Seit dem 13. September wird der Sportcampus Ginnheim als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt: Ca. 260 Menschen sind dort (Stand: 6.10.) in den Sporthallen untergebracht.

Während anfangs Mitarbeiter der Feuerwehr, des Roten Kreuzes, des Arbeiter-Samariter-Bundes, aber auch der Universität für die Betreuung sorgten, haben inzwischen der Frankfurter Verein und die Caritas die Betreibung der Anlage übernommen. Anfangs sorgten Dolmetscher des Roten Kreuzes für eine sprachliche Verständigung; dann übernahmen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Übersetzungen. „Die sind extra so ausgewählt worden, dass sie mehrsprachig sind und die von den Flüchtlingen hier gesprochenen Sprachen beherrschen“, erläutert Dr. Katrin Werkmann, Leiterin des Hochschulsports an der Goethe-Universität.

Gemeinsam mit Prof. Christopher Heim, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Sportwissenschaften, hat sie die Unterbringung von Beginn an vor Ort begleitet. Vom üblichen Programm des Hochschulsports in der vorlesungsfreien Zeit konnten nur ungefähr 15 Prozent stattfinden. Zum Semesterstart am 12. Oktober werden die Theorie-Seminare der Sportwissenschaften zu den angegebenen Terminen stattfinden, allerdings muss man dafür Räume auf dem Campus Bockenheim und Campus Westend nutzen. Die Praxis-Seminare dagegen können voraussichtlich erst ab dem 26. Oktober angeboten werden, rechnet Christopher Heim. Nahezu täglich ändert sich die Informationslage; aktuelle Infos erhalten Studierende über die Website der Fachschaft (s. Linkliste).

Die Goethe-Universität sieht sich darüber hinaus als Bildungsinstitution in der Verantwortung, zur Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen beizutragen. Mit dem „Academic Welcome Program for highly qualified refugees“ soll ein erstes Unterstützungsangebot bereitgestellt werden, um hochqualifizierten Flüchtlingen die Integration in Deutschland zu erleichtern. Durch den Zugang zu universitärer Bildung, akademischer Infrastruktur und Netzwerken will die Goethe-Universität Geflüchteten, die einen Hochschulzugang in Deutschland haben oder die im Heimatland bereits studiert haben, sowohl Orientierung vermitteln als auch Teilhabe ermöglichen.

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„Academic Welcome Program for highly qualified refugees“

Das Programm, das beim International Office angesiedelt ist, ermöglicht den Besuch von universitären Lehrveranstaltungen und/oder die Nutzung von universitären Ressourcen wie zum Beispiel Bibliothek, Multimediales Sprachlabor und die Serviceleistungen des Hochschulrechenzentrums. Auch ein Angebot von Sprachkursen durch das Internationale Studienzentrum ist in Planung.

Universitätsvizepräsidentin Prof. Tanja Brühl betont: „Als Universität, die von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Frankfurt gegründet wurde, sehen wir uns in der Verantwortung, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Daher wollen wir gerne den neu in unsere Stadt und Region hinzu gekommenen Menschen aus Krisenregionen Zukunftsperspektiven bieten.“

„Wir werden die Anmeldefrist für das Academic Welcome Programm vom 12. Oktober wahrscheinlich noch um eine oder zwei Wochen verlängern. Für den 28. Oktober ist eine Auftaktveranstaltung geplant“, erklärt Hanna Reuther, Referatsleiterin beim International Office. Bislang lägen ca. 25 Anfragen vor; die große Mehrheit der Flüchtlinge interessiere sich für Medizin, Naturwissenschaften oder Informatik, einige auch für Politikwissenschaft oder spezifische Fächer wie English Studies, so Hanna Reuther.

Gefördert wird das Academic Welcome Program mit 50.000 Euro von der Aventis Foundation. Ebenfalls gefördert wird im Rahmen des Academic Welcome Program der von Studierenden der Goethe-Universität gegründete Verein aeWorldwide (Academic Experience Worldwide). Bereits seit zwei Jahren engagieren sich ehrenamtlich u.a. Studierende der Goethe-Universität und organisieren Projekte für hochqualifizierte Flüchtlinge. Beispielsweise helfen sich in Form von Tandems Flüchtlinge und Studierende gegenseitig, regelmäßig können sich alle Teilnehmenden zu akademischen Themen austauschen.

Weitere Unterstützungsangebote werden augenblicklich von der Uni noch organisiert; eine weitere Zielgruppe neben hochqualifizierten Geflüchteten bilden geflüchtete Schülerinnen und Schüler. Für sie sollen ebenfalls Sprachkurse als eine wichtige Grundlage für eine nachhaltige Integration angeboten werden. Interessierte Studierende sollen kurzfristig im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ fortgebildet werden, um dann ehrenamtlich Sprachkurse leiten zu können.

Weiterführende Links

Aktuelles zum Seminarbetrieb der Sportwissenschaften auf der Website der Fachschaft

Website des Academic Welcome Program der Goethe-Universität

Website der Studierenden-Initiative Academic Experience Worldwide

Website der Stadt Frankfurt zum Thema Engagement für Flüchtlinge

Der Artikel ist in der UniReport-Ausgabe 5-2015 erschienen (PDF-Download).