Die Corona-Pandemie stellte Mitte März auch das Academic Welcome Program for highly qualified refugees (AWP) der Goethe-Universität vor große Herausforderungen. Die Deutschkurse für hochqualifizierte Geflüchtete auf den Niveaustufen B1 bis C1 mussten kurzfristig komplett digitalisiert werden und konnten nur noch online stattfinden. Dies bedeutete einerseits für die Lehrkräfte einen deutlichen Mehraufwand, andererseits erschwerte es einigen Geflüchteten die regelmäßige Teilnahme am Unterricht. Einige AWP-Teilnehmende wohnen auch nach über ein bis zwei Jahren in Deutschland noch in Übergangsunterkünften, in denen oft kein WLAN vorhanden ist. Zudem besitzen viele von ihnen nur ein kleines Smartphone. Damit ist die Teilnahme am digitalen Unterricht nur schwer möglich bzw. sehr anstrengend und schmälert so oftmals den Lernerfolg.

Schnell war klar: Es werden einige Laptops benötigt, um den Geflüchteten die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme am Online-Unterricht zu ermöglichen. Da ein Ende der Pandemie nicht absehbar ist, zeichnete sich bald ab, dass auch im Wintersemester der Unterricht noch vorwiegend digital stattfinden wird. Vor allem beim Sprachenlernen ist Konstanz sehr wichtig. Die AWP-Koordinatorin Julia Jochim wollte verhindern, dass die Geflüchteten durch die Corona-Einschränkungen unnötig Zeit bei der Studienvorbereitung verlieren. Zumal viele von ihnen ohnehin schon monate- oder sogar jahrelang auf einen passenden Deutschkurs gewartet haben und jetzt mit großer Motivation ihren Traum vom Studium in Deutschland verfolgen. Doch für Geflüchtete mit nur geringem Einkommen ist eine so große Anschaffung, wie ein neuer Laptop, schwer alleine zu stemmen und die Zuwendungen von Förderern der Flüchtlingsprogramme reichen leider nicht aus, um solch eine Vielzahl an Geräten zu erwerben.

So entschied sich die Leitung des AWP im Juni einen Spendenaufruf für Laptops zu starten. Es wurde überlegt, wie man Unternehmen am besten für diese Idee gewinnen könnte. Da das AWP engen Kontakt zum Career Service pflegt, fragte dessen Leiter, Jens Blank, bei einigen Kontakten an. Nach nur wenigen Tagen kam die erste positive Rückmeldung: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY war bereit, zehn nicht mehr genutzte Laptops an das AWP zu spenden. Zunächst mussten die Laptops bereinigt und auf Werkszustand zurückgesetzt werden, anschließend musste die Abholung der Laptops organisiert werden. Da auch bei EY die meisten Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten, gestaltete sich die Übergabe etwas schwieriger. Mitte August konnten die Laptops dann schließlich abgeholt und für die AWP-Teilnehmenden vorbereitet werden.

Die Laptops wurden draußen auf dem Campus Bockenheim unter Einhaltung der nötigen Sicherheitsabstände den glücklichen AWP-Teilnehmenden übergeben. Die Teilnehmenden berichteten, wie sie von Nachbarn und Bekannten Laptops ausgeliehen hatten oder oftmals mit alten Geräten gearbeitet haben, die plötzlich mitten im Unterricht ausgingen. „Der Laptop wird mir helfen, ohne Stress an den Online-Kursen teilzunehmen. Dadurch werden auch meine Konzentration und Motivation höher sein, sodass ich im Wintersemester die Deutschprüfungen bestehen kann“, berichtete ein AWP-Teilnehmer bei der Abholung. Eine Teilnehmerin ergänzte, dass sie sich nun wieder darauf freue, schriftliche Hausaufgaben zu erledigen. Das war am Handy sehr schwierig.

Autorin: Julia Jochim

Alle Teilnehmenden und das Team des AWP sind EY sehr dankbar für die gespendeten Laptops. Da im Oktober vermutlich ca. 20 neue Teilnehmende ins AWP aufgenommen werden, die möglicherweise einen neuen Laptop gebrauchen könnten, freut sich das AWP auch weiterhin auf die Spende von Laptops. Gern können Sie uns kontaktieren:

Julia Jochim
Projektkoordination Academic Welcome Program
Telefon +49 (69) 798 17297 | j.jochim@em.uni-frankfurt.de