt des Planeten und der Schöpfung aufrief, gab Christian den Impuls, seine Liebe zu Gott und zur Natur in seinem Leben zu vertiefen. „Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass der Verzicht auf Besitz in unserer Gesellschaft komisch rüberkommt“, sagt Christian.

„Der Eintritt in einen Orden macht das einfacher und verleiht zudem auch eine Autorität, mit der man ernst genommen wird und andere Menschen besser erreichen kann.“ Doch zu einem ordentlichen Ordensmann gehört in der katholischen Kirche die Firmung. Und so meldete sich auch Christian am Glaubenskurs an der KHG an.

Teilnehmende bringen Fragen mit

„Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich erst als Erwachsener habe firmen lassen“, sagt Christian. „So interessante und reflektierte Gespräche wie in unserem Glaubenskurs hätten wir als Jugendliche sicher nicht geführt.“ Auch Julia hat die Diskussionen im Kurs in bester Erinnerung. „Wir konnten über alles ganz offen reden“, sagt sie.

„Es war völlig in Ordnung, anderer Meinung zu sein. Und wenn man einmal gar nichts sagen wollte, was das auch okay.“ Gemeinsame Gespräche stehen in den Glaubenskursen der KHG im Mittelpunkt. Es geht um Kirchenbilder, verschiedene Gottesvorstellungen, Glauben und Vernunft, die Rolle von Frauen in der Kirche, den Bezug zwischen individueller Biografie und der Hinwendung zum Glauben.

Hat sich ein Thema erschöpft, wendet sich die Gruppe einem anderen zu. Der Leitfaden ist dabei das Glaubensbekenntnis. An diesem Bekenntnis zum Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist orientieren sich die Themen, d.h. die Theodizee wird genauso diskutiert wie die Menschwerdung Gottes in Jesus. „Wir führen unsere Gespräche allerdings nicht nach Checkliste, anhand derer wir wie in einem Lehrplan Themen abhandeln“, sagt Pfarrer Joachim Braun.

„Mir ist wichtig, dass wir uns mit den Fragen beschäftigen, die die Teilnehmenden in den Kurs mitbringen.“ Die Glaubenskurse an der KHG finden immer im Wintersemester alle 14 Tage statt. Die geistliche Vorbereitung mündet in einen gemeinsamen Gottesdienst, in dem der Akt der Firmung begangen wird. Für Juschka, die sich im Februar sowohl taufen als auch firmen ließ, war dieser Tag ein einschneidendes Erlebnis.

„Ich hatte schließlich noch nie zuvor an einer religiösen Praktik teilgenommen“, sagt sie. „Das war ganz schön aufregend.“ Nun, nachdem sie getauft und gefirmt ist, sind es die Gottesdienste, mit denen sie dem Glauben in ihrem Alltag einen Platz einräumen möchte. Sie besucht weiterhin sehr gerne den Hochschulgottesdienst in Sankt Ignatius und mag es, in das Haus der Stille auf dem Campus Westend einzukehren.

Auch für Julia und Christian ist die Firmung mehr Auftakt als Abschluss: Die Gruppe des Kurses schätzt die gemeinsamen Gespräche so sehr, dass sie sich weiterhin trifft und über Gott und die Welt sprechen möchte. Ab dem Sommersemester beginnt das neue Angebot „Gott & die Welt – Gespräche und Begegnungen zu Glauben und Leben“, zu denen alle eingeladen sind, die mehr über den christlichen Glauben und das Leben wissen wollen und Lust haben, sich mit anderen jungen Menschen darüber auseinanderzusetzen.

[Autorin: Melanie Gärtner]

Weitere Informationen zu „Gott & die Welt“ www.khg-frankfurt.de oder bei Christian Böing (boeing.christian@web.de). Die Glaubenskurse als Vorbereitung für die Firmung bei Pfarrer Joachim Braun beginnen wieder im Wintersemester.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.