Die Frankfurter Delegation vor der Permanent Mission of the United States of America.
Foto: Tim Degener, Lennart Steppe

Tsisia Ninikelashvili, Teilnehmerin der National Model United Nations (NMUN) Konferenz, berichtet von ihren Erfahrungen in New York.

Die jährlich zweimal stattfindende National Model United Nations (NMUN) Konferenz ist mit circa 5.000 Teilnehmenden aus der ganzen Welt die größte und inhaltlich am breitesten aufgestellte UN-Simulation, und das schon seit über 60 Jahren. Eine Woche lang tauchen Studierende in die Welt der Diplomatie ein, erleben hautnah die Prozesse und Abläufe der UN, lernen mit der stetig wachsenden Komplexität multilateraler Verhandlungen umzugehen – all das auch noch in der Stadt, in der sich das Hauptquartier der Weltorganisation befindet: in New York.

Studierende vertreten Frankreich in der UN-Simulation

Studierende der Goethe-Universität haben das Privileg, Teil dieser Erfahrung zu sein. Die Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse von Prof. Tanja Brühl betreut das Projekt seit vielen Jahren und bereitet Studierende zwei Semester lang auf die Konferenz vor. Die diesjährige Delegation stach dabei durch eine außergewöhnliche Kooperation hervor.

Auf Initiative von Prof. Tanja Brühl (Goethe-Uni) und Prof. Matthias Hofferberth von der University of Texas at San Antonio (UTSA), die uns als Faculty Advisors begleiteten, bildeten deutsche sowie amerikanische Studierende zum ersten Mal eine Joint-Delegation. Die gemeinsame Vorbereitung nahm insgesamt sieben Videokonferenzen, kontinuierliche digitale Kommunikationen, Feedbackrunden, ausführliche inhaltliche Vorbereitung und Recherchearbeit in Anspruch. Dass wir alle eine sehr gute Leistung erbracht haben, bestätigte unter anderem die Entscheidung, dass wir Frankreich vertreten sollten.

Als eines der Gründungsmitglieder der UN verfügt Frankreich über einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat und übernimmt somit beachtliche Verantwortung auf der internationalen Bühne. Die bedeutende Rolle Frankreichs spürten wir in New York von Beginn der Konferenz an. Bereits während der Eröffnungsfeier zeigten andere Delegierte großes Interesse, mit uns in Kontakt zu treten. Durch unser Verhandlungsgeschick gelang es uns, die Tagesordnung in den meisten Komitees gemäß unseren Präferenzen zu setzen.

Dies war auch deshalb so maßgeblich und anspruchsvoll, weil das Themenspektrum der einzelnen Ausschüsse genauso breit und komplex gefächert war wie in der realen Welt. Auch diese Aufgabe erfüllten wir selbstbewusst und erfolgreich. Neben der Konferenzarbeit blieb es uns ein Anliegen, Einblicke in die Tätigkeitsfelder der Ständigen Vertretung Frankreichs bei den Vereinten Nationen in New York zu bekommen und uns aus erster Hand informieren zu lassen.

Die Ständige Vertretung setzt die Richtlinienpolitik des Landes bei den UN um und pflegt diplomatische Beziehungen zu den anderen Mitgliedstaaten. Nach einem einstündigen Vortrag über die Mitgliedschaft Frankreichs in den UN wurden von unserer Seite vor allem Fragen bezüglich der Kooperation zwischen Frankreich und Deutschland im Rahmen der historischen „Zwillingspräsidentschaft“ im UN-Sicherheitsrat aufgeworfen.

Sprecher und Leiter des Pressereferats Alexis Mojaïsky zählte Frieden und Sicherheit, Umwelt und Klimawandel, Menschenrechte, die UN-Reform und Entwicklungsfinanzierung als wichtigste Ziele der deutsch-französischen Partnerschaft auf. Darüber hinaus waren wir dank unserer amerikanischen Kommilitonen – und inzwischen auch Freunde – bei der Ständigen Vertretung der Vereinigten Staaten von Amerika bei den UN zu Besuch. So schafften wir am selben Tag zwei hochrangige Besuche – neben der inhaltlichen Arbeit in den Ausschüssen.

Das Highlight der Konferenz war die Abschlusszeremonie in der General Assembly Hall im UN-Hauptquartier. Schon im Vorjahr bei meiner ersten Teilnahme an NMUN empfand ich diesen Besuch als spektakulär und steckte im NMUN-Fieber. Die UN zu simulieren ist eine Sache, aber dies im „Weltsaal“ der Vereinten Nationen zu tun, ist etwas ganz Besonderes.

Auszeichnung für Frankfurter Delegation

Lange Tage, schlaflose Nächte und die transatlantische Zusammenarbeit haben sich am Ende gelohnt: Unsere Joint-Delegation der Goethe-Uni und UTSA konnte große Erfolge auf der NMUN-Konferenz in New York feiern. Frankreich war auf unzähligen Resolutionsentwürfen sowohl als Sponsor als auch Signatory gelistet. In sechs Ausschüssen erhielten Delegierte Frankreichs „Position Paper Awards“ und unsere gesamte Delegation wurde für die exzellente Arbeit mit einem „Honorable Mention Delegation Award“ ausgezeichnet.

An dieser Stelle möchte ich die Frankfurter studentische UN-Simulation, das MainMUN, dankend erwähnen. Fast alle unsere Frankfurter Delegierten nahmen am MainMUN teil, das als prozedurale Vorbereitung für unsere Reise nach New York diente und zu dem oben genannten Erfolg beitrug. Für mich persönlich, als Vorsitzende (Chairwoman) der Generalversammlung bei der Frankfurter Simulation, war das MainMUN 2019 die beste Übung für das Ausüben meiner Rolle als Delegierte in New York. Im Namen unserer diesjährigen Delegation möchte ich mich bei unseren Faculty Advisors sowie bei allen Sponsorinnen und Sponsoren für ihre großzügige Unterstützung recht herzlich bedanken.

Dies war eine qualitativ hochwertige Bildungserfahrung, die unsere Persönlichkeiten positiv geprägt, unsere interkulturellen Kompetenzen gestärkt und uns die Kraft der Diversität sowie der Zusammenarbeit noch einmal verdeutlicht hat. Der verstorbene frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Teilnahme am NMUN als „inspiring display of commitment and global citizenship“ und wir sind besonders stolz darauf, dass wir uns als engagierte Weltbürger für eine friedliche, multilaterale Konfliktlösung und eine gerechte, nachhaltige menschliche Entwicklung einsetzen konnten – auch wenn es nur im Rahmen einer Simulation der Weltorganisation war.

Tsisia Ninikelashvili

Tsisia Ninikelashvili ist Internationale Absolventin des Studiengangs Politikwissenschaft (B.A.); sie ist auch Preisträgerin des Preises der Goethe-Universität für besonderes Engagement im internationalen Kontext, sie war Junge Botschafterin Georgien und ist eine der ausgezeichneten internationalen Persönlichkeiten der Stadt Frankfurt.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.19 des UniReport erschienen.