Homi K. Bhabha sprach auf der AFRASO-Konferenz über Migrationsbewegungen nach Europa; Foto: Stefan Schmid

Homi K. Bhabha sprach auf der AFRASO-Konferenz über Migrationsbewegungen nach Europa; Foto: Stefan Schmid

Der renommierte Postkolonialismus-Forscher Homi K. Bhabha sprach auf der AFRASO-Konferenz (28. bis 30. September 2016) über Migrationsbewegungen nach Europa.

Zum Auftakt der Konferenz „Afrasian Transformations – Beyond Grand Narratives?“ aus der Reihe African-Asian Encounters des Verbundprojekts „ AFRASO – Afrikas Asiatische Optionen“ begrüßte Prof. Frank Schulze-Engler (FB 10, ZIAF) als ersten Keynote Speaker Prof. Homi K. Bhabha, Anne F. Rothenberg Professor für englische und amerikanische Literatur und Sprache sowie Direktor des Mahindra Humanities Center an der Harvard University.

Prof. Bhabha, einer der international renommiertesten Wissenschaftler der Literaturwissenschaft, Cultural Studies sowie zeitgenössischer Postcolonial Studies, behandelte in seinem öffentlichen Vortrag die derzeitigen Migrationsbewegungen nach Europa unter philosophischer Perspektive. Die Aufgabe der Geisteswissenschaften besteht Bhabha zufolge darin, gerade die ethischen und emotionalen Fragen, die sich in Zeiten von organisatorischen, wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen ergeben, zu analysieren.

Prof. Bhabha kontextualisierte seine Fragen mithilfe literarischer Darstellungen von Migration in V. S. Naipaul’s Mimic Men, philosophischen Arbeiten von Walter Benjamin und Hannah Arendt sowie Aussagen von Betroffenen unserer Zeit. Er beleuchtete hierbei die Beweggründe dieser Form von Migration (die er als migration in extremis oder migration under duress bezeichnete) und ergründete die Rolle von Tod in der Migrationserfahrung.

Migrants under duress „betrachten sich als tot“, zitierte er prägnant einen Migranten und fasste somit die Selbsteinschätzung auf, dass Migranten in ihrer Heimat den sicheren physischen, sozialen und psychologischen Tod erwarten; mit der Migration jedoch verbindet sich Hoffnung. Die Herausforderung der Migration besteht nach Bhabha darin, die Würde der Migranten zu bewahren, d. h. kulturelle Unterschiede nicht nur zu tolerieren, sondern zu akzeptieren.

Prof. Bhabhas Keynote eröffnete die dritte Konferenz aus der AFRASO-Reihe „African-Asian Encounters“, bei der sich über 80 internationale Teilnehmer drei Tage lang mit den vier Themen „Redefining the Global South“, „Reassessing the Indian Ocean“, „Afrasian Approaches to Development“ und „Afrasia in a Wider World“ befassten. Weitere Keynote Speakers waren Jamie Monson (Michigan State University) und Ajay K. Dubey ( Jawaharlal Nehru University).

AFRASO ist ein BMBF-gefördertes Interzentrenprogramm unter Beteiligung des Zentrums für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) und des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien (IZO) an der Goethe-Universität. www.afraso.org/

[Autorin: Ruth Achenbach]