Sascha Staubach und Prof. Peter Prinz-Grimm mit einigen Exemplaren der geowissenschaftlichen Sammlung. Foto: Melanie Gärtner

Die geowissenschaftliche Sammlung der Goethe-Universität bietet Einblicke in vier Milliarden Jahre Erdgeschichte. Insgesamt sind es etwa 100.000 Gesteine, Mineralien und Fossilien, die die Wissenschaftler und Sammler über Jahrzehnte zusammengetragen haben.

„Schwarze Partien aufgeschäumten Glases eingebettet in grauen Fels – so ähnlich sieht auch Mondgestein aus“, sagt Prof. Dr. Peter Prinz-Grimm und betrachtet fasziniert einen Suevit. Der sogenannte Schwabenstein ist beim Einschlag eines Meteoriten entstanden, der vor knapp 15 Millionen Jahren das Nördlinger Ries schuf. Nur ein paar Schubladen weiter thront die formschöne Olivinknolle, die bei einem Vulkanausbruch aus den Tiefen der Erde ans Tageslicht geschleudert wurde. Der grünlich schimmernde Olivin ist ein typisches Material des äußeren Erdmantels. „Ein Vulkan ist wie ein Aufzug, der uns zeigt, wie es tief unter der Erde aussieht“, sagt Dipl. Geol. Sascha Staubach von der Geo-Agentur. „Wir wüssten sonst gar nicht, welche Gesteine im Erdmantel zu finden sind. Die tiefsten Erdbohrungen gehen schließlich kaum tiefer als 12 Kilometer.“

Peter Prinz-Grimm, Professor für regionale Geologie, hatte schon früh ein Faible für Sammlungen, absolvierte nach seiner Promotion ein Volontariat am Museum für Naturkunde in Stuttgart und half 1991 beim Wiederaufbau des Staatlichen Museums für Geologie in Maputo, Mozambique. Seit 2006 lehrt er am Frankfurter Institut für Geowissenschaften und ist gemeinsam mit seinem Kollegen Sascha Staubach Ansprechpartner für die geowissenschaftliche Sammlung der Goethe-Universität. „Mir ist es wichtig, dass die hier lagernden Objekte den Studierenden aber auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sind“, sagt er. „Jedes Objekt erzählt eine Geschichte. Unsere Aufgabe ist es, sie zu übersetzen.“ Viele Objekte wurden bereits für Ausstellungsprojekte an Museen verliehen.

In einem Kurs für Ausstellungsgestaltung haben Studierende mehrfach eine Vitrine mit diversen Objekten der Sammlung gestaltet. Sascha Staubach nahm sich beim Umzug des Instituts auf den Riedberg verschiedenen Vitrinen in den Fluren des Gebäudes an, um Besuchern einige der schönsten Exponate zu präsentieren. Auch vor den Seminarräumen glitzern Mineralien verschiedenster Art, so dass sich die Studierenden beim Warten auf den Unterricht mit den Mineralgruppen befassen können.

Insgesamt sind es etwa 100.000 Gesteine, Mineralien und Fossilien, die Wissenschaftler und Sammler über Jahrzehnte zusammengetragen haben. Und die Sammlung wächst weiter: Neben Zukäufen und selbstgesammelten Materialien wurde mit der Schließung der geologisch-paläontologischen Institute in Marburg und Gießen die erdgeschichtliche Lehrsammlung aus Gießen an das Frankfurter Institut für Geowissenschaften übergeben. Daneben gibt es immer wieder Spenden aus Nachlässen privater Sammler.

„Aus privaten Sammlungen die Stücke herauszusuchen, die für eine wissenschaftliche Sammlung von Wert sind, ist ein großer Aufwand“, sagt Sascha Staubach. „Aber manche Objekte sind so außergewöhnlich, dass es die Mühe allemal wert ist. Für diese Kleinode setze ich mich gerne mit den Sammlern in ihrem Wohnzimmer zusammen.“ Der Diplom-Geologe ist in der Geo-Agentur Ansprechpartner für Fragen rund um Geowissenschaften und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Fachbereiches. Zusätzlich nimmt er sich in seiner Freizeit der geowissenschaftlichen Sammlung an, sortiert Exponate und versucht Ordnung in die Fülle der Objekte zu bekommen, denn die Sammlung ist in sich genauso fragmentiert wie ihre Geschichte.

Die Olivinknolle wurde bei einem Vulkanausbruch ans Tageslicht geschleudert. Foto: Melanie Gärtner

Die geowissenschaftliche Sammlung besteht aus den verschiedenen Teilbereichen der Gesteins- und Mineraliensammlung, der erdgeschichtlichen sowie der paläontologischen Sammlung. Daneben gibt es eine für Studierende zugängliche Lehrsammlung. Nachdem 1914 Bestände des Senckenberg-Instituts zu Lehrzwecken in die neugegründeten Institute überführt wurden, wuchsen die Sammlungen in den folgenden Dekaden immer weiter, wanderten mit der Neugründung der Geowissenschaften unter das formale Dach eines gemeinsamen Instituts und 2007 mit Umzug auf den Riedberg auch unter das desselben Gebäudes. Dennoch sind die Teilsammlungen auf sehr unterschiedlichem Stand: Gesteine und Mineralien sind sehr gut geordnet, die erdgeschichtliche Sammlung ist grob in Zeitalter sortiert und die paläontologischen Exponate entsprechend der biologischen Ordnung.

„Ideal wäre ein elektronischer Katalog, in dem die Objekte digital erfasst und für Dritte auffindbar wären“, sagt Sascha Staubach. Doch das ist viel Arbeit – und dafür fehlen bisher die Ressourcen. Einen offiziellen Kustos für die Sammlung gibt es nicht. Das Engagement, das Peter Prinz-Grimm und Sascha Staubach für die Sammlung aufbringen, gründet unabhängig ihrer Stellenbeschreibung auf der empfundenen Verantwortung für die Objekte. Verabschiedet sich Peter Prinz-Grimm Ende September in den Ruhestand, bleiben nur noch wenige, die einen Überblick über die umfangreichen Bestände haben.

Als Ansprechpartner stehen weiterhin Sascha Staubach und der Studiengangkoordinator Dr. Frederik Kirst zur Verfügung. „Viele Objekte der Sammlung sind einmalig, da sie in dieser Form nicht neu entstehen oder die Fundorte nicht mehr zugänglich sind“, sagt Peter Prinz-Grimm. „Diese erdgeschichtlichen und inzwischen auch historischen Dokumente müssen ordentlich erfasst werden und zugänglich bleiben. Eine einheitliche Unterbringung der Sammlungsteile in angemessenen Räumlichkeiten ist noch nicht erreicht. Das sind große Aufgaben, an denen in Zukunft noch viel zu arbeiten ist.“

[Autorin: Melanie Gärtner]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.18 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.