Neue Professur am LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik

Der Genomwissenschaftler Michael Hiller trat zum 01. September 2020 eine Kooperationsprofessur der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt an und wird eine Leitungsrolle am LOEWE-Zentrum TBG übernehmen. (Foto: Sven Tränkner, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung)

Das LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG), das sich der Erforschung der genomischen Grundlagen von Biodiversität widmet, hat zum 01. September renommierte Unterstützung erhalten: Prof. Michael Hiller verstärkt den Forschungsbereich Vergleichende Genomik und übernimmt Aufgaben in der Zentrumsleitung. Die Berufung erfolgte in Kooperation der beiden TBG-Partnerinstitutionen Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Goethe-Universität Frankfurt. Zuvor leitete der Genomiker Hiller eine Forschungsgruppe an den Max-Planck-Instituten für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) sowie für Physik komplexer Systeme in Dresden.

Am LOEWE-Zentrum TBG wird sich Hiller mit seiner Arbeitsgruppe vor allem der vergleichenden Analyse des Erbguts verschiedener Lebewesen zuwenden. Im Fokus steht dabei für ihn die Frage, welche Änderungen in der DNA zu unterschiedlichen Eigenschaften von Organismen beitragen. Für diese Analysen entwickelt die Gruppe auch neue Computermethoden. „Bisher haben wir uns vor allem auf Vergleiche von Wirbeltier-Genomen konzentriert. Diese Untersuchungen wollen wir am LOEWE-Zentrum TBG künftig auf weitere Ordnungen von Lebewesen ausdehnen und die Methoden dafür anpassen und weiterentwickeln“, erläutert Hiller.

Ermöglicht wird diese Ausweitung des Forschungsspektrums unter anderem durch technische Fortschritte in der Sequenziertechnologie, die es praktikabel und finanzierbar machen, in kurzer Zeit viele Genomdaten zu erhalten. „Dadurch wird es denkbar, einen Genom-Atlas zu erstellen, der die Artenvielfalt auf genomischer Ebene erfasst. Das ist vielleicht vergleichbar mit den Zeiten der großen Entdeckungen und Kartierungen unseres Globus“, so Hiller. Am LOEWE-Zentrum TBG sieht der Genomiker sehr gute Voraussetzungen, um bei diesen Forschungsaktivitäten eine wichtige Rolle einzunehmen.

Doch nicht nur am Computer und im Labor wird Hiller tätig sein: Im Rahmen seiner Kooperationsprofessur von Senckenberg und der Goethe-Universität Frankfurt wird er in den Biowissenschaften Themen der vergleichenden und funktionellen Genomik an Studierende der Bioinformatik und anderer Master-Studiengänge vermitteln. Die Vorlesungen sollen durch praktische Übungen am Computer begleitet werden. Hiller freut sich auf die Kombination aus Forschung und Lehre: „So kann ich mich intensiv meinen Forschungsfragen widmen – und aktuelle Themen auch in der Lehre behandeln. Der Kontakt zu den Studierenden wird für mich sehr bereichernd sein, denn in meiner bisherigen Position als Gruppenleiter am Max-Planck-Institut in Dresden war dieser Austausch nicht sehr ausgeprägt.“

Wichtig ist ihm zudem die Frage nach dem Anwendungsaspekt der Genomforschung. Hiller hierzu: „Auch wenn wir primär Grundlagenforschung beitreiben, bei der es nicht immer offensichtlich ist, ob und wann neue Erkenntnisse nutzbar gemacht werden können, denke ich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer auch mögliche Anwendungen im Blick haben sollten. Bezogen auf das LOEWE-Zentrum TBG und meine Forschungsinteressen können wir sicherlich viel von Tieren lernen, die im Laufe der Evolution Fähigkeiten entwickelt haben, die diejenigen des Menschen weit übersteigen. Zum Beispiel sind Fledermäuse in der Lage, mit gefährlichen Viren zu leben, ohne Krankheitssymptome zu zeigen. Diese und andere Tiere haben eine lange Lebensspanne und erkranken selten oder gar nicht an Krebs. Andere Lebewesen produzieren oft noch unbekannte Stoffe, die man vielleicht in der Biomedizin einsetzen kann. Da diese Merkmale und Fähigkeiten im Genom verschlüsselt sind, hoffe ich, dass die Genomforschung dazu beitragen kann, die molekularen Grundlagen besser zu verstehen. Um Max Planck zu zitieren – Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen.“

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