Der Prozess gegen Sokrates hat die Menschheit immer schon fasziniert. Allerdings ist die fast einzige Quelle für das mit der Hinrichtung des Philosophen endende Verfahren die Apologie Platons. Doch wie zuverlässig ist diese Überlieferung, was weiß man wirklich über die Gründe für Sokrates‘ Verurteilung? Ein Symposium an der Goethe-Universität, das Dr. Veronika Brandis (Institut für Klassische Philologie), Judith K. Bohl (Lessing-Gymnasium) und Prof. Dr. Guido Pfeifer (Institut für Rechtsgeschichte) gemeinsam organisiert haben, rekonstruiert den Fall und diskutiert dabei die möglichen Anklagepunkte in einem interdisziplinären, philologisch-juristischem Austausch.

Themen des Symposiums werden sein: „Wissen und Meinen – Platons Apologie als philosophischer Text (Jens Holzhausen, Bamberg); „Ein gottloser Wortverdreher und seine jungen Freunde: Warum Sokrates vor den athenischen Richtern keine Gnade fand“ (Peter Scholz, Stuttgart); „Die Klageschrift des Meletos und ihre normative Grundlage“ (Philipp Scheibelreiter, Wien). 

Symposium: Freitag, 29. Oktober 2021, 14:30-18:30 Uhr
Campus Westend, Casino 823 (Eingang Nina-Rubinstein-Weg, 60323 Frankfurt)
Anmeldung unter https://sokrates.nwex.de/  

Angemeldete erhalten eine Zugangsbescheinigung. Für die Teilnahme wird ferner ein Negativnachweis gemäß § 1c CoKoBeV (Genesenen- oder Impfnachweis, 24h-Antigen-Schnelltest) benötigt!

Das Symposium ist Teil des Projektes „Schule trifft Uni: Sokrates revised and revisited“, das im Wintersemester 2021/22 stattfindet. Im Rahmen des Projekts wird es neben dem Symposium unter anderem einen Workshop am Lessing-Gymnasium und als Höhepunkt den „Prozess gegen Sokrates revised and revisited“ im Februar 2022 geben. Dabei wird die Gerichtsverhandlung in der Form eines „Moot Court“ simuliert.

Prof. Dr. Guido Pfeifer betont das Zusammenspiel von Theorie und Praxis in dem Projekt: „Wie im Moot Court bieten die Rekonstruktion und die Realisierung des Prozesses gegen Sokrates die Gelegenheit, theoretisch erlerntes Wissen, sei es auf der Seite der Jura- und Philologie-Studenten, sei es auf Seiten der Schüler, praktisch zu erproben. Die jeweils erarbeiteten Kenntnisse im Recht, im Textverständnis und in der Rhetorik kommen im Prozess zum Tragen; dieser ist nach dem antiken Vorbild gleichsam ein Wettstreit um das Recht, ein Agon, mit offenem Ausgang. Denn es geht nicht darum, den historischen Prozess gleichsam ‚nachzuspielen‘, sondern darum, das, was man gelernt hat, auszuprobieren, gewissermaßen damit wie in einem Labor zu experimentieren.“

Das Kooperationsprojekt wird gefördert und materiell unterstützt durch den Bund der Freunde des Lessing-Gymnasiums, den Deutschen Altphilologen-Verband und den Förderfonds Lehre der Goethe-Universität.