Am 25. September 2025 wurde der vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gestiftete Preis für internationale Studierende mit herausragenden akademischen Leistungen sowie bemerkenswertem sozialem und gesellschaftlichem Engagement an die Bachelorstudentin im Fach Theater-, Film- und Medienwissenschaften, Isabella Terán Niño aus Venezuela, vergeben. Der mit 1000 Euro dotierte DAAD-Preis wird von der Goethe-Universität seit 2002 jährlich an hervorragende internationale Studierende verliehen, die einen besonderen Beitrag zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben in und außerhalb der Universität leisten.

Isabella Terán Niño studiert seit 2022 Theater-, Film- und Medienwissenschaften sowie Romanistik an der Goethe-Universität und weist einen beachtlichen Werdegang in verschiedenen europäischen Ländern auf; insbesondere in Deutschland ist das Ausmaß an ehrenamtlichem Engagement außergewöhnlich. Terán stammt aus Venezuela. Nach ihrem Schulabschluss in Venezuela im Jahr 2016 verbrachte sie ein Austauschjahr an einem Gymnasium in Oberursel. Danach arbeitete sie im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einer Organisation in Oberursel. Nachfolgend absolvierte sie eine Berufsausbildung in Moderation für Radio und Fernsehen in Barcelona (2019–2020), um anschließend das Freiwillige Jahr in Oberursel fortzusetzen. Daraufhin besuchte sie das Studienkolleg in Frankfurt, bevor sie im Sommer 2022 das Studium an der Goethe-Universität aufnahm. Als internationale Studentin ging sie im Rahmen des ERASMUS-Programms an die Università degli Studi di Firenze, Italien, um ihre romanistischen Kenntnisse zu vertiefen. Ihre akademischen Leistungen in der Regelstudienzeit sind durchweg herausragend, sie verfügt über Höchstnoten.
Intensive Auseinandersetzung mit dem Heimatland
In ihrer Bachelorarbeit befasst sich die Studentin der Theater-, Film- und Medienwissenschaften aktuell mit der schwierigen politischen Situation ihres Heimatlandes. Das Thema ihrer Arbeit ist das kollektive Trauma infolge der sozioökonomischen und politischen Krise im venezolanischen Gegenwartskino. Im Zentrum der kritischen Auseinandersetzung steht die Analyse der Spielfilme Simón (2023) und La Soledad (2016), die dem venezolanischen Trauma sowohl in der Heimat als auch im Ausland Sichtbarkeit verleihen. Für Terán ist das Werk „Simón“ ein besonderer Film, weil er aus ihrer Sicht als einer der ersten die von der venezolanischen Regierung begangenen Menschenrechtsverletzungen bereits während der Proteste offen ins Bild setzt und zugleich das Trauma der aktuellen venezolanischen Diaspora darstellt. Terán bemerkt hierzu: „Da ich selbst aus Venezuela komme und im Ausland lebe, war es mir wichtig, diese filmische Auseinandersetzung nicht nur analytisch, sondern auch im Hinblick auf Fragen von Erinnerungskultur zu untersuchen. Für mich verbindet dieses Thema meine wissenschaftliche Arbeit in der Filmwissenschaft mit meinem persönlichen Anliegen, durch Medien Räume für Dialog und gesellschaftliches Bewusstsein zu eröffnen.“
Gleichzeitig möchte sie auch der Kunst und Kultur Venezuelas und anderer lateinamerikanischer Länder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, weshalb sie zum Beispiel bei der Frankfurter Buchmesse 2024 die Romanistik mit Videomaterial und Interviews unterstützte, um auch die lateinamerikanische Literatur in Deutschland sichtbarer zu machen. Als Akteurin des Filmfestivals Días de Cine produziert sie darüber hinaus Inhalte für Social Media und die Website, um lateinamerikanische Filmkunst zu fördern und repräsentiert damit in besonderer Weise auch ihr Institut an der Goethe-Universität. Sie engagiert sich aktiv in verschiedenen kulturellen und medienpraktischen Projekten, ist Teilnehmende bei der studentischen Initiative „Goethe speaks out“, deren medienpraktische Präsenz auf unterschiedlichen Internet-Kanälen zu finden ist. Ihr herausragendes Engagement kombiniert mit ihren akademischen Leistungen ist auch der Grund dafür, dass sie zweimal das Deutschlandstipendium (2022 und 2024) erhalten hat.
Role Model für andere
Die nominierende Prof. Dr. Christine Ott (Institut für Romanistik) und auch Teráns Lektorin Dott.ssa Cristina Giaimo würdigen Frau Teráns akademische Leistungen ebenso wie ihr umfassendes soziales und hochschulisches Engagement: Neben ihren medienpraktischen Aktivitäten bringe sie sich zudem in der Fachschaftsarbeit als Sprecherin der Institutsgruppe Romanistik ein, die sie eigeninitiativ wiederbeleben konnte, und begleite auch andere internationale Studierende bei der Orientierung im Studium. Gleichzeitig organisiert sie Veranstaltungen, gestaltet Sprachtreffen und trägt nicht nur durch Filmempfehlungen zur kulturellen Vielfalt bei. In der Laudatio wird sie gewürdigt als vielfältige, leistungsstarke internationale Studentin, ein Role Model für andere, sie verkörpere die Werte des internationalen Austauschs und der gesellschaftlichen Verantwortung vorbildlich.
Dr. Rebekka Göhring, Leiterin des Bereichs Studium Lehre Internationales, eröffnete die Vergabefeier am 25. September im Rahmen der offiziellen Begrüßungs- und Orientierungsveranstaltung der internationalen Bachelorstudierenden im ersten Fachsemester und überreichte Terán die Urkunde. Zahlreiche Gäste aus einschlägigen in- und externen Service- und Beratungsstellen waren vertreten. Ein Highlight der Veranstaltung war das der Preisübergabe folgende Interview der Preisträgerin durch Frau Dr. Göhring. In diesem lebendigen und vom Publikum aufmerksam verfolgten Dialog konnte Terán die anwesenden Gäste auch persönlich von ihrer tiefen Verbundenheit mit ihrem Land und ihrer Fachkenntnis zu ihren akademischen Themen überzeugen und begeistern. Im Nachgang konstatiert die Preisträgerin, dass sie die Vergabefeier als ein „wirklich ganz besonderes Erlebnis“ empfunden hat, eine wertvolle Anerkennung ihrer Leistungen und ein ermutigendes Zeichen für sie als Studentin im Ausland, dass sich Durchhaltevermögen und Engagement lohnen.
Susanne Jauernig, Stellv. Gruppenleitung Studienerfolg und Integration
Die nächste Ausschreibung des DAAD-Preises für das Jahr 2026 erfolgt im Frühjahr 2026, und der Bereich Studium Lehre Internationales freut sich wieder auf eine rege Teilnahme an der Nominierung potenzieller Kandidat*innen.











