Foto: Melanie Gärtner

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft vergibt Stipendien an herausragende Nachwuchswissenschaftler, die Lust haben, über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Wenn Michael Wondrak daran denkt, welch ungelüftete Geheimnisse die Wissenschaft birgt, leuchten seine Augen. Der 23 Jahre alte Nachwuchswissenschaftler am Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) steckt voller Begeisterung für die Fragen dieser Welt.

Wie verhalten sich Schwarze Löcher, gibt es einen kleinsten, ununterschreitbaren Abstand im Raum, welchen Einfluss haben Quanteneffekte? „Ich bin ein Physiker mit Leib und Seele“, lacht er. Seine universitäre Laufbahn bestätigt dies: Michael Wondrak absolvierte sowohl Bachelor als auch Master an der Goethe-Universität in nur sieben Semestern, da er sich schon in den Anfangssemestern aus Interesse in Masterkurse setzte und dort Scheine machte.

„Ich habe einfach gemacht, was mir Spaß macht“, sagt er. „Die Möglichkeiten an einer Universität sind großartig und ich finde es toll, auch in andere Fächer reinschnuppern zu können. So hatte ich schnell die Punkte für alle notwenigen Nebenfächer zusammen.“

Seit einem Jahr ist er Doktorand bei Prof. Dr. Marcus Bleicher und Dr. Piero Nicolini am Institut für Theoretische Physik und studiert am Beispiel von Schwarzen Löchern die Theorien der Quantengravitation, die die Welt der Elementarteilchen und die der Gravitation zu verbinden versuchen.

Um das Finanzielle muss er sich dabei keine Sorgen machen: Michael Wondrak ist Stipendiat der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und erhält mit dem MainCampus-Stipendium die nötige finanzielle Unterstützung, um sich um seine Forschung zu kümmern. Die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hat mit ihrem Stipendiatenwerk MainCampus ein Programm entwickelt, das mehr will, als allein wissenschaftliche Exzellenz aufzubauen.

Zu den erklärten Zielen der Stiftung gehört die Förderung junger Menschen, die in ihrem Fach überdurchschnittlich erfolgreich sind und sich fachlich weiterentwickeln wollen, sich darüber hinaus aber auch mit offenem Blick den Fragen der heutigen Gesellschaft zuwenden und bereit sind, in ihr Verantwortung zu übernehmen.

Michael Wondrak ist ein passender Kandidat für dieses Konzept: Talentiert in seiner Disziplin interessiert er sich über die Fachgrenzen hinaus für die Dynamiken interdisziplinärer Zusammenhänge und begegnet auch Themen jenseits seiner Fachgebiets mit neugierigem Interesse.

Der passionierte Kuchenbäcker und Standardtänzer hat eine Leidenschaft für Altgriechisch und Fotografie, lernt gerne neue Menschen kennen und lässt sich im Gespräch mit ihnen auf neue, noch unbekannte Themen ein. Mit dieser Vorliebe ist er im Stipendiatenwerk Main- Campus gut aufgehoben.

Netzwerk der Stipendiaten

Die 23 Mitstipendiaten seines Jahrgangs kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Psychologie, Geografie, Medizin oder Kunst. Bei den gemeinsamen Treffen haben diese die Möglichkeit, sich kennenzulernen und auszutauschen. „Neulich habe ich nach einer gemeinsamen Weinprobe im Gespräch mit einem Mitstipendiaten zum ersten Mal verstanden, worum es in der Freudschen Psychoanalyse wirklich geht“, sagt Michael Wondrak und erzählt begeistert von einer weiteren Begegnung, die ihm unerwartete Einblicke in die Auswirkung des Einsatzes von Schwermaschinen auf den Waldboden gab.

Ein anderer Abend führte ihn in die Theateraufführung einer Mitstipendiatin, und ein Frankfurter Jurist, ein Mentor, der ihm innerhalb der Stiftung zur Seite steht, ermöglicht ihm zudem Einblicke in die Arbeitswelt eines Rechtsgelehrten. „Die Kontakte, die über das Stipendium entstehen, sind eine großartige Möglichkeit, verschiedensten Aspekte der Gesellschaft kennenzulernen“, sagt Michael Wondrak.

„Ich begegne hier so vielen unterschiedlichen Menschen. Es ist einfach toll, sich motivieren zu lassen, die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen.“ Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft fördert junge Talente in den drei Förderprogrammen MainCampus academicus, doctus und educator.

Unterstützt werden dabei sowohl Studierende und Doktoranden als auch PostDocs, die Kinder haben und in Erziehungsverantwortung stehen. Zur Förderung gehört nicht nur ein monatlicher finanzieller Zuschuss, sondern auch die Teilnahme an fachspezifischen Fortbildungsprogrammen.

Allen Stipendiaten steht die Teilnahme an der MainCampus-Akademie offen, einem Seminar- und Begegnungsprogramm, das Weiterbildungsangebote zur Ausbildung von Schlüsselkompetenzen sowie der Entwicklung von Berufs- und Lebensperspektiven bietet.

Zahlreiche Events und Vorträge bieten den Stipendiaten zudem eine zusätzliche Möglichkeit, ihr Netzwerk auszubauen und Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur kennenzulernen. Michael Wondrak hat bereits an verschiedenen Programmangeboten teilgenommen.

Besonders beeindruckt hat ihn ein Kurs zur Kreativitätstechnik Brainwriting, die er innerhalb seines eigenen Engagements gleich praktisch in die Tat umsetzen konnte: Im Programm der Stiftung „Kolleg für junge Talente“ organisierte er mit anderen Stipendiaten für interessierte Schüler einen Thementag zu Mobilität der Zukunft.

Daneben initiiert er mit einer anderen Stipendiatin regelmäßig eine interdisziplinäre Vortragsreihe auf dem Campus, in der Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche Einblicke in ihre Forschungsthemen geben. Die eigene Begeisterung für die Wissenschaft weiterzugeben, ist Michael Wondrak ein echtes Anliegen.

„Ich habe auch schon mal eine eigene Veranstaltung sausen lassen, um einen interessierten Schüler in eine Einführungsvorlesung zu begleiten und ihm Lust auf das Fach zu machen“, sagt er. „Ich kann an der Universität und im Rahmen des MainCampus-Stipendiums so vieles lernen – und das möchte ich weitergeben.“

MainCampus

MainCampus academicus richtet sich an Studierende im Master- oder Hauptstudium der MINT -Fächer, Musik oder Musikpädagogik, Freie Bildende oder Darstellende Kunst, Geschichte, Erziehungswissenschaften und Architektur. Die Förderung beträgt monatlich 720 Euro für maximal zwei Jahre. Kandidaten müssen von den Fachbereichen vorgeschlagen werden.

Maincampus doctus wendet sich an Doktoranden der Natur-, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften, Geschichte, Psychologie, Musikwissenschaft- und Pädagogik. Das Stipendium beträgt für die Dauer von drei Jahren monatlich 1 400 Euro sowie karrierefördernde Maßnahmen wie Praktika und Tagungsreisen. Das Promotionsthema muss bei Bewerbung feststehen. Bewerbungszeitraum: 15. April bis 1. Juli 2017.

MainCampus educator fördert promovierte Naturwissenschaftler und Mediziner mit Erziehungsverantwortung, die sich habilitieren oder vergleichbar qualifizieren. Das Stipendium beträgt für die Dauer von zwei Jahren monatlich 400 Euro für Kinderbetreuung oder Haushaltsunterstützung. Bewerbungszeitraum: 15. April bis 1. Juli 2017.

Mehr Informationen zu den MainCampus-Stipendien unter www.main-campus.de

[Autorin: Melanie Gärtner]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.