Melissa Williams; Foto: Dettmar

Melissa Williams; Foto: Dettmar

Melissa Williams ist Professorin für Politikwissenschaft und Gründungsdirektorin des Center for Ethics an der Universität von Toronto. Sie forscht auf dem Gebiet der Demokratietheorie. Seit September 2015 ist Williams Fellow im Justitia-Amplificata-Programm und am Forschungskolleg Humanwissenschaften. Sie bleibt bis Juli 2016. UniReport fragte Melissa Williams nach ihren Plänen, Erwartungen und Wünschen.

UniReport: Justitia Amplificata hat Sie eingeladen, an die Goethe-Universität und das Forschungskolleg Humanwissenschaften zu kommen. Was hat Sie bewogen, die Einladung anzunehmen?

Ich habe mich über die Einladung sehr gefreut und bin glücklich, dass ich sie annehmen konnte. Denn meine Forschungsinteressen und das Ziel von Justitia Amplificata ergänzen sich hervorragend: Es geht darum, unser Verständnis für transnationale und globale Gerechtigkeit zu vertiefen. Ein anderer Grund ist die stimulierende Arbeitsatmosphäre am Kolleg. Nirgendwo zuvor habe ich in der akademischen Welt der Politischen Theorie ein Diskussionsklima erlebt, das gleichermaßen kritisch und begrifflich streng wie auch aufgeschlossen und wohlwollend ist.

Wie würden Sie jemandem, der Ihre Arbeit nicht kennt, Ihr Forschungsgebiet beschreiben?

Die Globalisierung bringt ungeheure Herausforderungen für die Welt und das Streben der Menschen nach gerechten und demokratischen Strukturen. Es gibt viele Gründe, pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Aber wir haben die moralische Verantwortung, nicht fatalistisch zu werden. Meine Forschungen möchten die komplexen und äußerst dynamischen Beziehungen herausarbeiten, die es zwischen lokalen, nationalen und transnationalen Bewegungen für Gerechtigkeit gibt. Ich hoffe, dass meine Arbeit Studierende und Aktivisten motiviert, sich für Gerechtigkeit und Demokratie auf der Welt zu engagieren.

Welche fachlichen und persönlichen Erwartungen verknüpfen Sie mit Ihrer Zeit in Bad Homburg?

Vor allem möchte ich mein Buchmanuskript über globale Gerechtigkeit fertigstellen. Sodann freue ich mich, fast ein ganzes Jahr in Gesellschaft hervorragender Kollegen und Studierender zu verbringen. Ich hoffe, von der Auseinandersetzung mit ihren Arbeiten zu profitieren. Und ich will natürlich die Gelegenheit nutzen, etwas Deutsch zu lernen. Kurz – es wird bestimmt eine befruchtende und anregende Zeit!

Was unterscheidet die Arbeit am Kolleg vom Alltag an Ihrer Uni?

Oh, in Bad Homburg herrscht eine sehr ruhige Arbeitsatmosphäre, weit ab von der umtriebigen City und den Unterbrechungen und administrativen Anforderungen des normalen Universitätslebens. Es ist ein Rückzugsort, ein Ort der Besinnung und der Konzentration. Die Möglichkeit, für mehrere Monate am Kolleg zu arbeiten und über mein Forschungsgebiet nachzudenken, ist ein seltenes Geschenk.