Wasser und Wärme sind ihr Metier: (von links) Dieter Fischer, Tullio Baldini, Elvir Sahinagic, Falk Kleemann, Johann Gass, Hubert Junk, Silvio Zingone. Zum Team gehören außerdem Marco Cullino und Andrei Hirsch; Foto: Lecher

Wasser und Wärme sind ihr Metier (von links): Dieter Fischer, Tullio Baldini, Elvir Sahinagic, Falk Kleemann, Johann Gass, Hubert Junk, Silvio Zingone. Zum Team gehören außerdem Marco Cullino und Andrei Hirsch; Foto: Lecher

Weitgehend farb-, geruchs- und geschmacklos plätschert, fließt, dampft oder tröpfelt es; tagtäglich beschäftigt es die Werkstatt Sanitär und Heizung an der Goethe-Universität: Ob Brunnen-, Schmutz-, Heizungs- oder Trinkwasser – wenn es nass wird, sind Elvir Sahinagic und Johann Gass mit ihren sechs Kollegen zur Stelle. Erst kürzlich waren sie bei einem Wasserschaden im Mehrzweckgebäude in Bockenheim gefordert, berichten die beiden Vorarbeiter. »Das Heizungsrohr war geplatzt«, erzählt Sahinagic. Unerwartet auftretende Lecks seien oft unvermeidbar, durch den Austausch einzelner korrodierter Teile ließe sich ihnen zum Teil allerdings vorbeugen.

Werkstattgespräche (Teil 4): In der Serie ›Werkstattgespräche‹ stellen wir die Werkstätten der Abteilung Betrieb & Service Bockenheim/Ginnheim/Westend vor. Dieses Mal geht es um die Kollegen aus der Werkstatt Sanitär und Heizung.

Sahinagic war auch derjenige, der als Erster von der Werkstatt vor Ort war, als das PEG-Gebäude im Januar 2014 unter Wasser stand. Ein Wärmetauscher im Technikraum war geplatzt, wodurch über hundert Grad heißer Wasserdampf ausgetreten war. Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur half der Feuerwehr den richtigen Technikraum zu finden, um sämtliche Schieber schließen zu können und noch Schlimmeres zu verhindern. »Ich habe mich selbst gefühlt wie ein Feuerwehrmann«, sagt Sahinagic. So etwas erlebe ein Handwerker nur einmal in seinem Leben. Kleinere Wasserschäden wie kürzlich in Bockenheim seien an der Goethe-Universität hingegen nicht so selten.

»Ich habe mich gefühlt wie ein Feuerwehrmann«, Elvir Sahinagic

Wenn alles glatt läuft, bestimmen Funktionstests und technische Betriebsgänge den Tagesablauf der Anlagenmechaniker. Doch langweilig wird es auch dann nicht: »Die Abläufe sind ganz individuell, jeder Tag ist anders«, sagt Gass. Das eine Mal etwa muss das Brunnenwasser vor dem Hörsaalzentrum mit Chemikalien geimpft werden, damit sich keine Algen bilden, und das andere Mal müssen kleinere, zu alte, Toilettenanlagen ausgetauscht werden. Läuft überall das Wasser, funktionieren die Toiletten, wärmt die Heizung, dann erst ist das Team zufrieden. Insgesamt neun verschieden komplexe, technische Anlagen wie etwa Sprinkleranlagen, Fernwärmestationen oder Wasseraufbereitungsanlagen betreuen die Männer. »Wir versuchen, uns die Arbeit so aufzuteilen, dass nicht immer derselbe Mann die gleiche Arbeit macht.

Damit jeder fit bleibt im Umgang mit den Anlagen. Wir sind Experten für alles«, sagt Sahinagic. Doch manche Schwierigkeit in der Betreuung der Anlagen bleibe bestehen – auch weil diese von dem Team nicht selbst eingebaut werden. »Wir bekommen die fertigen Gebäude so übergeben, Fremdfirmen haben dann bereits alles installiert, und wir müssen hinterher mit der Technik kämpfen.« Für den derzeit dritten Bauabschnitt sind die Werkstätten mit ihren Erfahrungen aus den vorhergehenden Bauabschnitten in die Planungen der Ingenieure involviert, um die Technik künftig bestmöglich betreiben zu können.

Was macht die Werkstatt Sanitär und Heizung?

Die Mitarbeiter der Werkstatt Sanitär und Heizung kümmern sich um:

  • 4 Sprinkleranlagen
  • 11 Hydrantenanlagen
  • 22 Übergabestationen vom Energieversorger (= die Schnittstelle zwischen Fernwärmenetz und dem mit Wärme zu versorgenden Haus)
  • 9 Kesselanlagen zu Heizzwecken
  • 1 Aufbereitungsanlage im IG-Farben-Haus, die Brunnenwasser für die Toilettenanlagen aufbereitet
  • 3 Aufbereitungsanlagen für die Kühltürme, die wiederum Wasser für die Kältemaschinen aufbereiten
  • 2 Brunnenanlagen
  • 2 Druckerhöhungsanlagen im IG-Farben-Haus und im Juridicum, um das Wasser bis nach ganz oben transportieren zu können
  • 55 Fäkalien- und Schmutzwasserhebeanlagen, damit das Schmutzwasser nicht zurück ins Gebäude läuft
  • Außenbewässerungsanlagen

Spaß an der Abwechslung

Abwechslung ist das, was die Arbeit für Johann Gass zu einer interessanten und besonderen Tätigkeit macht. Er gehört zum alten Eisen, wie er selbst sagt. Bereits seit 26 Jahren arbeitet der Vorarbeiter für die Goethe-Universität. Sein Kollege Elvir Sahinagic hat 1995 als Auszubildender zum Gas- und Wasserinstallateur in Bockenheim angefangen. In den komplexen technischen Systemen, die zu betreuen sind, sieht der 40-Jährige immer wieder eine Herausforderung. Gleichzeitig ist es das, was ihm an seiner Arbeit auch besonders viel Freude bereitet. Noch bis 2004 war er an der Uni angestellt, bevor er für einige Jahre in anderen Handwerksbetrieben angestellt war.

Die Sehnsucht nach der alten Arbeitsstätte war dann aber doch so groß, dass Sahinagic 2011 mit einiger Erfahrung mehr wieder zurück an die Goethe-Universität kam: »Draußen habe ich noch sehr viel gelernt.« Die Unterschiede seien groß. Während man an der Uni die Technik nur betreue, baue man sie auf dem freien Markt zuvor auch selbst ein. Seit einem Jahr macht der Vorarbeiter bei der Werkstatt Heizung und Sanitär zusätzlich seine Meisterausbildung. »Wir möchten unsere Mitarbeiter nicht nur fordern, sondern auch fördern. Innerhalb einer Bildungsinstitution ist das besonders wichtig«, sagt Andreas Pintaric, stellvertretender Leiter der Abteilung Betrieb und Service Westend, Bockenheim, Ginnheim, an die die Werkstatt Heizung und Sanitär angegliedert ist.

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