Als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder Stipendiatin übernehmen junge Akademikerinnen vielfältige Aufgaben in Forschung und Lehre. Doch nicht wenige Doktorandinnen und weibliche Postdocs kommen an einen Punkt, an dem die berufliche Zukunft mit einem großen Fragezeichen versehen wird: Schafft man es, angesichts sich verengernder Chancen an der Hochschule die Promotion zu einem glücklichen Ende zu führen? Und wenn die Promotion gelingt: Setzt man auf eine akademische Karriere oder wagt man lieber den Sprung in die Welt jenseits der Alma mater?

Dr. Anna Eichhorn hatte Biochemie an der Goethe-Uni studiert, bevor sie eine Promotion in der molekularen Genetik begann. Die Alternative akademische Karriere oder Job in der Industrie stellte sich ihr gar nicht, denn ihr großer Traum lag jenseits davon: Sie wollte gemeinsam mit einigen Kommilitonen eine Firma gründen. Der Weg dorthin war steinig, die Doppelbelastung von Promotion und Arbeit im jungen Unternehmen ging an die Substanz, doch es klappte.

Heute ist Anna Eichhorn Vorstandsvorsitzende der Humatrix AG. „Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Ich schätze es an meinem Job, dass ich pausenlos dazulerne.“ Auch wenn ihr die Doktorarbeit wichtig war und diese das wissenschaftliche Fundament ihrer späteren Karriere bildet, spürte sie gegen Ende der Promotion, dass sie ‚flügge‘ geworden war und sich etwas Eigenes aufbauen wollte: „Universitäten sollen ihren Absolventen noch viel stärker vermitteln, dass es neben Wissenschaft und Industrie noch einen dritten Weg gibt: den einer Existenzgründung!“

Bei Merle Becker lag der Fall etwas anders: Die studierte Politikwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen kam eher zufällig an eine Promotionsstelle. Neben der Doktorarbeit war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) tätig, dann wurde sie schwanger. Der Besuch der KURSWECHSEL-Konferenz im letzten Jahr bestärkte sie in der Entscheidung, die Promotion abzubrechen. Ein Flyer der Organisation KIZ brachte sie dazu, sich strukturiert auf den Weg in die eigene Selbstständigkeit zu begeben.

Die Zeit an der Universität findet sie heute insgesamt sehr bereichernd, auch für ihre Tätigkeit als selbstständige PR-Beraterin. Einen Doktortitel vermisst sie in ihrem beruflichen Alltag aber nicht, wobei sie ergänzt: „Ich schließe gar nicht aus, dass ich irgendwann auch nochmal das Promotionsvorhaben wieder aufnehme.“

Karrierekonferenz „Kurswechsel 2018“

Am 19. Oktober geht es auf dem Campus Westend der Goethe-Uni wieder um Karrierewege für Wissenschaftlerinnen jenseits der Hochschule. „Im Rahmen der KURSWECHSEL-Konferenz stellen wir Doktorandinnen und Postdoktorandinnen eine breite Auswahl an Berufsmöglichkeiten in Wirtschaft, außeruniversitärer Forschung, in der Industrie und darüber hinausgehend vor und bieten ihnen die Chance, neue Perspektiven zu entdecken“, erläutert Adrienne v. Hochberg, Organisatorin der Veranstaltung.

Teilnehmerinnen lernen auf der Konferenz das eigene Potenzial, die Referenzwerte und Karriereziele kennen, um sich beruflich weiter zu entwickeln: „Sie entdecken eigene Stärken, informieren sich über Anforderungen potenzieller Arbeitgeber und absolvieren erste Bewerbungstrainings“, betont v. Hochberg. Als Speaker konnten Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Heather Hofmeister, Soziologin an der Goethe-Uni, Dr. Anna Eichhorn, Vorstandsvorsitzende der Humatrix AG, sowie Julia Jäkel, CEO von Gruner & Jahr, gewonnen werden.

Veranstalterin ist die Goethe-Universität und Mentoring Hessen in Kooperation mit der TU Darmstadt und der TU München. Durchgeführt vom Exzellenzcluster „Normative Orders“, GRADE – Goethe Research Academy for Early Career Researcher- und dem Gleichstellungsbüro auf Initiative von ‚Frauen mit Format in Wissenschaft und Wirtschaft‘ (www.frauenmitformat.de).

Anmeldung bis 17. Oktober unter: www.kurswechsel-konferenz.de/2018/anmeldung

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5.18 des UniReport erschienen. PDF-Download »