Arbeitet über die „Dekonstruktion der Verdinglichung“: Amr Elsherif; Foto: Melanie Gärtner

Arbeitet über die „Dekonstruktion der Verdinglichung“: Amr Elsherif; Foto: Melanie Gärtner

Ist es Literaturtheorie oder eher die Philosophie, die ihn umtreibt? Dr. Amr Elsherif muss lachen. So ganz genau wisse er das selbst nicht. „Die Literaturtheorie bewegt sich schließlich immer auf einem philosophischen Fundament“, sagt er. „Wenn dieses infrage gestellt wird, ändert sich auch der Zugang zu Kunst und Literatur fundamental.“

Kunst, Literatur, Philosophie, diese Disziplinen ziehen sich durch Elsherifs Arbeiten wie ein roter Faden: die Faszination für Friedrich Nietzsche während des Bachelors, die Frage nach dem Charakter des postmodernen Kunstwerks in den Arbeiten von Samuel Beckett im Master, daraus hervorgehend die Begeisterung für die Arbeiten von Theodor W. Adorno und Jaques Derrida, die in seiner Promotion über den symbolischen Charakter des Kunstwerks eine große Rolle spielten.

Vor allem die beiden letzteren Philosophen haben seine Sicht auf die Dinge stark geprägt – so sehr, dass er sich in seinem derzeitigen Forschungsprojekt mit zwei Kernbegriffen der Gedankenwelten von Adorno und Derrida auseinandersetzt: Seit dem 1. März ist Amr Elsherif als Stipendiat der Alexander von Humboldt- Stiftung an der Goethe-Universität und arbeitet über die „Dekonstruktion der Verdinglichung“, so der Titel seiner Forschung. Von Internationalität in Frankfurt beeindruckt

„Es ist sehr bereichernd, hier in Frankfurt an diesem Thema arbeiten zu dürfen“, sagt Amr Elsherif. „Die deutsche Sprache hat viele Nuancen, wie etwa der Unterschied zwischen den Begriffen Erlebnis und Erfahrung, den eine englische Übersetzung nicht erfassen kann. Der Austausch mit den Wissenschaftlern hier ermöglicht mir einen neuen Zugang zu den Schriften.“ Der Hauptgrund, den Amr Elsherif aber nach Frankfurt brachte, war der Kontakt zu Prof. Christoph Menke, Professor am Institut für Philosophie.

Der Philosoph und Literaturwissenschaftler zählt zu den wichtigsten Experten der „Dritten Generation“ der Frankfurter Schule und ist damit für Amr Elsherif nicht nur Gastgeber am Institut, sondern auch wichtiger Gesprächspartner in den Fragen seiner Forschung. „In meiner Disziplin ist es enorm wichtig, dass man seine Fragen mit jemandem besprechen kann, der einem eine neue Perspektive eröffnet. Dass ich mit einem Spezialisten zusammenarbeiten kann, ist ein großer Gewinn für meine Arbeit.“

Das geistige Klima an der Goethe-Universität ist ohnehin etwas, dass Amr Elsherif sofort für Frankfurt eingenommen hat. „Es ist beeindruckend, wie viele internationale Wissenschaftler in Frankfurt zu Gast sind“, sagt er. „Das ist eine echte Bereicherung für die Universität. Aus Ägypten kenne ich das so nicht.“ Amr Elsherif graduierte an der University of Cairo in Ägypten und ging während seiner Promotion für ein Jahr an die University of Illinois at Chicago.

Später lehrte er an der State University of New York und der Damanhour University in Ägypten. In keiner dieser Universitäten fand er aber so eine hohe Dichte an Wissenschaftlern, die sich mit ähnlichen Themen wie er beschäftigen, wie in Frankfurt. „In den Seminaren von Prof. Menke treffe ich immer wieder auf Wissenschaftler, deren Fragestellungen große Überschneidungspunkte mit meinen Ansätzen haben“, sagt er. „Dieser Austausch ist ein großes Geschenk.“ Amr Elsherif wird noch bis 2017 an der Goethe-Universität forschen. [Autorin: Melanie Gärtner]