Bereits im Grundstudium werden die Grundlagen des Fachs auch in Form praktischer Lehrveranstaltungen mit vielen Experimenten erlernt.

Der Studiengang Pharmazie, den man mit dem Staatsexamen abschließt, ist arbeitsintensiv, bietet aber hervorragende Jobperspektiven.

Im „Trust in Professions Report“ 2016 steht es schwarz auf weiß: Das Vertrauen der Deutschen in ihre Apothekerin oder ihren Apotheker ist sehr hoch. Diese Berufsgruppe rangiert unmittelbar hinter Feuerwehrleuten, Sanitätern und Krankenschwestern/- pflegern auf Platz 4, noch vor Ärzten, Piloten und Lehrern. Dennoch werden Apotheker manchmal als „Schubladenzieher“ bezeichnet, die Wucherpreise für Medikamente oder für die verschiedenen freiverkäuflichen Waren ihres Sortiments verlangen.

Dass Pharmazeuten durch ihr anspruchsvolles Studium jedoch DIE Arzneimittelfachleute schlechthin sind und mit ihrem Wissen nicht nur Patienten, sondern auch Ärzten mit Rat und Tat zur Seite stehen, ist nicht allen bekannt. Nach dem Studium warten auf die Pharmazeuten mehr Arbeitsplätze als Absolventen, so dass „Apotheker“ von der Bundesagentur für Arbeit mittlerweile als Mangelberuf eingestuft ist. Neben der öffentlichen Apotheke gibt es noch unzählige weitere Berufsfelder, in denen sich Pharmazeuten tummeln können. Traumjob mit Arbeitsplatzgarantie!

Arzneimittel und Arzneimittelfachleute: besonders anspruchsvoll

Immerhin sind in Deutschland gut 100.000 Medikamente zugelassen, allerdings wird jede Packungsgröße, Wirkstärke und Darreichungsform als eigenständiges Arzneimittel gerechnet, auch wenn der enthaltene Wirkstoff derselbe ist. Zu den ca. 3000 existierenden Arzneistoffen kommen jährlich etwa 30 bis 40 neue hinzu. Hier den Überblick zu behalten und die verunsicherten Patienten kompetent zu beraten, erfordert einiges an (Grund-)Wissen nicht nur in Chemie, sondern auch in Biologie, Pharmakologie, Klinischer Pharmazie und Arzneiformenlehre, das man sich in einem arbeitsintensiven achtsemestrigen Studium aneignet.

Wie auch bei Medizinern oder Juristen sieht der Gesetzgeber eine besondere Aufgabe im Berufsstand der Apotheker und hat das Pharmaziestudium sehr klar geregelt: „In der Approbationsordnung ist genau festgelegt, welche Themen und welche Stundenzahl für die einzelnen Fächer zu unterrichten sind“, erklärt Prof. Robert Fürst, geschäftsführender Direktor des Instituts für Pharmazeutische Biologie am Campus Riedberg und Vorsitzender der Studienkommission Pharmazie.

Außerdem werden die drei wesentlichen Ausbildungsabschnitte jeweils mit einer großen Prüfung, dem 1., 2. und 3. Staatsexamen, also einer staatlichen Prüfung, abgeschlossen. Eine enorme Fülle an Lernstoff in einem sehr dicht gepackten Studium, das erfordert hohe individuelle Disziplin. All das schreckte Joshua Gerninghaus nicht ab, sein Studium an der Goethe-Universität zu beginnen. Nicht weil, sondern obwohl seine Eltern beide Apotheker sind, hat er sich aus freien Stücken für dieses Studium entschieden.

Alternativ wäre für ihn noch Biochemie in Frage gekommen – ein Fach, das bei den Uni-Schnuppertagen und bei der jährlich von den Fachschaften organisierten Night of Science am Campus Riedberg ebenfalls sein Interesse geweckt hatte. Aber die Mischung aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern kombiniert mit medizinischen Aspekten und der Möglichkeit, mit Menschen zu arbeiten, ihnen Wissen weiterzugeben und ihnen zu helfen, hat ihn dann letztlich zur Pharmazie gebracht.

Frankfurt – (k)ein idealer Studienort

Trotz der im Bundesvergleich sehr hohen Lebenshaltungskosten in der Banker-Stadt hat sich Joshua für ein Studium in Frankfurt entschieden: „Die Goethe-Universität gilt als eine der besten Hochschulen für das Pharmaziestudium und mir gefällt auch die Stadt, ich bin gerne hier.“ Die Frankfurter Pharmazie hat auch tatsächlich einige Besonderheiten zu bieten, was sich bereits vor dem Studium bemerkbar macht:

Alle Studienplätze für Pharmazie werden bundesweit zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de) zugewiesen. 20 Prozent der 90 Studienplätze, die in Frankfurt jeweils zum Winter- und Sommersemester vergeben werden, gehen an die Besten ihres Jahrgangs. Weitere 20 Prozent teilt Hochschulstart Bewerbern zu, die bereits einige Semester Wartezeit hinter sich gebracht haben.

Der Großteil der Studienanfänger, also 60 Prozent, kann von der Universität nach eigenen Kriterien selbst ausgewählt werden. Die Frankfurter Pharmazie-Hochschullehrer haben sich schon vor vielen Jahren dazu entschlossen, die Kandidatinnen und Kandidaten zu einem individuellen Auswahlgespräch einzuladen. „Das ist keine Prüfung, sondern wir wollen einen persönlichen Eindruck von den Bewerberinnen und Bewerbern gewinnen“, beschreibt Robert Fürst das Vorgehen.

Obwohl es sehr zeitaufwändig ist – schließlich müssen innerhalb eines Tages knapp 200 Einzelgespräche à 20 min geführt werden – finden die Frankfurter das Verfahren sehr gut: „Die Studentinnen und Studenten fühlen sich ausgewählt! Da geht man mit einer ganz anderen Motivation ins Studium“, so die Meinung von Robert Fürst.

Und Motivation brauchen die Erstsemester, denn schließlich startet das Grundstudium sofort sehr arbeitsintensiv. In den ersten vier Semestern werden die Grundlagen in den Fächern Chemie und Analytik, Biologie, Physik, Arzneiformenlehre und Physiologie mit Vorlesungen und Seminaren, aber auch in Form praktischer Lehrveranstaltungen mit vielen Experimenten erlernt.

Eine große Hürde – aber mit Kletterhilfe

Spätestens nach vier Semestern hat sich herauskristallisiert, wer dem großen Arbeitspensum im Pharmaziestudium gewachsen ist. In einem vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) bundesweit einheitlich gestalteten 1. Staatsexamen, in dem in 4 Tagen 360 Multiple-Choice-Fragen beantwortet werden müssen, können die angehenden Pharmazeutinnen und Pharmazeuten ihr gelerntes Wissen unter Beweis stellen.

Wie bei den Juristen werden auch in der Pharmazie professionelle (und relativ teure) Repetitorien für diese Prüfungen angeboten. Die Frankfurter Hochschullehrer haben bereits vor 20 Jahren ihr eigenes Repetitorium auf die Beine gestellt: Jedes halbe Jahr fährt das jeweilige 4. Semester im Rahmen einer Sommer- bzw. Winterschule für eine Woche in Klausur in ein Jugendgästehaus in den österreichischen Alpen.

Das hat einerseits natürlich den Vorteil, dass der Lernstoff nochmal intensiv eingepaukt wird, andererseits lernen sich die Studierenden untereinander, aber auch ihre Dozenten in einer anderen Umgebung in einer etwas lockereren Atmosphäre besser kennen. An den auf der IMPP-Homepage veröffentlichten Ergebnissen des Staatsexamens lässt sich der Erfolg dieses Repetitoriums über die Jahre verfolgen.

Das besondere Engagement der Frankfurter Pharmazie spiegelt sich auch in der Gründung des eingetragenen Vereins Frankfurter Pharmazieschule. Ursprünglich zur besseren Organisation der Sommer- und Winterschulen gedacht, unterstützt der Verein mittlerweile aus Spendenmitteln jede Studentin/ jeden Studenten im Laufe ihres/seines Studiums finanziell mit ca. 400 Euro, damit sie/er im Grundstudium an der Lernwoche und im Hauptstudium an einem Pharmazie-Kongress teilnehmen kann.

Nach insgesamt sieben Semestern haben die Pharmazie-Studenten bereits so viel Wissen in Pharmakologie, Klinischer Pharmazie, Medizinischer Chemie, Pharmazeutischer Biologie und Pharmazeutischer Technologie angesammelt, dass sie den wissenschaftlichen Fortbildungskongressen, die von der Bundesapothekerkammer in Meran oder Schladming veranstaltet werden, gut folgen können. Gleichzeitig wird ihnen auf diesen Veranstaltungen die Bedeutung des lebenslangen Lernens vor Augen geführt.

Der Übergang aus dem Studien- in den Arbeitsalltag wird nach dem 2. Staatsexamen durch das praktische Jahr eingeleitet, das mindestens zur Hälfte in einer öffentlichen Apotheke absolviert werden muss. Angebote für Stellen sowohl in Apotheken als auch in der pharmazeutischen Industrie oder wissenschaftlichen Einrichtungen gibt es im Rhein- Main-Gebiet mehr als genug.

Falls jemand ins Ausland möchte, bieten Frankfurter Hochschullehrer gerne ihre Hilfe an und empfehlen oder vermitteln Stellen. Nach dem abschließenden 3. Staatsexamen ist der Großteil der Absolventinnen und Absolventen, immerhin 80 Prozent, später in Apotheken tätig. Alle anderen verteilen sich auf Unternehmen, Behörden, Universitäten und Wissenschaftsverlage.

Gutes kann noch besser werden

In Frankfurt werden bereits seit etlichen Jahren die von der Approbationsordnung vorgegebenen Lehrinhalte sehr modern interpretiert. Zusammen mit den Vertretern der Fachschaft wurde das Pharmaziestudium dahingehend optimiert, dass die Lehrveranstaltungen gestrafft, unnötige Redundanzen abgebaut und fächerübergreifende Inhalte deutlicher ausgebaut wurden. Davon profitiert mittlerweile auch Joshua, der jetzt ins siebte Semester kommt.

Er engagiert sich, trotz des dichten Studienplans, ebenfalls in der Fachschaft und findet es sehr positiv, dass die Professoren stets ein offenes Ohr für die Belange der Studierenden haben. Vielleicht kommt er im nächsten Jahr bereits in den Genuss einer weiteren Neuerung am Pharmaziestandort Frankfurt: Voraussichtlich mit dem Wintersemester 2018/19 geht der Masterstudiengang Arzneistoff-Forschung und -Entwicklung an den Start.

„Bisher fehlt im Pharmaziestudium eine wissenschaftliche Abschlussarbeit, das möchten wir künftig für einige Interessenten anbieten“, erklärt Robert Fürst. Dieser Masterstudiengang wird allerdings nicht nur Pharmazeuten, sondern auch Bachelorabsolventen anderer Studiengänge offenstehen.

[Autorin: Ilse Zündorf]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.