Niels Anger, Energie-Experte

Der Energie-Experte Niels Anger diskutierte im Mercator Science-Policy Fellowship-Programm mit Politologen über Governance-Strategien.

Keine einfache Zeit für die Europäische Union: Finanz- und Flüchtlingskrise, aber auch der Brexit haben den Zusammenhalt spürbar geschwächt. In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Dr. Niels Anger, im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Referent für Europäische Energiepolitik. Der promovierte Ökonom – das Thema seiner Dissertation lautete „Political Economy and Economic Impacts of Climate Policy“ – beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema Energie.

Erst kürzlich ist er aus Brüssel zurückgekehrt, in der Europäischen Kommission war er für drei Jahre in der Generaldirektion Energie tätig. Dort hat er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einen Vorschlag für die Governance der europäischen Energie- Union erarbeitet.

„Die Gespräche darüber zwischen den Mitgliedsstaaten werden sich nicht immer einfach gestalten“, vermutet Anger; in Zeiten unterschiedlicher Politikvorstellungen in Ost und West, aber auch in Nord und Süd der EU könnten nationale Interessen und die Ziele der Gemeinschaft auseinanderlaufen, gerade bei einem zukunftsträchtigen und die ganze Gemeinschaft betreffenden Thema wie Energie und Klimapolitik.

Dennoch ist Anger zuversichtlich, dass die Energie-Union auf den Weg gebracht werden kann. Für ihn war interessant, sich im Rahmen des Mercator Science-Policy Fellowship-Programms mit Politikwissenschaftlern über das Thema Governance auszutauschen. „Wir haben es bei dem Thema Energie-Union mit einem politischen Mehrebenensystem zu tun.

Das bedeutet, dass die Kommission eng mit den Mitgliedsländern kooperieren muss. Diese müssen eigene Vorschläge erarbeiten, die konsistent mit den gemeinschaftlichen Zielen sind. Dafür bedarf es aber bestimmter Anreizsysteme“, erläutert Anger. „Aus den sehr fruchtbaren Gesprächen mit den Wissenschaftlern habe ich für mich mitgenommen, dass wir in Brüssel durchaus auf die richtigen Strategien gesetzt haben, damit der Weg in Richtung Energie- Union beschritten werden kann.“

Anger betont, dass es im beruflichen Alltag manchmal an dem intensiven Austausch zwischen Politik und Wissenschaft mangele; gute politische Entscheidungen, da ist sich Anger sicher, sollten auf wissenschaftlicher Expertise beruhen. Daher seien Treffen, wie sie über das Mercator-Programm ermöglicht werden, sehr wertvoll:

„Das ist bisher sicherlich einzigartig in Deutschland.“ Anger blickt aber auch sehr positiv auf jene Gespräche mit Wissenschaftlern zurück, die thematisch für ihn Neuland waren: „Auch mit Chemikern und Historikern habe ich sehr interessante Diskussionen geführt, das war für mich auch jenseits des beruflichen Kontextes sehr spannend.“

Anger hofft, beim zweiten Treffen der Fellows im Herbst die Kontakte verstetigen zu können; mit den Politikwissenschaftlern gibt es bereits erste Ideen für gemeinsame Veranstaltungen.

Mehr zum Mercator Science-Policy Fellowship-Programm: www.uni-frankfurt.de/science-policy

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.