Hohe internationale Auszeichnung für neue Erkenntnisse bei der Aufdeckung von Fehlverhalten am Finanzmarkt

Finanzmarktintermediäre, wie Anlageberater oder Broker, sind essenziell für Kleinanleger, um Vermögensbildung am Kapitalmarkt zu realisieren. Daher haben sie einen erheblichen Einfluss auf die finanzielle Situation und Altersvorsorge von Privatpersonen. Aufgrund ihrer Position innerhalb des Finanzsystems schaden Intermediäre, die sich fehlverhalten, nicht nur den betroffenen Anlegern, sondern schwächen insgesamt das Vertrauen in das Finanzsystem, wenn über diese Vorfälle berichtet wird. In ihrer Studie „Who Is the Next ,Wolf of Wall Street‘? Detection of Financial Intermediary Misconduct” zeigen die Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Jens Lausen, Benjamin Clapham, Michael Siering und Peter Gomber auf, wie selbstveröffentlichte Informationen von Finanzmarktintermediären in beruflichen sozialen Netzwerken wie z. B. LinkedIn oder Xing genutzt werden können, um Fehlverhalten aufzudecken. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Journal of the Association for Information Systems veröffentlicht und mit dem Best Paper Award des Journals für das Jahr 2020 ausgezeichnet. Finanzmarktintermediäre veröffentlichen Profilinformationen in Business-Netzwerken, um potenzielle Kunden zu erreichen oder mit ihnen zu interagieren. Auf Basis dieser Informationen trainieren und evaluieren die Forscher verschiedene Machine Learning Modelle zur Klassifizierung von fehlverhaltenden und nicht fehlverhaltenden Intermediären. Hierbei prüfen sie die theoriegestützte Annahme, dass sich die Informationsbereitstellung in sozialen Netzwerken zwischen vertrauenswürdigen und nicht vertrauenswürdigen Intermediären unterscheidet. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass selbstveröffentlichte Informationen von Intermediären vor allem dann wertvoll für die Klassifizierung sind, wenn diese durch andere Teilnehmer im sozialen Netzwerk oder durch verpflichtende Offenlegungen regulatorischer Behörden extern verifiziert sind. Dies liegt darin begründet, dass Informationen, die für die externe Verifizierung der Profilinformationen genutzt werden können, schwer zu manipulieren sind. Dies gilt insbesondere für durch den Regulator veröffentlichte Informationen. Die Ergebnisse der Studie sind von hoher Relevanz für Investoren sowie für Regulatoren und Aufsichtsbehörden, die versuchen, Fehlverhalten am Finanzmarkt aufzudecken. Aufsichtsbehörden können die neuen Erkenntnisse z. B. nutzen, um eigene Modelle für die Finanzmarktüberwachung zu trainieren oder bereits vorhandene Modelle zu erweitern. Dadurch können sie die Effizienz ihrer Arbeit erhöhen und diejenigen Intermediäre genauer überprüfen, die vom System als potenziell fehlverhaltend klassifiziert wurden.

Hier geht es zur Studie.


Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 3/2021 (PDF) des UniReport erschienen.