Der Chor wächst immer mehr zusammen: Annette Frier und die Teilnehmer des Projekts „Unvergesslich – Unser Chor für Menschen für Demenz“ bei einer Probe. (Foto: ZDF/Jan Rothstein)

So viel Wissenschafts-Publicity war selten: Als das Team des Arbeitsbereichs Altersmedizin der Goethe-Universität Anfang des Jahres 2020 das Demenz-Chorprojekt mit der Schauspielerin Annette Frier begleitete, war die Öffentlichkeitsarbeit des wissenschaftlichen Projekts garantiert. In der vierteiligen ZDF-Serie konnten Zuschauer verfolgen, welche physiologischen und psychosozialen Effekte das Singen auf die Erkrankten und ihre Angehörigen hatte – und auch, wie diese Effekte wissenschaftlich nachgewiesen wurden.

Das Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaftlern und Medienvertretern wurde nun mit dem Health Media Award 2020 ausgezeichnet. Der Verein prämiert zum dritten Mal Initiativen, die zur Aufklärung im Gesundheitssystem beitragen.

Für die Altersmediziner Arthur Schall und Valentina Tesky am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität war das dreimonatige ZDF-Projekt eine außergewöhnliche Gelegenheit: Es ermöglichte ihnen eine wissenschaftlich fundierte Studie über den Effekt des Singens bei Demenz, gleichzeitig transportierte das Projekt emotional berührend wissenschaftliche Erkenntnisse über das Thema in die Öffentlichkeit.

Die Studie hat nachgewiesen, dass regelmäßiges Singen im Chor zu einer deutlichen Steigerung des emotionalen Wohlbefindens und einer Abnahme des Stresslevels der Erkrankten führt; letzteres wurde über den Cortisolspiegel im Speichel gemessen und durch Beobachtungsbögen gestützt, die von den Angehörigen vor und nach den Chorproben ausgefüllt wurden. Gleichzeitig registrierten die Alterforscher auch bei den Angehörigen eine signifikante Abnahme depressiver Symptome.

Ein Bericht zum Projekt und der Begleitstudie wurde im Magazin NeuroTransConcept „Impulse“ (PDF) veröffentlicht. Eine internationale Fachpublikation wird in Kürze erscheinen.