Zitierte auch Goethe: Weltbankpräsident Jim Yong Kim; Foto: Dettmar

Zitierte auch Goethe: Weltbankpräsident Jim Yong Kim; Foto: Dettmar

Seine Schlafprobleme zogen sich wie ein roter Faden durch die Rede des Weltbankpräsidenten Jim Yong Kim, als er am 9. Juni einen Vortrag im Festsaal der Goethe-Universität hielt. Die drei globalen Herausforderungen nämlich, die die Welt in den kommenden Jahren in Atem halten werden, würden ihm regelmäßig schlaflose Nächte bereiten, offenbarte Kim: der extremen Armut in nur 15 Jahren ein Ende zu setzen, sich auf die nächste Pandemie vorzubereiten und den Klimawandel zu bekämpfen.

Der Zugang zu Kapital, so Kims Botschaft, spiele eine zentrale Rolle bei der Lösung dieser drei Probleme. Der US-Amerikaner mit südkoreanischen Wurzeln war auf Einladung des Forschungszentrums SAFE, des Center for Financial Studies sowie der Deutschen Bundesbank an der Universität zu Gast. Studenten, Wissenschaftler, Journalisten, die interessierte Öffentlichkeit sowie der gesamte Vorstand der Deutschen Bundesbank verfolgten die kurzweilige Rede des charismatischen Weltbankpräsidenten mit viel Beifall.

Extreme Armut bekämpfen

Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, auf unter 3 Prozent der Weltbevölkerung reduziert werden, so das Ziel der Weltgemeinschaft und Schlafkiller Nummer eins für Jim Yong Kim. Er fasste die Strategie der Weltbank, um dieses Ziel zu erreichen, in drei Worten zusammen: Wachsen, Investieren, Versichern. Die Weltwirtschaft müsse schneller und nachhaltiger wachsen.

Dabei sei sicherzustellen, dass die Armen mehr von den Gewinnen aus diesem Wachstum erhalten. Regierungen sollten deshalb gerade in den Bereichen mehr investieren, die einen direkten Einfluss auf das Einkommen der ärmsten Menschen haben. In den meisten Entwicklungsländern sei das beispielsweise die landwirtschaftliche Produktion.

Denn rund 70 Prozent der weltweit ärmsten Bevölkerungsschichten lebt in ländlichen Regionen und von den Erzeugnissen des eigenen Anbaus. Konkret könne man den Landwirten helfen, indem man ihnen hochwertigeres Saatgut zur Verfügung stellt sowie einen besseren Zugang zu Wasser, Elektrizität und Märkten ermöglicht. Darüber hinaus müsse aber auch mehr in die Menschen selbst investiert werden, forderte Kim.

So seien insbesondere Investitionen in die Gesundheit und Schulbildung von Kindern entscheidend, um die Armutsspirale für die kommenden Generationen zu durchbrechen. Schließlich spiele aber auch der Aufbau sozialer Sicherungssysteme eine große Rolle, die die Menschen zum Beispiel vor Naturkatastrophen sowie der schnellen Ausbreitung von Krankheiten schützten.

Schnelle Hilfe bei Pandemien und den Klimawandel aufhalten

Schlafkiller Nummer zwei liegt dem promovierten Mediziner Kim schon von Berufs wegen am Herzen: Wie kann man die Menschheit vor tödlichen Pandemien effektiv schützen? Ebola habe gezeigt, dass nationale und internationale Systeme nicht ausreichend auf die Vorbeugung, Erkennung und Bekämpfung gefährlicher Infektionskrankheiten vorbereitet seien.

Die nächste Pandemie könne noch schlimmer sein als Ebola und sich noch schneller ausbreiten, warnte Kim. Die Weltbank arbeite derzeit an einem Konzept, wie schnelle finanzielle Hilfe beim Ausbruch einer Infektionskrankheit für die betroffenen Länder bereitgestellt werden kann. Schließlich sei es auch der Klimawandel, der Kim seinen Schlaf raube, wenn er daran denke, dass Naturkatastrophen in den vergangenen 30 Jahren mehr als 2,5 Millionen Menschenleben gekostet und einen Schaden von fast 4 Billionen US-Dollar verursacht hätten.

Aufgrund der globalen Erderwärmung dürften Stürme, Fluten und Dürren in Zukunft noch häufiger auftreten und immer heftiger werden. Gerade Entwicklungsländer würden unter den Folgen leiden. Um den Klimawandel aufzuhalten, schlägt Kim vor, Kohlenstoffemissionen mit Kosten zu belegen und Kraftstoffsubventionen abzuschaffen. Außerdem müssten sich die Regierungen der Industrieländer an ihr Versprechen halten, bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar in Klimaschutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern zu investieren.

„Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun“, zitierte der Weltbankpräsident zuletzt Johann Wolfgang von Goethe. In diesem Sinne ermunterte er auch die jüngeren Zuhörer im Festsaal, für ihre Überzeugungen auf die Straße zu gehen. Ihn selbst habe sein Weg aus mittellosen Verhältnissen über Engagement in Protestbewegungen bis an die Spitze der Weltbank geführt. Ein beeindruckender Weg – auch wenn er nun Schlafprobleme mit sich bringt. [Autorin: Ina Christ]