Die Goethe-Universität – stark durch vernetztes Handeln

Universitätspräsident Enrico Schleiff über die Bedeutung regionaler Zusammenarbeiten

Die Goethe-Universität ist fachlich vielfältig und leistungsstark, und wir sind in einer großen Breite von Fragestellungen forschend und lehrend unterwegs. Allein der Blick in die Medien zeigt, dass wir regional, national und international einen relevanten Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Dennoch erweitern und vertiefen wir unsere eigene Vielfalt und Kompetenz durch Kooperationen mit anderen nationalen und internationalen Einrichtungen. Dabei bringen die Partner die unterschiedlichsten Kompetenzen ein, was uns wiederum neue Räume eröffnet, Lösungen für die Fragestellungen unserer Gegenwart in der notwendigen Tiefe und Breite zu erarbeiten.

Einerseits sind Universitäten und Hochschulen trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen und Aufgaben Allrounder. Sie verbinden Forschung, Studium und Lehre sowie die Vermittlung der Forschungsergebnisse in die Gesellschaft. Andererseits gibt es zahlreiche Spezialisten: die außeruniversitären Forschungseinrichtungen. So erbringen bundesfinanzierte Einrichtungen der Ressortforschung wichtige forschungsbasierte Dienstleistungen. Die von Bund und Ländern finanzierten Institute der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) legen einen Fokus auf angewandte Forschung, die der Max-Planck­Gesellschaft (MPG) auf Grundlagenforschung, die der Helmholtz-Gemeinschaft (HG) auf Forschung an und mit Großforschungsanlagen und die der Leibniz-Gemeinschaft (WLG) auf forschungsbegleiteten Wissenstransfer. Hinzu kommen hier in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet viele landes- und kommunal geförderte Institute, forschende Museen und Forschungsabteilungen in Unternehmen.

Damit haben wir in der Region eine enorme Dichte und Vielfalt an solchen Institutionen. Jede für sich genießt großes Renommee, weswegen unsere Region eine besonders innovative Wissenschaftslandschaft von weltweiter Bedeutung ist. Es wäre eine vertane Chance, dieses Potenzial nicht auszuschöpfen, für unsere Forschung und für die Attraktivität des Standorts. Aus diesem Grund unterhält die Goethe-Universität eine Vielzahl von regionalen Kooperationen.

Neben den bilateralen Bezügen sind vor allem zwei von herausragender Bedeutung für die Goethe-Universität. Zum einen arbeiten wir schon seit 2015 in der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) eng mit der Technischen Universität Darmstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zusammen. Die drei Universitäten haben ein komplementäres Profil, was uns viele neue Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Zum Beispiel können wir vielversprechende Fragestellungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven formulieren und bearbeiten, etwa in fachspezifischen Netzwerken oder Forschungskonsortien; wir können aber auch unsere Lehrportfolios durch gemeinsame Studiengänge und wechselseitige Öffnungen von Studienangeboten erweitern und bereichern; zudem können wir Transfer und Karriereförderung auf allen Ebenen gemeinsam voranbringen.

Frankfurt Alliance – Bestehende Kooperationen neu gedacht

Am 30. Januar 2024 wurde die zweite zukunftsweisende Kooperation gegründet: die Frankfurt Alliance als Zusammenschluss von 15 in Frankfurt und Umgebung ansässigen, vom Bund oder von Bund und Land finanzierten Forschungsinstituten und der Goethe-Universität (siehe Kasten). Sie fußt auf seit vielen Jahren bestehenden einzelnen Zusammenarbeiten.

In der Frankfurt Alliance wollen wir dem Grundsatz „Symbiose bei voller institutioneller Souveränität“ folgend gemeinsam einen Wissenschaftsraum schaffen und ausgestalten, um neue Formate für gemeinsame Forschung zu eröffnen, unsere Stärken zu fokussieren und die Frankfurter Wissenschaft noch besser als bisher nach außen zu präsentieren. 

Zu diesem Wissenschaftsraum gehören beispielsweise Strukturen zur gemeinsamen Förderung von wissenschaftlichen Karrieren etwa von Mitarbeitenden in Laboren, technischen Anlagen und der Verwaltung. So sind gemeinsame Dienste geplant, zum Beispiel für den Zugang zu Groß- und Messgeräten vor Ort. So können alle Forschenden unsere vielfältigen Ressourcen und Infrastrukturen bestmöglich nutzen – wie zum Beispiel im Brain Imaging Center mit seinen hochmodernen Geräten zur Erforschung von Vorgängen im Gehirn. In neuen Formaten soll die gemeinsame Forschung über die Grenzen der Einrichtungen hinweg initiiert und ermöglicht werden, etwa in den Frankfurt Alliance Round Table Discussions für unsere Forschenden oder in den Frankfurt Alliance Foren für Forschende, Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger.

Frankfurt Alliance – nach der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding im Kaisersaal. Foto: Peter Kiefer/Goethe-Universität Frankfurt.

Die Frankfurt Alliance wird sich auch mit einer gemeinsamen Wissenschaftskommunikation präsentieren. Als erstes Highlight findet das Frankfurter Wissenschaftsfestival am 28. September 2024 auf dem Roßmarkt statt. Gemeinsames Marketing und Interessenvertretung gehören ebenfalls dazu, um mit unserer gemeinsamen Forschungsstärke auch international für den Standort zu werben und im politischen Raum unsere Interessen sichtbar zu platzieren.

Die Kooperationen von heute sind unsere Stärke von morgen

Die beiden Allianzen sind also kein Selbstzweck, sondern ergänzen unser Portfolio und stärken uns. Beide, die RMU und die Frankfurt Alliance, ermöglichen uns nicht nur neues Wissen zu generieren, sondern sollen auch die gesellschaftspolitische Rolle der Wissenschaft insgesamt und das Vertrauen in evidenzbasierte Forschung im Speziellen stärken. Die regionalen Kooperationen sind ein Asset auch für unsere forschungsorientierte Lehre, die somit über die Grenzen der Goethe-Universität hinaus stattfinden kann. Ein interessanter Ort des Studiums zu sein: Das ist nicht nur unser Anspruch, sondern auch bedeutend sowohl für die nächsten Studierendengenerationen als auch für die Gesellschaft. Durch gemeinsame Strukturen in den Allianzen und gemeinsam angebotene Möglichkeiten der Karriere-Entwicklung für alle Mitglieder der Institutionen steigern wir unsere Attraktivität, um die besten Köpfe anwerben zu können. Das ist entscheidend in einer Zeit, in der sich Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitgeber aussuchen können und ein Job in der Wissenschaft nicht mehr per se für alle attraktiv ist.

Kurzum, die Allianzen helfen uns, das – auch wirtschaftliche – Potenzial Frankfurts und der Region Frankfurt/Rhein-Main als Forschungsstandort zu heben und auf der internationalen Skala noch sichtbarer zu machen. Das macht unseren Standort zudem für Start-ups und Neuansiedlungen zu einem interessanten Umfeld. Und schließlich – was in der heutigen Zeit immer bedeutender wird – können wir so noch besser das internationale und interkulturelle Gesicht unserer weltoffenen, integrativen Stadt positiv mitgestalten. Das sage nicht nur ich, sondern das haben auch der Kämmerer als Repräsentant der Stadt Frankfurt, Dr. Bastian Bergerhoff, und der neue Hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels als Repräsentant der Landesregierung betont, dessen erster offizieller Termin der Gründungsakt der Frankfurt Alliance war – ein guter Start für ihn und ein guter Start für unsere Allianz.

An der Frankfurt Alliance sind beteiligt:

  • DIPF  – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
  • Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE
  • Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF)
  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN)
  • GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
  • Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP)
  • Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)
  • Max-Planck-Institute für Biophysik (MPIBP), für empirische Ästhetik (MPIEA),
    für Herz- und Lungenforschung (MPIHL), für Hirnforschung (MPIBR) und
    für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie (MPILHLT)
  • Ernst Strüngmann Institut (ESI)
  • Paul-Ehrlich-Institut (PEI)
  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung – DKTK Standort Frankfurt/Mainz, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) 
  • Goethe-Universität Frankfurt

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